Monschau: Im 15-Minuten-Takt durch die Museen

Monschau: Im 15-Minuten-Takt durch die Museen

„So eine Nachtwächterführung ist etwas ganz besonderes”, freuen sich Matthias und Marlene Smit aus Brüggen, das bekäme man nicht in jeder Stadt geboten. Im Rahmen der vierten Veranstaltung „Nachts im Museum” in Monschau und Umgebung gehörte die Nachtwächterführung durch die Altstadt zu den Highlights der von der Monschau-Touristik organisierten Veranstaltung.

Trotz Regenwetters waren die Besucherzahlen zufriedenstellend und sowohl Einheimische („Da gehen wir jetzt auch mal hin”) wie auch viele Touristen nutzten die Gelegenheit um die Galerien, Museen und Geschäfte zu besuchen, darunter das Rote Haus, die Caffee-Rösterei Maassen, das Brauereimuseum, die Kunstschau in der Markthalle, die Galerie Beumers und die Historische Senfmühle sowie die historische Eschbachstraße in der Altstadt, die Uraalt Scholl in Mützenich, das Druckereimuseum Weiss, das Musikmuseum in Imgenbroich, die Bildhauerwerkstatt Hensen und das Webereimuseum in Höfen.

Shuttle-Service

Ein Shuttle-Service im 15- Minuten-Takt brachte die Besucher von einem Event zum anderen. Die Runde des von Karlheinz Huppertz organisierten Shuttle-Verkehrs „klappt gut und dauert ungefähr eine Stunde”, erzählte Katja Semleit, eine der vier engagierten Busfahrerinnen und Fahrern, die bis ein Uhr nachts unterwegs waren. „Wir lassen keine Menschenseele hier allein herumirren”. Das Webereimuseum in Höfen, in dem man in den Jahren 1955 - 1970 Baumwolle verarbeitet hatte, war eine der Sehenswürdigkeiten. Dr. Bernd Jansen, Betreuer des Webereimuseums zeigte Besuchern, wie es in der letzten Kleinstweberei in Höfen einst zuging.

Im Musikmuseum wurde ein Reise in die wundervolle Welt der selbstspielenden Musikinstrumente gezeigt. Fast eine Stunde verbrachten Marlies Gaede und Dieter Voss dort, fasziniert von der damaligen mechanischen Technik. „Es gibt sogar eine Kaffeekanne mit Musik”, so das Kölner Paar und bedauerte wie viele andere Besucher, dass die Zeit viel zu kurz sei, um alle Museen und Ausstellungsorte zu besuchen.

Die Freunde der Buchkunst verweilten im Druckereimuseum Weiss nach den Führungen bei „lockeren Gesprächen an der Theke”, berichtete Kurt Förster, Leiter des Museums und Schriftsetzermeister der alten Schule.

Auch in der Senfmühle von 1882 gab es neben den Führungen Musik und Getränke. Hier sorgten Siegers & Sohn mit Liedern aus den 20er Jahren dafür, dass die Zeit bis zur nächsten Führung nicht lang wurde. Hier gäbe es immer was zu lachen - und zu weinen, „weil so mancher Senf so scharf ist”, so Ruth Breuer.

Große Geschichte schrieb auch die Tuchmacherfamilie Scheibler. Das gut besuchte Rote Haus im Herzen von Monschau war eines großes Highlights unter den Museen. „Man kann träumen und sich vorstellen, wie es wäre, wenn man selbst hier gelebt hätte”, war Pia Haase-Leh aus dem Siebengebirge fasziniert. Neben dem Roten Haus war sie begeistert von dem Flair der Altstadt, „den Winkeln, Ecken und Vorsprüngen, die so unglaublich lebendig wirken”.

Begeistert war sie auch von der Nachtwächterführung, bei der Otmar Gillessen im historischen Kostüm die eine oder andere, mal schaurige, mal komische Anekdote erzählte. „Der Ort selber ist ein einziges Museum”, so auch Christine Fitz-Franzen, die sich mit ihrem Mann und Enkeltochter Hanna bei Mechthild Juchems in ihrem Geschäft „Wein - Tee & Präsente” in der wunderschön dekorierten Eschbachstraße eine kleine Stärkung gönnte und auch Einheimische, wie die Familie Rudolf mal wieder Bummeln ging. „Mein Bruder Vincent ist im Roten Haus verschollen”, sagte Leander Rudolf, der interessiere sich sehr für Kunst.

Gut besucht war auch die Galerie Beumers. „Einen „Blick ins Leben” bot die Galerie im Tuchschererhaus, wo neben den eigenen Arbeiten, Aquarellen und Ölgemälden von Manfred Beumers ein interessanter Querschnitt anderer europäischer Künstler gezeigt wird.

In der Caffee-Rösterei Maassen drängte man sich noch bis Mitternacht, wärmte sich bei einer wirklich guten Tasse Kaffee und ließ sich von den Gebrüdern Maassen erklären wie ein guter „do Brasil” sein bekömmliches Aroma durch althergebrachtes langes Röstungsverfahren erhält. „Solch Röstereien wie damals gibt es nicht mehr viele”, schwärmten die Besucher und bedauerten, wie schnell die Nacht der Museen schon wieder vorbei war.

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