Roetgen: Gute Betreuung in familiärer Atmosphäre

Roetgen: Gute Betreuung in familiärer Atmosphäre

Familiär und flexibel ist sie und auch in der Gemeinde Roetgen auf dem Vormarsch: Die Kindertagespflege, seit 2010 als Alternative zur U3-Betreuung in Kindertagesstätten zusätzlich im Angebot, ist gleichsam den Kinderschuhen entwachsen und als Betreuungsform voll etabliert.

Dies berichtete Gabriele Stoffels, eine von sechs qualifizierten Tagesmüttern im Gemeindegebiet, nun im Roetgener Bildungs-, Generationen-, Sozial- und Sportausschuss, wo sie den Verein „Herz und Verstand e.V.“ vorstellte, in dem sich Tagesmütter und -väter zusammengeschlossen haben.

Seit 2010 in der Jugendhilfe

Die Kindertagespflege ist nach dem Tagesbetreuungsausbaugesetz neben der Tagesbetreuung in Kindertageseinrichtungen eine gleichwertige Form der Betreuung für Kinder im Alter zwischen vier Monaten und etwa dreieinhalb Jahren. Die früher weitgehend privat organisierte und finanzierte Tagespflege ist seit 2010 in den öffentlich geregelten und finanzierten Jugendhilfebereich übergegangen und der Betreuung in einem Familienzentrum gleichgestellt. Entsprechend gelten für Eltern weitestgehend die gleichen Beitragssätze wie in der U3-Gruppe einer Kindertagesstätte.

„Die individuelle Förderung, die familiäre Betreuungssituation und die hohe zeitliche Flexibilität werden als wesentlicher Vorteil der Tagespflege gegenüber der Kindertagesstätte gesehen”, warb Gabriele Stoffels, Tagesmutter in Roetgen, im Ausschuss für das Betreuungsangebot. Dieses wird aktuell in Roetgen von sechs Tagesmüttern getragen, die jeweils bis zu fünf volle Plätze und acht Kinder betreuen dürfen. Die Tagespflege steuert somit aktuell auch 25 U3-Plätze zum wachsenden Bedarf in der Gemeinde bei, wie Stoffels betonte.

Koordiniert wird die Kindertagespflege in Roetgen vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) in Stolberg, verwaltet vom Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion Aachen. „Der SKF ist auch die Anlaufstelle, wenn man in Roetgen eine Tagesmutter sucht“, sagte Gabriele Stoffels, wies aber auch darauf hin, dass einige der Roetgener Tagesmütter eigene Internetauftritte besitzen, wo man sich ebenfalls ein Bild vom Betreuungsangebot machen kann.

Tagesmutter zu werden, ist mit einer recht kostspieligen Ausbildung verbunden, die sukzessive auf 300 Unterrichtsstunden erhöht wurde und rund 1800 Euro kostet. „Manche Kommunen übernehmen einen Teil dieser Kosten, weil sie dankbar sind, dass U3-Plätze geschaffen werden“, meinte Gabriele Stoffels.

Die Eltern können bei Interesse an einem Tagespflegeplatz für ihr Kind im Internet, bei der Städteregion oder beim SKF die Kontaktdaten der sechs Tagesmütter erfahren und sich auf Wunsch alle Einrichtungen persönlich anschauen. „Die Eltern sehen dann selbst, wo es am besten passt“, so Stoffels.

Gabriele Stoffels verschwieg im Ausschuss nicht, dass die Tagespflege auch noch mit Problemen kämpfe. So ist nicht für eine Vertretung gesorgt, wenn die Tagesmutter krank ist oder in Urlaub fährt. „Hier ist unserer Meinung nach der Gesetzgeber gefordert“, meinte Stoffels.

Der Generationenausschuss zeigte sich sehr dankbar über die Informationen zur Tagespflege aus erster Hand. „Zuletzt haben wir hier vor sechs Jahren etwas zur Tagespflege gehört“, sagte Silvia Bourceau (UWG) und wünschte sich „künftig häufiger einen Bericht zur Kindertagespflege in Roetgen“. Janine Köster (SPD) wusste „aus eigener Erfahrung um die gute Arbeit der Tagesmütter, ohne die das Betreuungsangebot in der Gemeinde weit schlechter bestellt wäre.

Auf Anfrage von Wolfgang Schruff (PRB) erfuhr der Ausschuss, dass Kinder in der Tagespflege in der Regel bis zum Alter von drei Jahren verbleiben und dann in die Kita wechseln. Auf Antrag beim Jugendamt könne der Verbleib bei der Tagesmutter aber verlängert werden. Tagesmütter mit einer zusätzlichen Ausbildung betreuen auch sogenannte Inklusionskinder, also Kinder mit höherem Betreuungsbedarf, deren Platz auch entsprechend höher bewertet wird.

(hes)
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