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Happy Halloween in der Altstadt von Monschau

Grusel-Festival : Monschau wird zur Geisterstadt

Stumme Nonnen, die sich mit bösem Blick aus der Finsternis nähern, ein grauenvolles Festmahl, bei dem menschliche Körperteile angeboten werden, altbekannte Märchenfiguren, die zu Horrorwesen mutiert sind – all das bot am Wochenende die „Happy Halloween“-Veranstaltung, jenes Gruselereignis, bei dem sich Monschaus Altstadt schon seit Jahren in eine Geisterstadt verwandelt.

Immer wieder neue Ideen und neues Personal sorgen dafür, dass die Veranstaltung für Besucher attraktiv bleibt.

Auf dem Weg zu Monschaus Burg kann es dem Spaziergänger durchaus passieren, dass ihm der Schreck in die Glieder fährt: Plötzlich ertönt die Stimme Donald Trumps, der sich selber lobt und die bekannten Versprechungen gibt. Im Garten der Familie Dick steht er und wackelt hektisch mit dem Kopf: Trump als Skelett, aber unverkennbar durch Haartracht und Krawatte! Begleitet von einem silbern glänzenden Skelett-Model mit Dollarscheinen im üppigen Dekolleté, steht er an einem Rednerpult, auf dem statt des Zeichens der amerikanischen Regierung der Schriftzug „Make Halloween great again“ prangt.

Grusel-Trump und Stormy Daniels: Die Installationen der Familie Dick haben meist einen aktuellen Bezug. Foto: Harald Egerland

Dieser Aufforderung sind viele Halloween-Begeisterte durchaus gefolgt. Denn dadurch, dass einige bewährte Mitstreiter des Gruselspaßs diesmal nicht zur Verfügung standen, drohte die beliebte Geisterbahn doch leerer zu werden als gewohnt. Immerhin finden sich jedes Jahr circa 60 ehrenamtlich Mitwirkende zusammen, um am letzten Oktoberwochenende Besuchern das Gruseln zu lehren. An verschiedenen Punkten der geschmückten Altstadt postieren sie sich und lauern auf die Halloween-Touristen, die von den Geisterführern mit humorvollen Worten durch die Gassen geleitet werden. Die Besuchergruppen sind mittlerweile so groß geworden, dass sich die sechs Geisterführer mit Stimmenverstärkern verständlich machen müssen.

In der Kirchstraße kamen Zombie-Mädchen aus ihren Gräbern. Foto: Harald Egerland

Die Stadtführungen begannen um 19 Uhr und gingen viertelstündlich bis in die späte Nacht. Am evangelischen Gemeindehaus, mitten im Zentrum der Altstadt, begegneten die Teilnehmer der Führungen schaurigen Nonnen, die aus dem Dunkel heraustraten und sich schweigend und mit starrem Blick zwischen die Menschen schoben. „Dass wir gar nicht sprechen, sondern nur mit Blicken arbeiten, wirkt auf die Menschen besonders unheimlich“, verrät Daniela Florian aus Höfen, die dann doch einmal ihr Schweigen bricht. Sie, Miriam, Stefan und Rita Stos waren zum ersten Mal als Mitwirkende dabei. Während sie durch Schweigen Unruhe verbreiteten, schlug Nachwuchsgrusler Miro Florian mit einer Kette auf den Boden, dass man unwillkürlich zusammenfuhr. Der neunjährige Junge hatte dabei viel Spaß und zeigte durchaus Talent im Angsteinjagen. „Wir waren die vergangenen Jahre als Besucher dabei und fanden die Atmosphäre ganz toll“, erläutert Rita Stos. „Auch wenn wir gar nicht aus Monschau sind, wollten wir unbedingt mitmachen!“

In der Mottengasse wartete ein schaurig-schöner Märchenwald auf die Besucher. Foto: Harald Egerland

Die neuen Monschauer Geister kommen zum Teil aus Alsdorf, aus Stolberg, teilweise sogar aus Belgien. So zählt die Riesengruppe rund um Arnold Kommer mittlerweile 20 Mitglieder, die meisten von außerhalb. Kommer, seines Zeichens historischer Stadtführer, hatte eine bunte Gruppe versammelt, die die gesamte Kirchstraße in Atem hielt: Da gab es Folterszenen im historischen Gefängnis, Zombiekinder, die auch mal den einen oder anderen Besucher anknabberten, einsame Geisterfiguren und schreckliche untote Mädchen, die aus Gräbern herausschauten. Alles wurde mit viel Liebe zum Detail hergerichtet – auch das macht das Monschauer „Happy Halloween“ zu etwas Besonderem.

„Wir sind vom Orden des Schweigens“: Grusel-Nonnen am evangelischen Gemeindehaus . Foto: Harald Egerland

Mit Kostümen, Aufbauten und Spezialeffekten lieferten 13 Schülerinnen und Schüler des St.-Michael-Gymnasiums eine nahezu perfekte Performance hinter dem Aukloster ab: Aus einem ekelhaften Festmahl entwickelte sich eine eigene Geschichte, die die Betrachter in ihren Bann zog – Schockmomente inbegriffen!

Hielt die Kirchstraße in Atem: Arnold Kommers Gruseltruppe am alten Gefängnis. Foto: Harald Egerland

„Natürlich ist das Happy Halloween mehr als die Geisterführungen“, erläutert Helga Janke-Offermanns, die „Geistermutter“ der ersten Stunde, und verweist auf die zahlreichen anderen Programmpunkte: ein attraktives Bühnenprogramm auf dem Monschauer Marktplatz mit Live-Bands am Samstag und Sonntag, Kürbisschnitzen und Basteleien sowie eine Zaubervorführung für Kinder, dazu die „Erzählhexe“ Ruth Breuer, die im Kolpinghaus Gruselgeschichten für Kinder vortrug. „Wer leider immer im Hintergrund bleibt, sind die zahlreichen Helfer im Kolpinghaus“, bedauert die „Geisterchefin“: „Die gestalten immerhin die Halloween-Party, wo die gesamten Führungen ihr Ende finden.“ Ein Team aus zehn Mitwirkenden übernimmt dort Jahr für Jahr Bewirtung und Musik und sorgt damit für die richtige Stimmung. Wollte man alle, die zum Gelingen beitragen, nennen, die Liste wäre allzu lang! Denn auch die „Damen der Maske“, die fünf Stunden lang Geister und Zombies schminkten, bleiben eher im Hintergrund – so wie diejenigen, die einfach nur durch ihren besonderen Hausschmuck ihren Beitrag zu einer Atmosphäre des Erschauerns leisteten.

Denn nicht nur auf der Strecke der Geisterführungen, auch an anderen Stellen fand der aufmerksame Stadtbesucher schaurig-schön herausgeputzte Häuser, die traditionell am Sonntag dieses Halloween-Wochenendes auf dem Marktplatz ausgezeichnet wurden – wie eben jenen Skelett-Trump im Garten.

Viele Halloween-Begeisterte, eben auch von außerhalb, sorgten dafür, dass seine Forderung („Make Halloween great again!“) in diesem Jahr erneut umgesetzt wurde. „Man muss eben kein Monschauer sein, um hier rumzuspuken“, lautet das Fazit von Helga Janke-Offermanns: „Wer Lust hat mitzumachen, der kann sich einfach bei mir melden!“ Genauso wie es die schrecklich-schweigsamen Nonnen gemacht haben. Denn neue Kräfte sorgen mit ihren Ideen auch für frischen Wind – das Monschauer „Happy Halloween“ bleibt eine attraktive Veranstaltung für Groß und (nicht allzu) Klein.

((Egl))