Harmonie Rollesbroich: Achim Breuer scheidet als Dirigent aus

Achim Breuer scheidet als Dirigent aus : Wenn der Taktstock nach 25 Jahren den Besitzer wechselt

Keine trockene Angelegenheit war die Frühjahrs-Vollversammlung der Harmonie Rollesbroich, an der zahlreiche Mitglieder sowie geladene Ehrengäste teilnahmen. Zu feiern gab es genug: Etliche Ehrungen für 40- und 50-jährige inaktive Mitgliedschaften standen auf der Tagesordnung.

„Ohne die finanzielle Unterstützung der fördernden Mitglieder ist ein Verein nicht zu tragen“, so Vorsitzender Ralf Theißen. Er dankte dem Vorstand für den unermüdlichen organisatorischen Einsatz und den unzähligen Helfern im Hintergrund.

Bewegung im Vorstand gibt es kaum. Neu gewählt bzw. weiterhin in ihren Ämtern bestätigt sind: Ralf Theißen und Lothar Wilden (1. und 2. Vorsitz), Kathrin Arnolds und Linda Marx (1. und 2. Jugendleiterin), Geschäftsführer Mario Grunwald (löst nach 47 Jahren Martina Müller-Heck ab), Petra Kahl (1. Kassiererin), André Thönnessen (2. Kassierer, Neuwahl) und Schriftführerin Dagmar Wagemann.

Die größte Veränderung bei der Harmonie dürfte wohl das Ausscheiden von Achim Breuer als Dirigent sein: Nach 25 Jahren gibt er den Taktstock an seinen Nachfolger Benno Marx ab. Offen plaudern beide über Verantwortung, Zusammenhalt, ausdrucksstarkes Musizieren und was sie antreibt.

Achim Breuer, Sie waren 25 Jahre musikalischer Leiter eines Orchesters – was bedeutet dies rückblickend für Sie?

Achim Breuer: Verantwortung und eine gewisse Verpflichtung. Und viel Spaß! Doch es gab durchaus auch Zeiten, in denen es nicht immer rund lief.

Den Taktstock abzugeben bedeutet also, ein Stück Verantwortung auf musikalischer Ebene und bezüglich der Außenwirkung abzugeben?

Achim Breuer: Ich bin ein Mensch, der nicht gerne im Mittelpunkt steht. Doch als Dirigent ist man unmittelbar mit dem Orchester verbunden, man steht immer im Fokus und es herrscht ein gewisser „Präsenzdruck“. Zudem wollen Proben und Auftritte gut vorbereitet sein, was jede Menge Arbeit bedeutet. Es ist an der Zeit, in die zweite Reihe zu treten. Ja, ich kann mich erleichtert zurücklehnen, denn ich habe das Gefühl, das Dirigat in gute Hände abzugeben.

Benno Marx, Ihr langjähriger Vorgänger kann loslassen, setzt sein ganzes Vertrauen in seinen 24-jährigen Erben. Wie haben Sie sich auf Ihre neue Aufgabe vorbereitet?

Benno Marx: Für Achims Vertrauen bin ich sehr dankbar. Ich habe mehrere Workshops besucht und darf in Sachen Partiturenlesen und Dirigieren auf die Unterstützung von Martin Schädlich zurückgreifen, ein renommierter Musiker, Dirigent und Dozent.

Wird es Ihnen schwerfallen, Ihr Euphonium zurückzustellen?

Benno Marx: Musik beschränkt sich für mich nicht nur auf ein Instrument. Das gemeinsame musikalische Gestalten in einer Gruppe ist mir wichtig, treibt mich an. Da ich zusätzlich im Orchester „Brass für Spaß“ musiziere, werde ich das Spielen des Euphoniums eher nicht verlernen.

Musik ist Ausdruck und Emotion. Hat hinsichtlich dessen der Taktstock oder die Trompete die größere Bedeutung?

Achim Breuer: Der Taktstock ist verantwortlich für das ausdrucksstarke Zusammenspiel. Für mich persönlich ist es schöner und einfacher, mithilfe der Trompete einem Stück Ausdruck zu verleihen. Jedem Musiker sollte ein gewisser Freiraum zugestanden werden, den er ausleben kann.

Es heißt, Musizieren mache glücklich, sei gar heilsam.

Benno Marx: Gerade das Musizieren im Orchester und das Produzieren eines gemeinsamen Sounds entspannt und lässt einen das Drumherum vergessen. Ein schönes Gefühl. Darüber hinaus machen die Gemeinschaft und der Zusammenhalt glücklich.
Achim Breuer: Musikmachen lässt einen abschalten, den Alltag vergessen. Doch als Orchesterleiter ist es nicht immer entspannend, im Gegenteil: Es bedeutet mitunter auch große Anspannung. Die Musiker schauen auf den Dirigenten, er besitzt den Leitfaden des gut funktionierenden Zusammenspiels. Hat der Dirigent schlechte Laune, überträgt sich das sehr schnell auf die Musiker. Damit sind wir wieder beim Thema Verantwortung!

Das Orchester macht einen sehr disziplinierten Eindruck. Waren Sie ein strenger Dirigent?

Achim Breuer: Nein, weniger. Ich habe den Musikern viel abverlangt, jedoch den Maßstab nie zu hoch gesetzt. Mir war wichtig, alle Menschen, die Freude am Musizieren mitbringen, auch mitzunehmen. Der Spaß sollte im Vordergrund stehen!

Dabei spielt es sicherlich eine Rolle, wie überzeugt der Dirigent hinter „seiner“ Musik steht. Das letzte Konzert hat Ihre persönliche Begeisterung für Klassiker aus den Musikgenres Pop und Film, vor allem für Stücke von Ennio Morricone, auf das Publikum überspringen lassen. Benno Marx, was erwartet Orchester und Publikum in Zukunft: Treten Sie in die vorhandenen Fußstapfen oder gehen Sie eigene Wege?

Benno Marx: Ich habe nicht vor, den Musikverein musikalisch komplett auf links zu drehen. Für mich ist entscheidend, sich bewusst zu machen, was die Musik, die wir spielen, in uns auslöst. Nicht Noten sind Musik, sondern das was man daraus macht. Mein Ziel ist es, mit allen zusammen gute Musik zu machen und zu Spaß haben. Und vielleicht werde ich ja auch für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Weitere Infos und Kontakt zum MV Harmonie 1902 Rollesbroich e.V. unter: www.harmonie-rollesbroich.de.

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