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Gemeinde will Tourismus in Roetgen unterstützen

Roetgen : Gemeinde will touristische Arbeit unterstützen

Um die bisher ehrenamtlich organisierte touristische Arbeit in Roetgen zu unterstützen, hat die Gemeinde nun grundsätzliche Bereitschaft zur Finanzierung einer halben Stelle in diesem Tätigkeitsfeld signalisiert.

Der Tourismus in der Gemeinde Roetgen hat in der jüngsten Vergangenheit an Bedeutung gewonnen. Dies zeigen Übernachtungs- und Gästezahlen sowie reger Betrieb auf dem Vennbahnradweg und auf den bekannten Wanderwegen rund um das „Tor zur Eifel“. „Wir müssen uns offensiver aufstellen“, leitete der Vorsitzende Stephan Speitkamp die Debatte im Umwelt-, Touristik- und Forstausschuss der Gemeinde ein, dem ein entsprechender Antrag des Roetgen Touristik e.V. vorlag.

Dieser eingetragene, aber nicht gemeinnützige Verein begleitet seit vielen Jahren die Tourismusförderung in Roetgen, und der Erfolg spiegelt sich in diversen Projekten wider, wie zum Beispiel dem Ausbau des Premiumwanderwegs „Eifelsteig“ oder des Vennbahnwegs. Die Arbeit des Roetgen-Touristik e.V. erfolgt ausschließlich ehrenamtlich. Deren Vorsitzender Stamos Papas machte den touristischen Aufschwung an Zahlen fest: „17 000 Übernachtungen im Jahr 2017 alleine in den drei Häusern mit mehr als zehn Betten sind schon viel; insgesamt dürfte es aber die doppelte Anzahl sein, wenn man die Ferienwohnungen und Pensionen unter zehn Betten hinzurechnet“, sagte Papas.

Im Durchschnitt seien jeden Tag zwischen 100 und 150 Gästebetten in Roetgen belegt, hielt der Vorsitzende fest. Die Belebung des Tourismus’ sei aber auch mit bloßem Auge erkennbar, berichtete Stamos Papas: „Stellen Sie sich mal eine Stunde an die Ravelroute“, riet er und sprach von einer „regelrechten Fahrradkultur“, die sich dort entwickle. Auch an der Wanderstation und an der „Kaffeefee“ herrsche „immer viel Bewegung“, wie Papas berichtete. Dabei seien längst noch nicht alle Ressourcen ausgenutzt, glaubt der Touristik-Vorsitzende: „Jeden Tag fahren 20 000 Autos auf der B 258 mehr oder weniger schnell durch Roetgen und sehen nicht die wundervolle Erholungslandschaft hier.“

„Mit dem deutlichen Zuwachs an Touristen steigen aber auch die Ansprüche an den Tourismus in Roetgen“, hieß es in der Verwaltungsvorlage. Der Roetgen-Touristik e.V. habe darauf bereits mit der Erweiterung des Vorstands reagiert, „aber Professionalisierung sieht anders aus“, glaubt Stamos Papas, ohne die Arbeit der Ehrenamtler abwerten zu wollen. Für den Sauna- und Hotelbesitzer muss Tourismus als aktive Wirtschaftsförderung betrachtet werden. „Wir müssen eine Stelle, eine Institution schaffen, die täglich für die Roetgen Touristik arbeitet“, begründet Papas den Ruf nach Unterstützung durch die Gemeinde in Form einer halben Stelle in der Verwaltung.

Laut Antrag des Vereins sollte ein noch genau zu definierendes Aufgabenspektrum vor allem die Planung und Entwicklung eines Tourismuskonzepts und die Entwicklung und Umsetzung geeigneter Marketingmaßnahmen für den Tourismus enthalten. „Die Professionalisierung der touristischen Arbeit in Roetgen wäre der logische nächste Schritt und ziehlt auch auf Punkt 7a unserer strategischen Zielplanung ab“, bewertete auch Bürgermeister Jorma Klauss den Antrag grundsätzlich positiv.

Wolfgang Schruff (PRB) dagegen lehnte die Einrichtung einer halben Stelle ab: „Bei den Betrieben, die von einer Tourismusförderung profitieren würden, ist die Bereitschaft, etwas abzugeben, gleich null. Diese Leute gehen noch nicht mal in den Touristik-Verein“, hat Schruff beobachtet. Dem widersprach Stamos Papas. Man habe in jüngster Zeit 50 Prozent Mitgliederzuwachs verzeichnet, berichtete der Vorsitzende der Roetgen Touristik, „hauptsächlich aus der Gastronomie- und Übernachtungsbranche“. Patrick Jansen (UWG) würden „sofort drei, vier andere Vereine in der Gemeinde einfallen, die auch von einer Stelle bei der Gemeinde unterstützt werden müssten, weil sie wertvolle Arbeit für das Gemeinwohl leisten“. Auch er lehnte deshalb das Ersuchen der Roetgen Touristik ab.

Helmut Mulorz (SPD) sigalisierte grundsätzlich Bereitschaft seiner Fraktion, dem Antrag zu folgen; dafür müssten aber zuvor zwingend die Rahmenbedingungen und Aufgaben abgesteckt werden. Gerd Pagnia (Grüne) hatte im Antrag des Vereins gar nicht den Wunsch des Vereins nach Einrichtung einer halben Stelle bei der Gemeinde entdeckt. „Ich denke, es geht dem Verein eher um eine finanzielle Unterstützung“, meinte er und beantragte eine entsprechende Änderung des Beschlussvorschlags.

Dieser wurde bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung, aber neun Ja-Stimmen mehrheitlich an dem Hauptausschuss empfohlen. Darin erklärt der Touristik-Ausschuss seine „grundsätzliche Bereitschaft zur Finanzierung einer halben Stelle und beauftragt die Verwaltung, gemeinsam mit dem Roetgen Touristik e.V. die Rahmenbedingungen bezüglich des Vorsitzes sowie einer politischen Beteiligung im Verein zu erarbeiten. Dabei soll auch geklärt werden, ob die halbe Stelle bei der Gemeinde oder innerhalb des Vereins angesiedelt werden soll.

(hes)