Nordeifel: Geocacher sollen Infos und keine Schätze jagen

Nordeifel: Geocacher sollen Infos und keine Schätze jagen

Schnitzeljagd war gestern, heute liegt Geocaching im Trend. Und das nicht nur bei Kindern. Die Faszination der Schatzsuche fesselt Technikbegeisterte jeden Alters, schließlich gehen die modernen Schatzjäger mit GPS-Geräten auf die Suche und lassen sich von Satelliten durch den Koordinatendschungel leiten.

„Geocacher” nennen sich die Anhänger dieses Trendsports. Und natürlich ist der Nationalpark Eifel für Geocacher ein gern bereistes Ziel. Beliebt ist vor allem der Wildnis-Trail. Die Eifel-Caches sind gerade wegen ihrer Lage im Nationalpark besonders begehrt. In Internetforen tauschen sich die Schatzjäger darüber aus, wie schön die Landschaft beispielsweise rund um die Urfttalsperre oder Wollseifen ist.

„Grundsätzlich ist das Geocaching ja auch eine tolle Sache, schließlich bringt es die Menschen in die Natur”, sagt Michael Lammertz, der im Nationalpark Fachmann für die Kommunikation und das Naturerleben ist.

Und dann kommt das große „Aber”. Im Nationalpark gebe es nunmal ein Wegegebot. Und abseits dieser 240 Kilometer Wanderwege dürfen sich Naturfreunde eben zum Schutz von Flora und Fauna nicht bewegen. „Das Geocaching macht aber nunmal am meisten Spaß, wenn die Schätze in alten Baumstämmen oder Höhlen abseits der Wege versteckt sind”, weiß Lammertz. Und an diesem Punkt prallen die Interessen von Nationalparkvertretern und Schatzjägern aufeinander. Wer sich unerlaubt von den Wegen entfernt, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Das Verständnis in der Cachergemeinde dafür ist geteilt. In ihren Internetforen zeigen sich einige Cacher verständnisvoll und berichten von netten Begegnungen mit gesprächsbereiten Rangern, während andere über die Einschränkungen im Nationalpark schimpfen und über die, die die Regeln durchsetzen müssen.

Diese Regeln seien, so Michael Lammertz, aber nicht geschaffen worden, um Cacher zu ärgern, sondern weil es gute Gründe dafür gebe. Außerdem würden diese Regeln natürlich für alle Besucher im Nationalpark gelten. Im Bereich der Dreiborner Hochfläche gebe es zum Beispiel Rotwild, das auch tagsüber zu sehen sei. „Wenn die Tiere scheu werden, werden sie für alle Menschen vertrieben. Da hat dann niemand was von.”

Gebäude nicht gesichert

In den alten Kampfhäusern in Wollseifen bestehe zudem eine Gefahr, weil die Gebäude, in denen die Schätze gerne versteckt werden, nicht gesichert seien. Dass Caches in Gläsern eine Brandgefahr verursachen können haben die Cacher im Internet intensiv diskutiert, das Verständnis dafür ist vorhanden.

Problematisch erweist sich für den Nationalpark zudem die Entfernung der Caches. Die Schätze einfach zu entsorgen, bringt zum einen nichts, weil es den Konflikt nur verschärft, und zum anderen, weil die Koordinaten auch aus den Internetforen der Cacher entfernt werden müssen. Bleiben die Koordinaten im Netz, kommen auch die Cacher, schließlich können sie nicht wissen, dass ein Schatz nicht mehr auf seinem Platz ist. Daher setzt man laut Lammertz auf den Dialog mit den Cachern. Viele Probleme könnten im Gespräch gelöst werden.

Klassisches Cachen unmöglich

„Das Geocaching in der klassischen Manier ist im Nationalpark nicht möglich. Verstecke direkt am Wegesrand findet ja jeder”, sagt Lammertz. Um den Geocachern entgegen zu kommen, entwickelt die Nationalparkmitarbeiter derzeit ein spezielles Angebot für die Cacher. „Auf dem Wildnistrail wollen wir an bestimmten Stellen georeferenzierte Dateien mit Informationen über die Natur, die es in keinen Büchern gibt, zur Verfügung stellen”, erklärt Lammertz.

Wer mit seinem PDA-Gerät unterwegs ist, bekommt an einer bestimmten Koordinate keinen Schatz, sondern per GPS ein Signal und kann dann dort zum Beispiel ein Video abspielen, das auf ein besonders Naturschauspiel in der Umgebung hinweist. Die 40 Dateien sind im Internet schon vorhanden. Im nächsten Jahr soll dann, so Lammertz, die Georeferenzierung umgesetzt werden. Ob sich die Cacher für dieses Angebot begeistern lassen, wird sich zeigen.