Nordeifel: Glasfaserausbau: „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt“

Nordeifel: Glasfaserausbau: „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt“

Die Deutsche Glasfaser GmbH will in den Gemeinden Roetgen und Simmerath ohne staatliche Förderung ein neues Glasfasernetz aufbauen. In den Orten gab es zahlreiche Informationsveranstaltungen, auf denen für das Angebot des Unternehmens geworben wurde. Ziel ist es, bis Anfang Juli 40 Prozent der Haushalte zu überzeugen.

Unser Redakteur Andreas Gabbert hat mit Dennis Schiefke, Projektmanager Sales bei der Deutschen Glasfaser GmbH, gesprochen.

Glasfaserkabel München, 29.06.2010 Die Stadtwerke München verlegen Glasfaserkabel im Stadtgebiet. Glasfaserkabel an einem Verteiler in der Ehrengutstrasse. München Bayern DEU, Deutschland Copyright: argumx/xThomasxEinberger Glass fiber cable Munich 29 06 2010 the Stadtwerke Munich embarrassed Glass fiber cable in City area Glass fiber cable to a Distributor in the Ehrengutstrasse Munich Bavaria DEU Germany Copyright argumx xThomasxEinberger Foto: Imago argumx/xThomasxEinberger

Sie sind zurzeit auf vielen Informationsveranstaltungen unterwegs, um für das Angebot der Deutschen Glasfaser GmbH zu werben. Welche Frage hören Sie dort am häufigsten und was ist Ihre Antwort darauf?

Schiefke: Die meisten Fragen sind immer zum Ausbau, ob auch wirklich alles kostenlos ist. Dazu kann ich sagen, dass wenn man sich innerhalb der Nachfragebündelung für einen Vertrag entscheidet, wirklich alle Kosten, was den Ausbau angeht, von uns übernommen werden. Eine weitere häufige Frage ist, ob wirklich keine doppelten Kosten anfallen und alle Rufnummern übernommen werden. Das ist ja bei uns tatsächlich der Fall. Erst wenn der Altvertrag ausgelaufen ist und die Rufnummern portiert sind, beginnt unser Vertrag, und man zahlt nicht doppelt.

Das Projekt soll starten, wenn sich bis zum 3. Juli mindestens 40 Prozent der Haushalte für einen Glasfaseranschluss entscheiden. Was ist der aktuelle Stand?

Schiefke: Aktuell haben wir in der Gemeinde Roetgen acht bis neun Prozent und in der Gemeinde Simmerath im Schnitt fünf Prozent. Das ist aber eine gute Zahl, da jetzt erst in allen Orten die Infoabende vorbei sind und sich die Leute erst einmal informieren wollen, bevor sie einen Vertrag machen. Jetzt in den kommenden Wochen sollten dann schon viele Verträge eingehen.

Was ist, wenn Sie diese 40-Prozent-Marke nicht erreichen? Ziehen Sie sich dann wieder zurück oder ändern Sie die Strategie?

Schiefke: Wir schauen uns die Zahl dann entsprechend an. Haben wir einen guten Prozentsatz in den 30ern, dann verlängern wir das Projekt auch gerne noch um ein paar Wochen und holen die letzten Prozente noch rein. Sind wir aber irgendwo bei 15 Prozent oder so stehen geblieben, dann besteht kein Interesse und wir gehen in andere Gemeinden.

Wie zuversichtlich sind Sie denn, die nötigen restlichen Prozent der Bürger bis zum 3. Juli noch von Ihrem Angebot zu überzeugen?

Schiefke: Grundsätzlich immer positiv. Die Leute warten leider immer bis kurz vor Toreschluss, um ihren Vertrag abzugeben. Da kann ich nur immer dafür plädieren, dass wenn man von dem Produkt überzeugt ist, man den Vertrag auch jetzt schon abgeben soll. Dann steigen auch die Prozente und diejenigen, die noch abwarten, sind vielleicht auch überzeugter, dass es zu schaffen ist.

Warum bauen Sie in Gegenden aus, wo es sich für andere Telekommunikationsunternehmen ohne öffentliche Förderung offensichtlich nicht lohnt. Was machen Sie anders?

Schiefke: Das ist für uns eine langfristige Geschichte. Wir haben bei unseren Netzen einen Return on Invest von 10 bis 15 Jahren und wissen auch, dass die Leute, die einmal unser Netz nutzen, in der Regel auch Kunden bleiben. Gerade in den ländlichen Gegenden, die heute schlechter versorgt sind als die großen Ballungszentren, ist es für uns auch einfacher, die 40 Prozent zu erreichen. Hier sprechen die Leute untereinander und es ist nicht so anonym wie zum Beispiel in Aachen selbst.

Wenn ich zu Ihnen wechsele, kann ich dann meine bisherige Telefonnummer behalten?

Schiefke: Natürlich. Unsere Provider übernehmen die komplette Kündigung des Altvertrages und portieren auch ihre bisherigen Rufnummern.

Müssen die Bürger mit vielen Baustellen rechnen, wenn die Glasfaserleitungen in den Orten verlegt werden sollten?

Schiefke: Es gibt schon Baustellen und die werden auch sichtbar sein. Allerdings ist es so, dass die meisten Straßen, die morgens geöffnet werden, am Abend auch schon wieder geschlossen sind. So versuchen wir die Verkehrsbehinderung auf ein Minimum zu reduzieren.

Und welchen Umfang werden die Bauarbeiten auf meinem Grundstück haben, wenn ich mich für einen Glasfaseranschluss entscheide?

Schiefke: Auf dem Grundstück selbst müssen keine großen Arbeiten durchgeführt werden. Von der Straße aus gehen wir unterirdisch bis an die Hauswand. Lediglich dort muss ein kleines Kopfloch gemacht werden, durch das wir die Glasfaser ins Haus einführen.

Im Kreis Heinsberg gab es während des Ausbaus viel Kritik an der Deutschen Glasfaser GmbH. Kritisiert wurde unter anderem, dass Gehwege oder Straßen nicht in der erwarteten Qualität wiederhergestellt worden seien. Auch die Bezahlung der Bauarbeiter war ein Thema. Der Zoll hatte im Jahr 2013 aufgedeckt, dass auf einer Baustelle in Gangelt osteuropäische Bauarbeiter für einen Stundenlohn von 2,30 Euro beschäftigt wurden. Anfang 2014 hatten niederländische Bauarbeiter dann in Übach-Palenberg die Arbeit niedergelegt, weil sie angeblich monatelang nicht bezahlt worden waren. Welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen?

Schiefke: Wir konnten in der Vergangenheit leider nicht verhindern, dass die von uns beauftragten Generalunternehmen wiederum auf Subunternehmen zurückgegriffen haben. Wir haben aber aus der Vergangenheit gelernt und arbeiten mit diesen Generalunternehmen nicht mehr zusammen. Wir prüfen aber auch seitdem immer, dass unsere Generalunternehmen entsprechende Gehälter an die Subunternehmen zahlen. Was die Wiederherstellung der Straßen und Gehwege angeht, wurde vorab mit den Gemeinden Roetgen und Simmerath ein Kooperationsvertrag abgeschlossen. Darin ist genau geregelt, wie die Bauarbeiten durchgeführt werden müssen, und diese werden auch entsprechend von den Bauämtern der Gemeinde abgenommen.

Werden bei der Auftragsvergabe für die notwendigen Arbeiten auch lokale Unternehmen berücksichtigt?

Schiefke: Wir haben mehrere Generalunternehmen, mit denen wir seit Jahren gut zusammenarbeiten. Die kennen unsere Prozesse und Verfahren. In seltenen Fällen arbeiten wir auch mit lokalen Unternehmen, allerdings ist dies mit großem Aufwand verbunden, da diese komplett angelernt werden müssen.

Was ist eigentlich, wenn zum Beispiel der Straßenbelag erneuert werden muss? Zahlt dann die Gemeinde die Kosten für das erneute Einziehen der Glasfaser? Und was ist in der Zeit mit Telefon und Internet?

Schiefke: Wir als Deutsche Glasfaser GmbH sind in der Verantwortung, die Straßen wieder in den Ursprungszustand zu versetzen. Und das so lange, bis die Baustelle von der Gemeinde abgenommen wird. Wenn die 40 Prozent erreicht werden, ziehen wir die Glasfaser auch durch den ganzen Ort. Durch die neue Netzinfrastruktur können die Kunden ja auch noch das alte Kupfernetz nutzen, bis ihr Anschluss fertig gestellt ist. Dadurch steht man nicht ohne Internet und Telefon da.

Gibt es alternative Provider, die ihre Dienste im Netz der Deutschen Glasfaser anbieten? Oder ist man als Kunde dann ewig an Ihr Unternehmen gebunden?

Schiefke: Aktuell gibt es zwei Provider. Uns als Deutsche Glasfaser und die NEW. Wir sind aber gesetzlich dazu verpflichtet, ein offenes Netz zu bauen. Somit müssen wir unser Netz auch anderen Anbietern zur Verfügung stellen. Aktuell sind wir aber noch zu klein, um für die Großen wie zum Beispiel Vodafone, 1&1 usw. attraktiv zu sein. Daran arbeiten wir aber mit Hochdruck.

Was ist, wenn ich nach der Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten den Vertrag mit der Deutschen Glasfaser kündige? Stehe ich dann völlig ohne Internet da?

Schiefke: Nach 24 Monaten haben Sie die Wahl. Wenn Ihnen die Glasfaser zu schnell war, können Sie ohne Probleme wieder auf das Kupfernetz wechseln. Sie haben ja dann zwei eigenständige Netze im Haus. Auch können Sie nach 24 Monaten entsprechend die Anbieter auf dem Glasfasernetz wechseln, sollte ein anderer ein attraktiveres Angebot machen.

Wie sieht es mit dem Thema Heimarbeitsplatz aus? Können Dienste wie VPN- oder IPSec-Verbindungen, die die Grundlage für einen Heimarbeitsplatz darstellen, genutzt werden?

Schiefke: VPN- oder IPSec-Verbindungen können grundsätzlich genutzt werden. In einigen spezifischen Fällen müssen dabei noch Sonderoptionen genutzt werden, aber auch da haben wir entsprechende Lösungen.

Die dann auch entsprechend mehr kosten?

Schiefke: In der Regel funktioniert es mit unserem System. In besonderen Fällen kommt es auch immer auf die andere Seite der VPN- oder IPsec-Verbindung an. Wenn da wirklich eine feste IPv4-Adresse benötigt wird, arbeiten wir da mit den Lösungen von EDV Kossmann. Die Preise der Produkte variieren. Mehr Informationen gibt es unter www.edv-kossmann.de/festeip/.

Was ist mit der Stadt Monschau? Werden Sie den Bürgern dort auch ein Angebot machen?

Schiefke: Mit der Stadt Monschau hat es auch schon einige Gespräche gegeben. Hier stehen wir aber noch komplett am Anfang und konzentrieren uns aktuell voll auf Roetgen und Simmerath.

Mehr von Aachener Zeitung