Simmerath: Hinter der sanften Stimme lauert das Verbrechen

Simmerath: Hinter der sanften Stimme lauert das Verbrechen

„Der Inhalt des Buches ist eigentlich in einem Satz erzählt: Ein Aachener als Karnevalsprinz in Köln — das geht nicht!“ So leitete Kurt Lehmkuhl die Lesung aus seinem neuesten Rheinlandkrimi „Printenprinz“ in der Gemeindebücherei Simmerath ein.

Zum Glück ermittelt sein aus vier früheren Krimis bekannter Protagonist Exkommissar Rudolf-Günther Böhnke sehr wohl über 352 Seiten hinweg, so viel sei verraten, und gewährt nebenbei tiefe Einblicke sowohl in den Ernst des Karnevals als auch in den kölschen und öcher Klüngel.

Aber natürlich steht das Verbrechen im Vordergrund. Wenn es auch ein wenig dauert, bis es dazu kommt, gibt es bis zu diesem Zeitpunkt jede Menge Motive und Täter. Da jede Stadt ihren ganz eigenen Bräuchen und Traditionen frönt und der Wettbewerb, wer den schönsten Karnevalsumzug zu bieten hat, groß ist, mutet es in einer solchen Atmosphäre als undenkbar an, dass ein Aachener das berühmte närrische Dreigestirn der Kölner anführt.

Und allen Unkenrufen gemäß wird vor dieser ungewöhnlichen und heftig umstrittenen Premiere, die den leeren Kassen der Jecken in Köln geschuldet ist, der Aachener Prinzenanwärter und betuchte Printenproduzent Peter von Sybar getötet.

Ganz klar wieder mal ein Fall für Rudolf-Günther Böhnke, der die Fährte übrigens schon vor dem Mord aufgenommen hat, engagiert vom Opfer persönlich. Wie es dazu kam, ob die Karnevalisten hier ein Stück zu weit gegangen sind, ob der Mörder, gar die Mörderin im beruflichen oder privaten Umfeld zu suchen ist, das alles ist im „Printenprinz“ nachzulesen.

Kein Geheimnis gibt man preis, wenn man ausplaudert, dass bei aller Bereitschaft zur Befriedigung seines professionellen Spürsinns Böhnke nur ungern sein beschauliches Eifeldorf Huppenbroich verlässt, zumal alles andere als ein Karnevalsjeck in ihm schlummert.

Kurt Lehmkuhl schöpft bei diesem Krimi aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz als Redakteur des Aachener Zeitungsverlags und seinen guten Kontakten zu Musikern und Büttenrednern. Er widmet sein Buch seinem ehemaligen Kollegen Hanns Bittmann, der auch einmal Karnevalsprinz in Aachen war, und lässt den Verkaufserlös der Stiftung „Nele-und-Hanns-Bittmann-Verein für Kinder in Not“ zukommen.

Mit Anekdötchen garniert

Die Lesung in der Gemeindebücherei war mit reichlich Spannung gespickt und mit Anekdötchen rund um die Idee und die Fertigstellung des Buches garniert. Kaum zu glauben, dass hinter Kurt Lehmkuhls verschmitztem Gesichtsausdruck und seiner sanften Stimme das Verbrechen lauert.

Um sich davon zu überzeugen, stehen Besucher seiner Lesungen und der Heinsberger VHS-Kurse „Kriminelle Kurzgeschichten — von der Idee bis zur Präsentation“ Schlange. Der Genuss von Printenkonfekt und die Möglichkeit, die erworbenen Bücher vom Autor signieren zu lassen, rundeten den spannend gemütlichen Abend ab.