Monschau: Haupt- und Realschule schreiben ihr letztes Kapitel gemeinsam

Monschau: Haupt- und Realschule schreiben ihr letztes Kapitel gemeinsam

Das letzte Kapitel der Elwin-Christoffel-Realschule und der Gemeinschaftshauptschule in Monschau ist aufgeschlagen. Das Ende beider Schulen ist längst beschlossen, das Gebäude der Hauptschule auf der Haag ist für den Unterricht bereits geschlossen.

Die Schüler und Lehrer sind umgezogen und haben bis zum endgültigen Auslaufen beider Schulen Ende des Schuljahres 2017/18 ein neues gemeinsames Zuhause in den Räumen der Elwin-Christoffel-Realschule gefunden.

Erste Versuche der Kontaktaufnahme hat es bereits gegeben. „Die Schülervertreter der Realschule haben sich schon bei mir vorgestellt und angeregt, dass die Klassensprecher untereinander Kontakte aufbauen“, sagt der Leiter Hauptschule, Franz Anton Dénes.

Auf dem Schulhof ist nicht zu erkennen, wer zu den Haupt- und wer zu den Realschülern gehört. Vorurteile und Verunsicherung gab es aber auf beiden Seiten. „Man sieht die nur auf dem Schulhof. Ansonsten kennt man die gar nicht“, sagt der 15-jährige Kai Hilger aus der 10b der Realschule. „Die Raucherecke ist jetzt etwas voller als vorher“, stellt Sophia Servatius (16) fest. „Der Schulhof und die Busse sind jetzt voller, sonst gibt es keinen großen Unterschied“, meint Catherine Fieber (15).

Sophia war zuerst „geschockt“, als sie hörte, dass die Hauptschüler in der Elwin-Christoffel-Realschule einziehen werden. Sie berichtet von ihren Vorurteilen, die sie im Vorfeld hatte, die sich dann aber nicht bestätigt hätten. Auch Kai dachte: „Muss das jetzt sein?“ Inzwischen hat er festgestellt, „dass es kein Problem gibt“. Catherine hatte ebenso ihre Vorurteile. „Jetzt ist es aber gar nicht schlimm. Ich habe es mir anders vorgestellt“, sagt sie. Inzwischen wünschen sich die drei Realschüler mehr Kontakt zu ihren neuen Mitschülern.

Der 16-jährige Marvin Müller und die 18-jährige Jenna Meurer aus der 10a der Hauptschule fühlen sich wohl in der neuen Schule, auch wenn sie noch eher unter sich sind. „Ich dachte, die werden uns beleidigen, weil wir Hauptschüler sind. Das war aber nicht so. Bisher habe ich keine blöden Sprüche gehört“, schildert Jenna ihre Erfahrungen. Marvin kannte schon ein paar Leute, mit den anderen habe er noch nicht so viel gesprochen, sagt er. Gut gefällt ihm, „dass hier viel mehr Schüler sind, auf der Hauptschule waren ja nur noch ein paar Klassen.

Sorgen, Ängste und Bedenken gab es aber nicht nur von Seiten der Schüler. Im Vorfeld des Umzugs hatten besorgte Eltern den Leiter der Elwin-Christoffel-Realschule, Peter Groten, angerufen. „Es ging um Ängste, die die Schüler gar nicht haben“, sagt Groten. Aus seiner Sicht stehen positive Aspekte im Vordergrund. „Das Gebäude ist jetzt belebt, sonst wären beide Einrichtungen tot und leer gewesen. Ich bin froh, dass es so ist“, sagt Groten.

Den Leiter der Hauptschule erreichten weniger Anrufe von besorgten Eltern. „Viele unserer Schüler waren ja auch mal auf der Realschule“, sagt Dénes. Die Fragen der Eltern hätten sich hauptsächlich um Busverbindungen, Klassenräume und Lehrer gedreht. Im Mittelpunkt habe die Frage gestanden, ob der Unterricht in gewohnter Form möglich sei. Auch Marvin hatte die Befürchtung, jetzt auf neue Lehrer zu treffen, umso glücklicher ist er, dass er auch an der Realschule auf die vertrauten Gesichter trifft.

Für Marvin ist es schon der zweite Umzug innerhalb weniger Jahre. Auch die Zusammenlegung der Hauptschulen Simmerath und Monschau sei mit starken Emotionen verbunden gewesen, erinnert sich Dénes. „Nach zwei Wochen hat man bei den Schülern aber nichts mehr davon gemerkt. Bei den Eltern hat das vielleicht etwas länger gedauert“, glaubt der Schulleiter. Doch nicht nur für Schüler und ihre Eltern sei die besondere Situation der beiden Schule mit Emotionen verbunden, sondern insbesondere auch für die Lehrer, für die die Frage im Vordergrund stehe, wie es später für sie beruflich weitergehen kann.

„Das war ein Gefühl als würde einem plötzlich die Wohnung gekündigt. Das Verständnis für die Sache war da, aber Emotionen spielen auch eine Rolle“, sagt Dénes. Mit den Kollegen der Realschule habe man frühzeitig gesprochen und es habe einige Kennenlerntreffen gegeben. „Wir sind hier dann sehr herzlich empfangen worden“, sagt Dénes. Berührungsängste gebe es nicht.

„Wir konnten die Situation gut nachvollziehen. Die Schule ist ja nicht nur ein Lehrraum, sondern auch ein Lebensraum“, sagt Groten. Jetzt teilen sich die Lehrer das Lehrerzimmer und die Hauptschüler sind in fünf Klassenräumen nebeneinander im gleichen Gebäude untergebracht wie die Realschüler. Für die Hauptschüler wurden noch ein Hauswirtschafts- und ein Technikraum eingerichtet und die Verwaltung der Hauptschule fand in der ehemaligen Hausmeisterwohnung auf dem Schulgelände Platz.

Das Gebäude hätte neu eingerichtet werden müssen, anfangs habe es noch kein Telefon und kein Internet gegeben und teilweise sei es auch etwas eng, kritisiert Dénes. Gleichzeitig hat er aber auch Verständnis, schließlich schrumpfe der Bedarf nun von Jahr zu Jahr. Zurzeit sind zwar alle Räume belegt, am Ende des Schuljahres werden aber drei Realschulklassen und zwei Hauptschulklassen ihren Abschluss machen, dann stehen diese Klassenräume leer.

Der Schulträger habe sich bemüht, die beste Lösung zu finden., sagt Dénes. „Das Positive überwiegt. Im menschlichen Bereich funktioniert alles hervorragend. Positiv ist auch, dass wir das beste Unterrichtsmaterial von zwei Schulen zusammenführen konnten.“

Die gemeinsame Nutzung der Fachräume funktioniere ebenso gut wie die Erstellung der unterschiedlichen Stundenpläne und die damit verbundene Belegung der Räume. „Das ist alles kein Thema. Vorher gab es hier ja auch eine Unterstufe, die die Räume ebenso genutzt hat“, sagt Peter Groten.

Ein wenig fehlt den Hauptschülern noch die Orientierung in der neuen Umgebung. „Hier muss man sich erstmal an alles gewöhnen und gucken, wo welche Klasse ist“, sagt Marvin. Ein Problem sei das aber nicht. Beide fühlen sich wohl in der neuen Schule. Allerdings würde sich Marvin wünschen, dass das Rauchverbot stärker kontrolliert würde, und Jenna würde sich sauberere Toiletten wünschen. Mehr gibt es aus ihrer Sicht nicht zu kritisieren. „Ich fühle mich hier viel wohler, vielleicht liegt es am Gebäude“, sagt sie.

Inzwischen haben die Haupt- und Realschule auch einen gemeinsamen Briefkopf, um die Verbundenheit nach außen zu dokumentieren. Wenn es nach den beiden Schulleitern geht, „soll es so weiterlaufen, wie es angefangen hat“.

Das letzte Kapitel in ihrer Geschichte werden die beiden Schulen nun gemeinsam schreiben.