Monschau: „Happy Halloween“: Wenn das Grauen durch die Gassen schleicht

Monschau: „Happy Halloween“: Wenn das Grauen durch die Gassen schleicht

Halloween ist ein Hit! Immer mehr Städte, immer mehr Orte und Eventgastronomen entdecken dieses Fest für sich und halten Angebote für Besucher bereit. Monschaus Altstadt war dabei immer ganz vorne: Seit 1999 spuken dort unheimliche Gestalten, wird das Städtchen zur lebendigen Geisterbahn. Auch in diesem Jahr gab es einen ungebremsten Besucherstrom — harte Arbeit für alle die, die am abwechslungsreichen Programm mitwirken.

Die Geisterführungen sind natürlich Dreh- und Angelpunkt des „Happy Halloween“. Im 15-Minuten-Rhythmus finden sie statt. Geisterführer versammeln Besucher um sich, um sie durch ihre nächtliche Stadt zu begleiten und ihnen dabei schrecklich lustige Geschichten zu erzählen. Rund 1000 Gäste nahmen dieses Angebot wahr.

Doch ohne die zahlreichen Mitwirkenden wären diese Führungen nur halb so attraktiv: 68 ehrenamtliche „Geister“ konnte „Geister-Chefin“ Helga Janke-Offermann um sich versammeln. Sie alle helfen mit, den Gästen der Stadt angenehmen Grusel beizubringen. Dafür verkleiden sie sich, schmücken ihre Häuser, basteln aufwendige Accessoires und erfinden zu ihren Figuren eigene Geschichten.

Manche spuken alleine in den Gassen umher, andere finden sich zu Gruppen zusammen. Hinter manch einer Inszenierung steckt eine eigene Geschichte. Viel Arbeit für die Geister.

Die Vorbereitungen beginnen natürlich schon viel früher. Wenn aber das Halloween-Wochenende naht, laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Da wird die Feuerwache zur großen Umkleide und Schminkzentrale. Unter der Leitung von Danja Waldeck-Dick und Lea Johnen werden in Akkordarbeit den Geistern ihre Masken geschaffen — hier herrscht rege Betriebsamkeit. Nachwuchssorgen hat man nicht, weder bei den Geistern, noch bei den Maskenbildnern.

So hatte Justine Williams noch im letzten Jahr das Grundieren gelernt, nun konnte sie erstmals vollständige Gesichter schminken. Auch ihrem Vater Mark verhalf sie damit zu unheimlichem Outfit: der Amerikaner ist seit drei Jahren glücklicher Monschauer und beim Halloween dabei. Diesmal konnte er sogar eine Geisterführung in englischer Sprache anbieten. „Das Tolle ist, dass man immer genug Bekloppte findet“, so Helga Janke-Offermann schelmisch, „die ihre Zeit und Kraft für dieses Event zur Verfügung stellen“.

Die verwinkelten Gässchen der Altstadt eignen sich hervorragend, um sich darin zu verstecken, den Menschen aufzulauern und diese zu erschrecken. Da lauern Monster in allen Ecken, da finden unheimliche Begräbnisse und Hinrichtungen statt. Die erprobten Geister zeigen jedoch Fingerspitzengefühl: Sie nehmen sich lieber Erwachsene als „Opfer“, wie die Bräute des Grauens, die an der Pfarrkirche auf der Suche nach Männern ins Publikum gehen. Bei Kindern ist man vorsichtiger — schließlich soll bei ihnen der Spaß an erster Stelle stehen, dann erst der wohlige Grusel. Wirklich verängstigen möchte hier niemand.

Monschauer Humor würzt die Performance an vielen Stellen. Ein „Geist“ hatte sich im passenden Outfit unter HA Schults Trash People auf dem Marktplatz geschummelt und erschreckte die vorbeiziehenden Passanten durch plötzliche Bewegungen.

Die Gruppe der 201 Müll-Skulpturen des Aktions- und Objektkünstlers HA Schult, die noch bis zum 3. November zu sehen sein werden, waren um die Figur Nummer 202 aufgestockt worden. Zum Halloween-Spektakel waren die Müllmenschen in kunterbuntes Licht getaucht worden, eine Besonderheit, die dem Künstler selbst dem Vernehmen nicht so recht zusagte, aber die Originalität dieser Aktion ließ sich nicht von der Hand weisen.

Geisterführer Peter Dick und seine Familie hatten in ihrem Garten in Anspielung auf die letzte Monschauer Klassik die Schauervariante eines Gitarre spielenden Heino aufgebaut. Geht man an ihm vorbei, dann erklingen die Lieder seiner neuesten Produktion, Nebel steigt auf, er bewegt sich, im Grab zu seinen Füßen tanzen die kalten Gebeine.

Doch trotz allen Humors triumphierte im Monschau dieser Tage das Unheimliche — nicht nur in den Gassen und Straßen. Erwachsenen Literaturfreunden begegnete es im Café Weekend. Bereits drei Mal hatte Corinna Griesbach ihren Zuhörern dort Horrorgeschichten, oft aus eigener Feder, präsentiert. Im vierten Jahr nun probierte sie gemeinsam mit Gastronom Wolfgang Kaever etwas Neues aus.

Die Herausgeberin der Monschauer Literaturzeitschrift „Haller“ brachte pünktlich zum Event eine eigene Halloween-Buchausgabe heraus und konnte drei Autoren gewinnen, die eigene und Texte weiterer Autoren aus dem neuesten Band vortrugen.

Die Vorträge waren Bestandteile eines „Halloween-Dinners“: Mit dem Eintrittspreis erhielten die Gäste das Buch, ein Essen und eine literarische Lesung der besonderen Art. Dafür sorgten aus Aachen Axel Bölling und Daniel Fleuster sowie Gerald Friese, Autor und Schauspieler, der extra aus Stuttgart in die Eifel angereist war und sein Publikum durch abwechslungsreiche Performance mitzureißen verstand.

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