Imgenbroich: In Imgenbroich muss keiner alleine Weihnachten feiern

Imgenbroich: In Imgenbroich muss keiner alleine Weihnachten feiern

Kaum ein Fest ist mit solchen Emotionen verbunden wie das Weihnachtsfest. Das sind die Tage, an denen die Familie zusammenkommt. Dann wird gemeinsam gegessen, erzählt und vielleicht auch gesungen. Es sind auch die Tage mit besonders intensiven Kindheitserinnerungen.

Im Schein der Kerzen sieht man sich dann wieder mit leuchtenden Augen vor dem Christbaum stehen und denkt mit Wehmut an diese Zeit zurück. Kaum jemand bleibt an diesen Tagen freiwillig allein zu Haus. Deshalb hat Alice Klein aus Imgenbroich die Initiative ergriffen und ein geselliges Zusammensein mit Kaffee und Kuchen, Musik und Weihnachtsgeschichten, guten Gesprächen und einem traditionellem Abschlussessen im Pfarrheim in Imgenbroich organisiert. Alle, die Heiligabend nicht allein verbringen wollen, sind von 14 bis 17 Uhr dorthin eingeladen.

Die Idee schwirrte ihr schon lange im Kopf herum. „Schon vor 20 Jahren hatte ich mit Leute zu tun, die verwitwet waren oder getrennt lebten. Die hatten niemand“, sagt Alice Klein. Damals seien ihre Kinder noch zu klein gewesen, um sie Weihnachten alleine zu lassen. „Heiligabend ist mir schon wichtig“, sagt sie. Inzwischen sind ihre Kinder erwachsen, und als sie das Thema in ihrer Familie ansprach, waren alle Mitglieder gleich Feuer und Flamme und bereit, einen Beitrag zum Gelingen der Aktion beizutragen.

Im vergangenen Jahr hatte sie das Thema dann auch im Pfarrgemeinderat auf den Tisch gebracht. „Da fehlte aber noch das offene Ohr der Anderen. Wahrscheinlich musste das erst reifen“, sagt Klein. Im Sommer kam der Gedanke, eine solche Feier zu organisieren, erneut auf. Im Monschauer GdG-Rat (Gemeinschaft der Gemeinden) trug sie ihr Anliegen erneut vor und stieß dort auf große Begeisterung. Sie nahm Kontakt mit dem Pastoralteam auf und erzählte von ihren Plänen.

20 ehrentamtliche Helfer

Dann fanden sich immer mehr Mitstreiter. „Unter anderem sind zwei Familien mit Kind und Kegel dabei“, sagt Alice Klein. Insgesamt kann sie auf rund 20 ehrenamtliche Helfer zurückgreifen, die Geschichten vorlesen, Musik machen, ein Weihnachtsquiz organisieren, den Fahrdienst übernehmen, sich um das Essen kümmern oder die zwischendurch einfach ein offenes Ohr für die Gäste haben. Den Eindruck, dass das ehrenamtliche Engagement auch in der Eifel zurückgeht, kann sie nicht bestätigen. „Es ist immer jemand da, der mich bei meinen Projekten unterstützt. Die kommen immer“, sagt sie.

Insbesondere älteren Menschen soll Heiligabend das geboten werden, was sie aus Kindertagen kennen. „Deshalb wird es ein traditionelles Weihnachtsessen mit Kartoffelsalat und Würstchen geben, und auch der Weihnachtsbaum soll mit Strohsternen an alte Zeiten erinnern. Die Menschen sollen sich einfach wohlfühlen“, erklärt Alice Klein. Daneben warten auch noch Tütchen mit selbst gemachten Gebäck und Leckereien auf die Gäste. Ein festes Programm ist bis auf wenige Punkte nicht geplant.

Auch heute sind noch Anmeldungen für die Feier möglich. Für eine bessere Planung wäre das hilfreich. Jeder kann aber auch kurzfristig noch ohne Anmeldung vorbeikommen. „Ich weiß nicht, was passiert. Angesprochen sind alle, egal ob alt oder jung und egal woher sie kommen. Wenn 50 Personen kommen würden, wäre das schön. Das bekämen wir gestemmt“, sagt Klein. Ausdrücklich betont sie, dass nicht nur Alleinstehende, sondern auch Paare eingeladen sind, die in der Gemeinschaft feiern wollen.

Für Menschen im Einsatz

Alice Klein steht nicht gerne im Vordergrund und zieht lieber im Hintergrund die Fäden — und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Das ganze Jahr über ist Alice Klein für Menschen im Einsatz, denen es weniger gut geht. Dreimal im Jahr organisiert sie auf dem Bauernhof ihrer Familie im Hengstbrüchelchen in Imgenbroich einen großen Flohmarkt, und in der Vorweihnachtszeit gibt es eine große Tannengrünaktion. Mit dem Erlös werden verschiedene Hilfsprojekte unterstützt. „Mir macht das Spaß, das ist einfach so.

Ich bekomme aber auch eine ganze Menge zurück. Die Dankbarkeit der Leute ist der schönste Lohn“, sagt sie. Wahrscheinlich stecke das aber auch in ihren Genen, schließlich hätten ihre Eltern ihr das soziale Engagement vorgelebt. Und so macht sie es auch — ihre Kinder sind dabei in ihre Fußstapfen zu treten und bei vielen Aktionen dabei. Das freut sie sehr, denn „wenn die Familie nicht mitmacht, geht es nicht“.

Manchmal ist ihr aber zum Heulen zumute, wenn sie vom Schicksal der Menschen erfährt, denen sie helfen möchte. Besonders zu Herzen gegangen ist ihr die Geschichte eines kleinen Mädchens, dass sich zu Weihnachten nichts mehr wünschte als einen schönen neuen Waschlappen. „Es gibt hier viele Kinder, die hängen mehr als hintendran, und uns geht es so gut, dass wir es oft gar nicht mehr bemerken“, sagt Klein.

Anmeldungen sind noch unter Telefon 02472/4986 bei Alice Klein möglich. Für die Hin- und Rückfahrt steht ein Fahrdienst zur Verfügung.