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Heimatkalender 2020: Hoffnung auf weitere finanzielle Unterstützung

Der „Heimatkalender 2020“ ist da : „Das historische Gedächtnis des Monschauer Landes“

Historisches und Volkskundliches, Kunst und Kultur, Natur und Landschaft und Beiträge zum aktuellen Geschehen im Monschauer Land: Diese bewährte Mischung bietet das Jahrbuch 2020.

Es ist die neue Ausgabe der seit Jahrzehnten jeweils zum Ende des Jahres erscheinende Publikation, die seit 1953 vom Geschichtsverein des Monschauer Landes herausgegeben wird und den Wandel der Zeit überdauerte. Besser bekannt als „Heimatkalender“, ist das Jahrbuch nach wie vor eine feste Größe und beliebter Lesestoff für die Eifeler Bevölkerung, oder wie Dr. Herbert Arens vom Vorstand des Geschichtsvereins es jetzt bei der offiziellen Präsentation im Cafe Kaulard in Monschau auf den Punkt brachte: „Den Heimatkalender darf man wohl als das historische Gedächtnis des Monschauer Landes bezeichnen.“

Das Jahrbuch fällt mit seinen 196 Seiten diesmal etwas weniger umfangreich aus, aber die „bunte Vielfalt“, so die Vereinsvorsitzende Gabriele Harzheim, sei auch diesmal gewährleistet. „Es liegt nichts mehr auf Halde“, sagte Harzheim und warb dafür, dass neue Autoren für die Gestaltung der zukünftigen Ausgaben „immer willkommen sind“.

Anfang des Jahres gab es einige Irritationen um die Finanzierung des Heimatkalenders, nachdem die Städteregion Aachen die weitere finanzielle Unterstützung in Höhe von jährlich 3700 Euro zur Diskussion gestellt hatte, eine vertragliche Zusage, die nach der kommunalen Neugliederung im Jahr 1972 damals vom Kreis Aachen übernommen wurde. Für das Jahrbuch 2020 wurde der Zuschuss noch gewährt, und dass es auch weiter so bleibt, ist die gemeinsame Hoffnung aller Beteiligten, denn ohne diese Hilfe „ginge es nicht“, sagte die Vorsitzende. Sie sei aber zuversichtlich, „dass in den weiteren anstehenden Gesprächen eine Lösung gefunden wird“. Diesen Wunsch äußerte auch der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, der auf die besondere Qualität und langjährige Tradition des Heimatkalenders verwies, der sich durch sein großes Verbreitungsgebiet deutlich von vergleichbaren Publikationen unterscheide und daher auch eine weitere finanzielle Förderung verdiene.

Der Titel des Heimatkalenders 2020: Der Maler Heinrich Gesemann schuf vor rund 100 Jahren diese aufschlussreiche Ansicht aus der Monschauer Altstadt, die er aber am Ende verwarf: Die Fachwerk-Fassaden an der Eschbachstraße (re.) und dem Stehling sind größtenteils verkleidet, da Fachwerk als bäuerlich galt. Davon wollte sich das städtisch geprägte Monschau unterscheiden. Foto: Peter Stollenwerk

Die Themenbreite im Jahrbuch 2020 unterstreicht diese Wertung: Das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren in der Eifel ist ein großes Thema (Autor: Franz-Josef Brandenburg) wie auch die Bedeutung der Steinbrüche in der Region für den Bau der Ordensburg Vogelsang (Franz Albert Heinen). Elmar Neuß enträtselt ein Rätsel, „das keines ist“: Gemeint ist damit die „neu entdeckte Burg“ in Huppenbroich. Der Historiker widerlegt anhand von Fakten anderweitige Erkenntnisse und hält fest, dass es sich bei der angeblichen Burg um eine Hofanlage, und zwar den Lehenshof Eicherscheid des Herzogs von Jülich, handelt. Dieser Hof sei auch bereits in anderen Veröffentlichungen dokumentiert worden, schreibt der Autor, dem es „die Sprache darüber verschlägt, wie leichtfertig sich ‚Fachleute’ dazu verleiten lassen, auf elementare handwerkliche Standards zu verzichten“.

Neue Erkenntnisse verschafft auch ein Beitrag von Toni Offermann zur Expansion der Monschauer Tuchindustrie ins benachbarte Ausland. Grenzstreitigkeiten an der Lammersdorfer Vennbahntrasse (Karl-Heinz Hoffmann), der „kalte Krieg“ in Höfen (Paul Gerwers) und der Mundart-Beitrag „Em Heu“ (Günter Krings) belegen des weiteren die Themenvielfalt des Heimatkalenders.

Eine spannende Geschichte verbirgt sich auch jeweils hinter dem Titelbild. Das Jahrbuch 2020 zeigt ein etwa 100 Jahre altes Ölgemälde mit einer typischen Ansicht der Altstadt Monschau. Der Maler Heinrich Gesemann verbrachte einige Jahre in Monschau. Als er sich aber 1919 an die Mosel zurückzog, bedeutete ihm das Motiv der Rurpartie offenbar nicht mehr viel, denn er wendete die Leinwand und malte eine idyllische Flusslandschaft auf die Rückseite. Malerleinwand war zu dieser Zeit sehr teuer. Vorstandsmitglied Hans Gerd Lauscher griff das „verworfene“ Monschau-Gemälde auf, das für ihn ein authentisches Zeugnis der kleinstädtischen Architektur um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert gibt. Platz im Heimatkalender findet auch wieder ein ausführlicher Pressespiegel, und schließlich gratuliert der Geschichtsverein seinem Ehrenmitglied Franz Wilhelm Hermanns zum 80. Geburtstag.