Roetgen: Geschichtsverein sucht Zeitzeugen und alte Bilder

Roetgen: Geschichtsverein sucht Zeitzeugen und alte Bilder

Noch in den 1960er Jahren konnten Fußgänger über eine steinerne Brücke die Weser im belgischen Wald am Pilgerborn überqueren, wie Zeitzeugen dem Roetgener Heimat- und Geschichtsverein berichteten. Wenn man heute die Pilgerbornstraße bis zur Halmesfahrt entlang geht und dann beim Grenzstein Nr. 826 links in Richtung Weser abbiegt, steht man bald vor einer Furt, die der geschickte Wanderer nutzen kann, um über Steine trockenen Fußes ans andere Ufer zu gelangen.

Links dieser Furt erkennt man die Reste eines Bauwerks, das einmal die so genannte „Mönsterbröck“ war.

Wann und warum man sie zerstört hat, ist heute völlig unbekannt. Wenn man sich mit diesem gottverlassenen Ort mitten im Hohen Venn einmal näher befasst, so stellt man sehr schnell fest, dass man es mit einem geschichtsträchtigen Ort zu tun hat. In seinem „Plan des Dorfes Roetgen“ unter Nr. 37 erwähnt der Roetgener Dorfchronist Hermann Josef Cosler (der übrigens am 5\. April seinen 141\. Todestag hatte) den „Steinbruch an der Münsterbrücke“. In diesem Steinbruch wurden von 1854 bis 1855 die Steine für den unteren Teil der katholischen Pfarrkirche Roetgen gewonnen. Heute liegen noch riesige Quarzite am rechten Weserufer herum, und man erkennt an der etwas zurückliegenden Böschung, dass hier früher mal ein Steinbruch war.

Auf Coslers Plan ist die Münsterbrücke nur mit zwei Strichen markiert. Der Name der Brücke erscheint aber auch als Flurname. Das wird bestätigt durch die Arbeit von Josef Kreitz in seinem Aufsatz „Die Flurnamen des Venngebietes“, der 1960 im „Heimatkalender des Landkreises Monschau“ erschien. Auf der Flurkarte von Kreitz führt die alte Straße von Aachen Richtung Trier, die in Roetgen über den Stockläger, Faulenbruchstraße, Pilgerbornstraße zur Münsterbrücke verlief, direkt auf die uralte Kupferstraße. Nach Cosler ist das aber nicht richtig: Die Kupferstraße im Süden von Roetgen ist die direkte Fortsetzung der heutigen Pilgerbornstraße. Sie verläuft erst ein Stück rechts der Weser in Richtung Süden und kreuzt dann die Weser südlich der Münsterbrücke. Auch heute kann man den alten Hohlweg links am Wegesrand Richtung Fringshaus noch einige 100 Meter gut erkennen. Sogar der Weserübergang ist hinter einer Insel in der Weser zumindest noch zu erahnen.

Verbindung ins Monschauer Land

Wie man auf der Cosler Karte sehen kann, gab es noch einen weiteren Weserübergang in Fortsetzung der Halmesfahrt Richtung Südwest. Östlich der Weser erkennt man noch einen auf der Karte gestrichelt gezeichneten Weg Richtung Süden. Hier verlief laut Cosler die alte „Montjoier Straße“, die vor Fertigstellung der heutigen B 258 (1818) die Verbindung ins Monschauer Land bildete.

Man kann sich vorstellen, dass Generationen alter Roetgener diese Wege und auch die Brücke bei ihren täglichen Verrichtungen genutzt haben. Sei es, um das Vieh im Venn zu hüten, den zum Heizen notwendigen Torf zu stechen oder um sonntags die heilige Messe in Konzen zu besuchen.

Auf der Cosler Karte erkennt man links die Nr. 56\. Das ist die Stelle, wo im 19\. Jahhundert die alte Wollwäscherei Kirchgens lag. Dort stand einst Roetgens erste Dampfmaschine. Heute ist dort in der Nähe eine Weserbrücke, die den Wollwaschweg in Richtung Schwerzfeld weiterführt. Gegenüber, auf der anderen Weserseite, wurde 1891 die erste Roetgener Talsperre fertiggestellt — heute findet man dort die Reste des „Belgischen Bassengschen“.

Warum tragen die alte Münsterbrücke und die umliegende Flur nun diesen Namen? Genau konnten das der Heimat- und Geschichtsverein bisher nicht herausfinden. Es wird aber vermutet, dass die Abtei Kornelimünster früher bis in den Süden von Roetgen reichte und dass man auch über diese Brücke in das Münsterland kam. Auf alten Karten wird Roetgen vielfach als Teil des Münsterlandes dargestellt. Der Entwurf und die Genauigkeit dieser Karten waren aber noch ziemlich unpräzise.

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