Nordeifel: In der Eifel werden Motorradfahrer jetzt durchgerüttelt

Nordeifel: In der Eifel werden Motorradfahrer jetzt durchgerüttelt

Sogenannte Rüttelstreifen sollen die Motorradfahrer auf der Landesstraße 166 zwischen Kesternich und Rurberg ab dem kommenden Frühjahr ausbremsen. Testweise sollen die Rüttelstreifen in Höhe der Jugendherberge, wo es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen gekommen ist, installiert werden.

Das wurde im September bei einem Ortstermin, an dem Vertreter der Städteregion Aachen, der Gemeinde Simmerath, des Landesbetriebs Straßenbau und der Polizei teilgenommen haben, beschlossen.

Bei diesen Rüttelstreifen handelt es sich nach Auskunft des Landesbetriebs Straßenbau um zwei Zentimeter hohe und vier Zentimeter breite Asphaltstreifen, von denen je vier Stück im Abstand von einem Meter auf der Fahrbahn angebracht werden.

Das Gleiche soll leicht versetzt auch auf der Gegenfahrbahn erfolgen. Sollte sich die Maßnahme bewähren, sollen nach Auskunft des Landesbetriebs auch an anderen Stellen rund um den Rursee Rüttelstreifen installiert werden.

„Um dem Motorradlärm zu begegnen, bedarf es gesetzlicher Änderungen und weiterer Maßnahmen vor Ort. Hierzu gehört jetzt die versuchsweise Anbringung von Rüttelstreifen vor der Jugendherberge Rurberg. Hierdurch sollen einerseits allgemeine Erfahrungen gemacht werden und andererseits die Verkehrssicherheit im Bereich vor der Einfahrt zur Jugendherberge erhöht werden“, sagt Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns.

Im März 2015 hatte die Gemeinde Simmerath im Rahmen eines Symposiums gegen Motorradlärm mit 19 anderen Kommunen einen Forderungskatalog verabschiedet, der das bestehende Recht ergänzen soll. Die Kommunen fordern, dass Motorradfahrer jährlich beim TÜV auf ihre Lautstärke geprüft werden.

Außerdem soll eine absolute Schallobergrenze für den Leerlauf und die Fahrgeräusche der Zweiräder festgelegt werden — auch oberhalb von 80 Stundenkilometern. Außerdem sieht der Forderungskatalog die Halterhaftung und Frontkennzeichen vor. Ein weiteres Mittel wären Straßensperrungen wegen Lärms, die bislang nicht möglich sind.

Auf dem Symposium wurde auch eine Sperrung der Strecke zwischen Kesternich und Rurberg für Motorradfahrer ins Spiel gebracht. Bisher sind Straßensperrungen für Motorräder aber nur dann gesetzeskonform umsetzbar, wenn sie aufgrund stark erhöhter Unfallzahlen erfolgen. Straßen wegen Lärmbelästigung zu sperren ist gesetzlich nicht möglich.

Im Gegensatz zu Streckensperrungen stehe man Rüttelstreifen grundsätzlich positiv gegenüber, sagt Klaus Partsch, der stellvertretende Vorsitzende der Biker Union. Streckensperrungen würden das Problem nur verlagern, Rüttelstreifen seien aber durchaus einen Versuch wert. „Wir befürworten das auf jeden Fall“, sagt Partsch.

Die Erfahrungen aus dem Münsterland und der Region Altenberg im Erzgebirge würden aber ein differenziertes Bild ergeben. Auf der einen Seite hätten die Bürger dort eine Verbesserung der Situation erlebt, weil die betroffenen Strecken für die Motorradfahrer nicht mehr so attraktiv seien und geringer frequentiert würden.

Damit gebe es dann weniger Raser und weniger Lärm. Auf der anderen Seite würden sich die Motorradfahrer an die Rüttelstreifen gewöhnen. Für geübte Fahrer seien sie nur ein geringfügiges Hindernis. „Das ist lediglich eine Sache, wann ich wie beschleunige“, sagt Partsch.

In Altenberg wurden die Rüttelstreifen inzwischen wieder zurückgebaut. Weil sich Anwohner über Lärm durch Motorradfahrer beschwert hatten, waren die Streifen im Jahr 2011 aufgebracht worden. Die wurden von den Motorradfahrer jedoch einfach geschickt umfahren. Die Rüttelstreifen bescherten den Anwohnern einen höheren Lärmpegel als zuvor, weil Autos und Lkw darüber holperten. Im Jahr 2013 wurde das Experiment schließlich beendet.

„Wenn es gegen den Lärm hilft, ist es okay“, sagt der Vorsitzende des Orts- und Verkehrsvereins Rurberg-Woffelsbach (OVV), Michael Franzen. Der OVV hatte sich als Reaktion auf das Symposium und den Forderungskatalog gegen Streckensperrungen und für stärkere Lärmkontrollen durch die Polizei ausgesprochen.

Mit Blick auf die geplanten Rüttelstreifen hat Franzen aber Bedenken, ob der Motorradlärm dadurch überhaupt eingeschränkt werden kann. „Die Frage ist, ob das wirkt. Danach beschleunigen die doch wieder“, sagt Franzen. Außerdem treffe man mit dieser Maßnahme auch die Autofahrer. Die einzige Möglichkeit, dem Lärmproblem wirkungsvoll entgegen zu treten, sieht Franzen in einer Ordnungspartnerschaft zwischen Kreis, Polizei und Kommunen.

Dies werde im Sauerland so praktiziert. Dort komme ein neues Schallpegelmessgerät zum Einsatz, mit dem Motorradlärm „gerichtsfest“ belegt werden könne, sagt Franzen.

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