Simmerath: Großer Abend in der Gemeindebücherei Simmerath

Simmerath: Großer Abend in der Gemeindebücherei Simmerath

Die französische Autorin und der deutsche Musiker, die kleine Frau und der große Mann, dazu eine französisch-deutsche Nachkriegsgeschichte: Der eine ohne die andere nicht denkbar an diesem großen Abend in der kleinen Bücherei.

Die Rede ist von Sylvie Schenk und Heribert Leuchter, die in der Gemeindebücherei Simmerath das aktuelle Buch der Autorin präsentierten. Sie las aus „Schnell, dein Leben“, das auch ein wenig ihr eigenes Leben war in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Sie, das Mädchen aus den französischen Bergen, mit einer Mutter, die nicht das eigene Kind der Großeltern war und die nie so recht in die angesehene Lyoner Familie ihres Mannes passen sollte. Sie, das Mädchen, wagt den Schritt aus den Bergen in die Stadt, studiert Latein, Griechisch und Französisch, ja. Aber viel mehr studiert sie das Leben, die Menschen, die so anders sind als sie selbst, die Anfängerin in vielen Dingen, auch in der Liebe.

Sie lernt den Deutschen kennen. Johann ist sein Name. Ihren Namen erfährt der Leser nicht, nur ein appellatives Du widmet die Autorin ihrer Protagonistin. Zu nah wären ihr die Schilderungen in der Ich-Form gewesen, wie Sylvie Schenk auf die Frage eines Lesungsgastes antwortet.

Den inneren Abstand habe sie gebraucht, um einer Öffentlichkeit doch sehr intime Einblicke in dieses Leben zu gewähren, das von persönlichen Veränderungen und Entwicklungen vom Kind zur Frau, von Schüchternheit zum Selbstbewusstsein, vom belasteten Ansehen der Nazideutschen zum weltoffenen europäischen Aufbruch erfüllt war. Rückblickend war es ein junges Leben, das irgendwann erzählt werden musste, das Sylvie Schenk mit einem davonrollenden Ball verglich, dem man „schnell“ hinterhereilen muss, um ihn einzufangen.

Eine behutsame, literarisch wertvolle Reflexion, atmosphärisch dicht und pointiert von der Autorin vorgetragen, gefühl- und respektvoll von Heribert Leuchter musikalisch begleitet. Er, guter Freund und musikalischer Wegbegleiter, hat eigens zum Buch „Schnell, dein Leben“ die Musik komponiert.

Einmal unterstrich sie die rasante Entwicklung der Geschichte, ein anderes Mal erklang sie während einer Sprechszene ruhig und meditativ im Hintergrund, immer aber ließ sie die Sehnsucht nach Frankreich, den Bergen und einer unbeschwerten Kindheit mitschwingen.

Die Beiden verstanden sich ohne Worte. Blickkontakt und unscheinbare Gesten machten ihr partnerschaftliches Zusammenspiel zu einer einzigartigen Symbiose von Wort und Klang. Das alles gefiel dem Publikum sehr gut, das sich mit Wein und französischem Käsegebäck auf einen unterhaltsamen und durchaus von eigenen Erinnerungen begleiteten französisch-deutschen Abend eingestimmt hatte.