Gregor Meyle beim Monschau-Festival auf der Burg

Gregor Meyle beim Monschau-Festival : Mit Herzschmerz und Optimismus das Publikum verzaubert

Der Auftritt von Gregor Meyle beim Monschau-Festival auf der Burg, wird den Besuchern wohl noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Lange hielt es das Publikum nicht auf den Sitzen, die meiste Zeit des Abends wurde im Stehen mit dem Singer-Songwriter gefeiert, gesungen und geträumt.

Im Nu gelang es ihm mit seiner lockeren und sympathischen Art eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wie bei guten Freunden zuhause fühlte, und die erstklassige Band leistete ebenso ihren Beitrag dazu.

Mit sphärischen Geigenklängen beginnt das ausverkaufte Konzert, dann setzt das Schlagzeug ein, Synthesizer und Gitarre kommen hinzu, Gregor Meyle betritt die Bühne und Applaus brandet auf. „Ihr seht toll aus Monschau“, ruft er dem Publikum zu und beginnt zu singen. „Flieg jetzt los“ heißt der erste Song, und es wird eine ganze Weile dauern, bis die Musiker auf der Bühne und die Zuhörer auf den Rängen nach einem tollen Abend gemeinsam wieder sanft zur Landung ansetzen.

Nach seinem Auftritt auf der Burg im vergangenen Jahr ist Gregor Meyle in Monschau schon so etwas wie ein alter Bekannter. Zahlreiche Hände heben sich, als er fragt, wer denn im vergangenen Jahr schon da gewesen sei. Er lobt die Kulisse, schwärmt von Monschau und gerät zur Freude des Publikums etwas in Plaudern. Er würde gerne noch mal wiederkommen, sagt der Musiker. Meyle und Monschau - das passt offenbar gut zusammen.

Die Frage, wer denn von den Männern freiwillig da ist, gehört bei einem Meyle-Konzert schon dazu. „Mehr als acht, scherzt er, und dann geht es weiter mit „Die wunderschönsten Dinge“. Meyle fordert zum Aufstehen auf. Das Publikum reagiert sofort, klatscht und singt mit. Meyle dirigiert derweil: „Jetzt nur die Männer, und nun die VIP-Longue.“

Auch das nächste Lied „Ich tue alles, was ich kann“ ist eines, bei dem man nur schwer sitzen bleiben kann. Zu heißen Rhythmen kommen auch die Bläser zum Einsatz und Meyle freut sich. „Dass das Publikum inzwischen einige Text mitsingen kann, ist die größte Errungenschaft für mich“, sagt er. Dass es dazu durchaus in der Lage ist, ist bei „Hier spricht dein Herz“ nicht zu überhören.

Es ist einer dieser besonderen Momente des Konzerts, als Gregor Meyle ganz nach vorne kommt und über das Elternwerden spricht. Seine Tochter sei das Beste, was er hinbekommen hat, sagt er und erzählt mit viel Humor von ihr und dem Wunder der Geburt. Er gerät mal wieder vom Hölzchen aufs Stöcken, outet sich als Turnbeutelvergesser, vergleicht Monschau mit seiner Heimat und redet von seinem ersten Job, bis er wieder zur Geburt seiner Tochter zurückkommt. „Ich hätte mir so viel Verantwortung nicht zugetraut, aber ich war der Vater“, sagt er und dann folgt das Lied, das er ihr gewidmet hat. „Das schönste auf der Welt“, ist ein Song, der wohl allen Eltern und denen, die es vielleicht noch werden wollen, zu Herzen geht.

Die Texte des 39-Jährigen sind oft persönlich, manchmal ist auch etwas Herzschmerz dabei, aber im Vordergrund stehen eine positive Lebenseinstellung, Mut und der Glaube an das Gute im Menschen. Mit seiner Akustikgitarre und der markanten leicht näselnden Stimme, verpackt er diesen Optimismus gepaart mit einem Schuss Melancholie in einfühlsame Lieder und sanfte eingängige Melodien, die den Alltag vergessen lassen. Das Publikum wiegt sich dazu im Takt der Musik und träumt vor sich hin. Arme werden um Schultern gelegt, und es werden kleine Zärtlichkeiten ausgetauscht.

Meyle ist stets im Dialog mit dem Publikum und immer für einen Scherz gut. Er kündigt ein trauriges Lied an und spielt zuerst kurz einen Hit von „Modern Talking“ an, um dann begleitet von Piano, Geige und Gitarre „Keine ist wie Du“ anzustimmen. Es ist ein ruhiges Lied und der Applaus umso stürmischer.

Meyle und seine Band unternehmen Ausflüge in die unterschiedlichsten Genres der Musik. Rock, Pop, Country, Reggae, Samba, Folk und Jazz - es ist von allem etwas dabei. Es geht auf und ab, mal träumt das Publikum vor sich hin, mal feiert es im Stehen und ist kaum zu bremsen. Bei „So bin ich“ gibt es eine Hip-Hop-Einlage und eine kleine Hommage an „Die fantastischen Vier“ und Max Herre, die dem Posaunisten Gelegenheit für eine Rap-Einlage gibt.

Als die Musiker die Bühne verlassen, wird natürlich eine Zugabe gefordert, und Meyle und seine Band lassen sich nicht lange bitten, noch vier weitere Lieder zu spielen.

Bei „Stolz auf uns“ begleitet er sich selbst am Piano und im Publikum wird heimlich das ein oder andere Tränchen aus den Augenwinkeln gewischt.

Das letzte Lied ist dann zugleich der Höhepunkt des Abends. Es wird ganz still, als sich Meyle und seine Musiker am Rand der Bühne versammeln und ohne Mikrofone und ohne Verstärker, rein akustisch den Song „Kleines Lied“ spielen - ein Augenblick, der für Gänsehaut sorgt.

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