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Nordeifel: Heimat für Biber und Wildkatzen

Nordeifel : Heimat für Biber und Wildkatzen

Noch ringen Fachleute und Lobbyisten um ein Konzept für den künftigen Nationalpark Eifel.

Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW (LÖBF) hatte bereits früh im Auftrag des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums eine Vorstudie erstellt, um die Frage zu beantworten, ob das Gebiet mit dem Noch-Truppenübungsplatz Vogelsang als Zentrum aus fachlicher Sicht die Voraussetzungen zur Ausweisung als Nationalpark erfüllt.

Ein Mittelgebirgs-Nationalpark muss zwei großen Ansprüchen gerecht werden: Er muss die für den Raum charakteristischen natürlichen Ökosysteme und eine entsprechend artenreiche Pflanzen- und Tierwelt auf überwiegend naturschutzwürdigen Flächen aufweisen.

Er muss auch großräumig genug sein, damit in diesen Ökosystemen die natürliche Dynamik ablaufen kann. Darauf gehen Martin Woike (zuständiger Abteilungsleiter bei der LÖBF), Andreas Pardey und Rotraud Wolff-Straub in ihrem Beitrag für den Seminarbericht der Natur- und Umweltschutzakademie NRW über das bisherige Verfahren auf dem Weg zum Nationalpark Eifel näher ein.

Für die Größe hat die „Föderation der Natur- und Nationalparke Europas, Sektion Deutschland” (FÖNAD) Empfehlungen ausgesprochen. Nationalparke in Mittelgebirgen sollen danach mindestens 6 000 bis 8 000 Hektar groß sein. Die vorgeschlagene Fläche in der Nordeifel umfasst etwa 8 900 Hektar, von denen sich 99 Prozent in Besitz der öffentlichen Hand befinden.

Das Gebiet gehört auch zu den wenigen 16 Parks in Nordrhein-Westfalen, die auf mehr als 50 Quadratkilometern nicht von Verkehrswegen zerschnitten sind. Im künftigen Nationalpark Eifel gibt es zwei unzerschnittene Landschaftsräume der Größenordnung 50 bis 100 Quadratkilometer, die nur durch die Bundesstraße 266 getrennt werden.

Die so genannte Wertigkeit, sprich die Naturschutzwürdigkeit, ist hoch. „Mindestens 52 Prozent der Vorschlagsfläche sind aktuell naturschutzwürdig”, befand die LÖBF schon in ihrer Vorstudie. Obwohl damals noch nicht einmal alle Gebiete untersucht werden konnten, kamen die Fachleute auf mehr als 200 gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Bekanntester Vertreter ist wohl der Biber. Etwa 100 Familien des 1981 wieder angesiedelten Bibers leben heute in der Ruraue und ihren Nebenbächen. Der Biber war im 19. Jahrhundert in der Nordeifel ausgerottet worden. Heute weist er eine auch für die Experten „erstaunlich hohe Toleranz” gegenüber Störungen in siedlungsnahen Bereichen auf.

Schwarzspecht und Uhu im Militärgelände

Der geplante Nationalpark liegt auch in der Kernzone des nordrhein-westfälischen Verbreitungsgebietes der vom Aussterben bedrohten Wildkatze. Mit etwa 1000 Tieren hat sie in der Nordeifel die größte Population in ganz Deutschland.

Zu den mindestens 160 gefährdeten Tierarten, die im künftigen Nationalpark noch leben, gehört beispielsweise auch der Schwarzspecht, und der Uhu brütet regelmäßig auf dem Truppenübungsplatz Vogelsang.

Für den Laien vielleicht weniger spektakulär, aber auch schon fast vom Globus verschwunden: die „Große Goldschrecke” und der „Warzenbeißer”, ebenfalls eine Heuschreckenart, haben auf dem Truppenübungsplatz eine fast letzte Zuflucht gefunden.

Über 460 Pflanzenarten sind für den Truppenübungsplatz nachgewiesen, und allein im FFH-Gebiet „Dedenborn mit Wüste- und Püngelbach” wurden rund 300 Pflanzenarten gezählt, von denen 40 auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Zu den Seltenheiten gehört zum Beispiel der Wildapfel, der in den uchenwäldern bei Dedenborn noch vorkommt.