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Simmerath: In 15 Jahren 30.000 Retter in Simmerath ausgebildet

Simmerath : In 15 Jahren 30.000 Retter in Simmerath ausgebildet

Als die Retter an der Unfallstelle ankommen, ist die Patientin noch ansprechbar. Sie jammert und klagt, während die Einsatzkräfte versuchen, beruhigend auf sie einzuwirken. Der Zustand der Patientin verschlechtert sich zusehends, worauf die Helfer mit entsprechenden Maßnahmen reagieren. Über Lautsprecher ertönt plötzlich eine Stimme und die Übung ist beendet.

In den Kulissen in den Räumen der Landesschule Nordrhein (LANO) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Simmerath vergessen die Teilnehmer schnell, dass es sich nur um ein Training handelt und jeder Handgriff durch diverse Kameras zur Nachbesprechung aufgezeichnet werden kann.

Nicht nur Rettungs- und Notfallsanitäter in der Ausbildung lernen hier für den Ernstfall, auch erfahrene Retter nutzen die Simulationsmöglichkeiten für Fortbildung und Training. Mehr als 30.000 Retter hat die LANO in den vergangenen 15 Jahren in Simmerath ausgebildet. Die Teilnehmer kamen aus den ehren- und hauptamtlichen Strukturen des DRK, aus anderen Hilfsorganisationen, von Feuerwehren und Kommunen, und auch externe Kunden ließen sich in Simmerath ausbilden und für anspruchsvolle Einsätze fit machen.

80.000 Übernachtungen

Am 1. März 2003 startete die LANO als Mieter in den Räumen des Bildungszentrums der Handwerkskammer Aachen (BGZ) ihren Schulbetrieb als Berufsfachschule für den Rettungsdienst und Schule für Breitenausbildung im DRK. Zu Beginn umfasste das Personal drei Personen (Schulleitung, stellvertretende Schulleitung und eine Mitarbeiterin für die Verwaltung). Heute beschäftigt die LANO 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Von 2003 bis heute waren mit der Belegung aller Kursangebote 50.000 Übernachtungen im BGZ sowie 30.000 weitere in Hotels und Pensionen verbunden“, sagt Schulleiter Stefan Wilms.

Aber nicht nur die Zahl der Mitarbeiter hat sich in den vergangenen 15 Jahren verändert und entwickelt. „Während die praktischen Übungen zu Beginn noch unter freiem Himmel und im Hörsaal absolviert wurden, war schnell klar, dass weitere Räumlichkeiten her mussten“, erläutert Christina Scholl, Abteilungsleiterin Nationale Hilfsgesellschaft und Landesschule beim DRK. Über die Handwerkskammer Aachen wurde eine Werkshalle mit angeschlossenem Lehrraum angemietet. Ein paar Möbel, ein Pkw sowie ein einsatzbereiter Rettungswagen machten die Halle zu einem Trainingsraum. „Die Erfahrungen und Rückmeldungen unserer Schülerinnen und Schüler zeigten, das geht noch besser“, sagt Christina Scholl.

Ende 2009 wurde die Idee des Notfallmedizinischen Simulationscenters (NMSC) konzipiert. In vier Monaten Bauzeit wurde eine Trainingsfläche von circa 350 Quadratmetern geschaffen. Die Kosten beliefen sich auf rund 100 000 Euro. Mit den realitätsnahen Kulissen verfügt das NMSC unter anderem über eine komplette Gebäudebaustelle nebst Baugerüst, ein Park- beziehungsweise Spielplatzszenario und einen Straßenabschnitt. Ein mobiler Pkw, ein fest verbauter Lkw sowie ein Motorrad und ein Fahrrad ermöglichen die Darstellung unterschiedlichster Unfallszenarien. Eine Nebelmaschine, Blaulicht sowie optische und akustische Simulationen ermöglichen den Lernenden hautnahe Erfahrungen. Eine komplett nachgebaute und möblierte Wohnung rundet die Trainingsmöglichkeiten ab.

„Das sind Erfahrungen, die in späteren Rettungseinsätzen von unschätzbarem Wert sind. Sonst hätte man sie erst in der Realität gesammelt. Dann muss es aber klappen“, sagt Schulleiter Wilms.

Enge Kooperation mit Hochschulen

„Das Aus- und Fortbildungsangebot der LANO wurde stetig weiter modernisiert und ausgebaut, mit dem Ziel, durch zeitgemäße und flexible Angebote die individuellen Fähigkeiten der Teilnehmenden weiterzuentwickeln“, erklärt der stellvertretende Referatsleiter Leander Thormann. Seit dem Jahr 2014 besteht auch eine enge Kooperation mit dem Essener Institut der Steinbeis-Hochschule Berlin, Institute for Public Health an Healthcare Nordrhein-Westfalen. Seitdem ist der Standort in Simmerath auch Campus für die berufsbegleitenden Studiengänge und Zertifikatslehrgänge in den Bereichen Berufspädagogik, Rettungsdienstmanagement sowie Notfall- und Krisenmanagement. „Immer mehr Weiterbildner ohne Studienabsicht mischen sich unter die Gruppe der Studierenden und bilden sich auf Hochschulniveau fort“, sagt Thormann.

Anja Dolz hat die Entwicklung der LANO von Anfang an miterlebt. 2003 kam sie im Rahmen ihrer Ausbildung zur Rettungshelferin nach Simmerath. „Die Bedingungen waren recht einfach und das Trainingszentrum noch nicht da“, erinnert sie sich. Alle folgenden Weiterbildungen absolvierte die 35-Jährige in Simmerath und arbeitet heute als Notfallsanitäterin im DRK-Kreisverband Jülich. Jedes Jahr habe es neue Veränderungen gegeben, so seien zum Beispiel die Technik und die Organisation verbessert worden. „Es war definitiv spürbar, dass man sich Gedanken gemacht hat. Mit den Anfängen ist die LANO heute nicht mehr zu vergleichen“, schildert sie ihre Eindrücke.

Bis 2003 war der Standort der Landesschule in Düsseldorf. Mit Blick auf das große Einzugsgebiet, das sich von Kleve im Norden, über Essen und Gummersbach bis in die Eifel erstreckt, schien der Wechsel nach Simmerath zunächst mit einem großen Nachteil verbunden zu sein, da die Lage weit weniger zentral ist. Von Vorteil waren aber die bereits vorhandenen Internate und die Räumlichkeiten, die uns im BGZ geboten wurden“, erklärt Wilms.

Es habe eine Empfehlung gegeben, den vermeintlichen Nachteil zum Vorteil zu machen und mehrtätige Veranstaltungen anzubieten. „Hier sind wir an der frischen Luft und haben keine Parkplatzprobleme. Unsere Kunden kommen nicht nur wegen der Schulung her, sondern auch wegen der Lern- und Urlaubsatmosphäre. Viele kommen gerne wieder, weil sie Simmerath in guter Erinnerung behalten haben. Die Preise in der Umgebung sind moderat, und es sind viele Freizeitaktivitäten möglich. Das kommt an“, sagt der Schulleiter. Deshalb gibt es auch ein „ganz klares Bekenntnis“ zum Standort Simmerath. „Wir sind sehr froh, hier zu sein. Wo hätten wir sonst diese Möglichkeiten?“, betont Wilms.