Imgenbroich: Imgenbroich hat eine Maikönigin

Imgenbroich: Imgenbroich hat eine Maikönigin

Ein neuer Orden für die Königin: Helga Schreiber ist die frisch gekürte Mai-Majestät 2015 der Imgenbroicher St.-Hubertus-Schützenbruderschaft. Und diesen Titel errang sie nach hartem Stück Arbeit just am „Tag der Arbeit“.

Der Tag wurde für die Ausrichter und ihr treues Publikum zum Geduldsspiel und Tag der Kuriositäten. Auf der Schießbahn „Auf der Rahm“ waren die für gewöhnlich Armbrust-bewährten Mannen der Burtscheider Tell-Schützengesellschaft zum schiedlich-friedlichen Vergleichswettkampf mit der großkalibrigen „Donnerbüchse“ zu Gast. Ein von den Gästen gestifteter Verdienstorden für den Sieger oder die Siegerin des Maischießens, sollte eine greifbare Erinnerung an die jahrzehntelange Schützenfreundschaft sein, die jeden Mai neu bekräftigt wird.

Die erste Trägerin der Auszeichnung, Helga Schreiber, ist seit dem Jahr 2000 eine Hubertus-Schützin. Diesmal dürfte der 1. Mai für Gewinnerin Schreiber leicht zu merken sein, die Freundschaft der Ömscher Brauchtums-Schützen zu ihren Öcher Freunden währt schon mehr als 30 Jahre. Und seit Gründung der bewährten Partnerschaft ist es guter Brauch, im Wechsel der Schießanlagen zur jährlichen Mannschaftsbegegnung anzutreten. Das war diesmal für die Imgenbroicher St.-Hubertus-Bruderschaftler ein sportliches „Rückspiel“. Waren sie doch erst Karfreitag bei ihren freundlichen Konkurrenten zum Fischessen geladen.

Imgenbroichs Brudermeister Ralf Schmitz unterstrich in einem Grußwort die Bedeutung der sportlich-freundschaftlichen Treffen: „Wir wollen gemeinsam schöne Stunden verleben. Ihr habt doch wohl auf der Himmelsleiter kein Streusalz benötigt?!“ „Tell“ Karl-Heinz Schmitz freute sich ebenfalls auf „eine gesellige Zeit und gut Schuss mit unseren Eifeler Kameraden“. Die Öcher Schießsportler waren mit ihrem amtierenden König Tim Buchem und Prinz Sascha Banch in die Nordeifel gereist.

Der Wettbewerb galt der Erringung folgender Trophäen: linker und rechter Flügel des widerstandsfähigen Holzvogels, Kopfschmuck und schließlich zentrale und „königsmachende“ Zielscheibe Rumpf. Alle zum königlichen Meisterschuss antretenden Kandidaten mussten sich laut Reglement und bei drohender saftiger Euro-Strafe an diese Reihenfolge des Lorbeer-Erringens halten. „Tell Sascha Quante und Andrea Franzen orientierten sich auch brav an den Vorschriften; sie holten den linken wie rechten Flügel des massiven Holzvogels von der Stange im Kugelfang. Doch Dieter Schlagloth erwies sich als listiger und verfrühter „Kopfjäger“. Er brachte, entgegen der Bestimmung, die Krone des zu Schießbeginn noch stolzen, doch später arg gerupften Adlers mit einem Blattschuss zur Strecke — ein verboten-teures, wenn auch vielbejubeltes Vergnügen. Das verantwortliche Schießkomitee entschied sich, dem Greif seinen Kopfschmuck erneut aufs Haupt zu setzen. Und dann machte Lothar Steffens mit dem zweiten Streich das Wappentier erneut, und diesmal legal, einen Kopf kleiner und die Bahn frei für Maikönigin in spe Helga...

Der Wettbewerb bei schier spätherbstlichen Temperaturen und Glühweinwetter zog sich hin — die Donnerbüchse gab manches Mal statt „Feuer frei“-Kracher nur ein leises „Klick“ von sich. Auslöser für manches Fachgespräch der Ballistiker um Schießmeister Franz Tings. Handgegossene Patronen für das historische Gewehr verlangen offenbar individuellen Umgang gegen Ladehemmung. Als alle Hemmnisse glücklich beseitigt waren, galt Auf der Rahm nur noch eine Devise: „Hoch lebe unsere Maikönigin Helga!“

(M. S.)
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