Roetgen: Gemeinde feiert musikalisch das renovierte Gotteshaus

Roetgen: Gemeinde feiert musikalisch das renovierte Gotteshaus

Am vergangen Samstag war es endlich soweit: Nach rund acht Monaten Bauzeit öffnete die evangelische Kirche mit einem gemeinsamen „Singen mit der Gemeinde“ wieder ihre Pforten für die Roetgener Glaubensgemeinschaft und alle Interessierten.

Der evangelische Kirchenchor und der Chor „Cantus Oecumenicus“ sangen zu diesem Anlass geistliche wie auch weltliche Lieder, die zum gemeinsamen Kanonsingen einluden.

Der erste Teil begann pünktlich um 19 Uhr und beinhaltete Lieder, die die Freude über das Ende der Sanierungszeiten ausdrücken sollten. So begannen die Chöre, die unter der Leitung von Peter Emonds auftraten, mit „Freut euch alle“ von Johann Sebastian Bach und dem Kirchenlied „Lobet den Herrn“.

Im zweiten Teil lauschte das Publikum europäischen Volksliedern, romantischen Chorwerken und Klassikern bekannter Opernchöre, die ebenfalls zum Mitsingen einluden. Die Orgel, die aufwendig vor Baustaub geschützt und verpackt werden musste, erklang im Rahmen des „Singen mit der Gemeinde“ erstmalig wieder. Die Organistin Klara Rücker begleitete diesen besonderen Abend, genauso wie die Pianistin Birgit Röseler, die beide viel Applaus für ihr Spiel erhielten.

Von einem klassischen Eröffnungsgottesdienst sah Pfarrer Wolfgang Köhne für seine Kirche ab, da „das Reformationsjubiläum und eine feierliche Einweihung einfach zu viel sind“, so der Geistliche. Die vielen aufkommenden Fragen zur Renovierung beantwortet der Pfarrer in einer kleinen Pause zwischen den beiden Gesangsteilen, in der die Anwesenden kostenfrei Speisen und Getränke zu sich nehmen konnten: „Man muss nach so einer Dachsanierung einfach zusammen einen trinken“, so Köhne.

Zeit und Kosten eingehalten

Seit dem 31. Dezember 2016 war die Kirche geschlossen, um den Dachstuhl umfangreich sanieren können, der von einem Pilz befallen war. Die betroffenen Balken des Dachstuhls, die laut Köhne „über 200 Jahre alt sind und auch noch evangelisch“, mussten ersetzt werden, wofür auch ein Teil des Kirchenbodens aufgestemmt wurde, damit große Pfeiler jeweils zehn Tonnen Last abstützen konnten.

Eine Kontrolluntersuchung durch einen Holzsachverständigen ergab vor wenigen Wochen die erlösende Nachricht: kein akuter Pilzbefall im Dachstuhl. Älteres und abgelagertes Eichholz aus ehemaligen französischen Weinpressen, das keinen Leimbinder enthält, ist jetzt in der seit 1792 bestehenden Kirche verarbeitet. Eine aus Thüringen stammende Zimmermannsfirma hätte den Zeit- wie auch den Kostenrahmen eingehalten, wofür Köhne ausdrücklich dankte.

Auch wenn die Kirchenbänke beim „Singen mit der Gemeinde“ noch fehlten — diese werden nach einem erneuten Streichen der Kirchendecke wieder eingebaut —, war die Kirche bis auf den letzten Klappstuhl besetzt. Da das Aufhängen der Kronleuchter und Deckenbeleuchtungen erst nach dem Abschluss der Malerarbeiten geschehen kann, halfen große Bau- und improvisierte Deckenlampen, Licht zu spenden. All dies machte den zahlreichen Anwesenden nichts aus. Vielmehr staunten sie über die deutlich sichtbaren Renovierungserfolge der letzten Monate.

Köhne zeigte sich in einem Grußwort stolz über die abgeschlossenen Baumaßnahmen: „Vielen Dank an alle, die hier gearbeitet haben, die uns unterstützt haben und an jeden, der gespendet hat.“ Neben einem Kredit und dem Verkauf eines Grundstückes seien es besonders die Spenden gewesen, die die Bauarbeiten ermöglicht hätten.

Kleinere Spenden, die von Menschen stammen, die ärmlich lebten, rührten Köhne besonders. Auch der katholischen Kirche dankte er, da diese ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellte und eine Altarkerze schenkte: „Möge in dieser Kirche immer ein Licht für alle Menschen sein!“, hieß es im Grußwort der katholischen Gemeinde. Nach dem rund zweistündigen Liederabend folgte ein Umtrunk, der die Wiedereröffnung gelungen abrundete.

(kfr)
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