Kommern: Gegen Blitz, Donner und Depression: Kräutersegnung in Kommern

Kommern : Gegen Blitz, Donner und Depression: Kräutersegnung in Kommern

Zur Kräutersegnung am Festtag Mariä Himmelfahrt kamen ungewöhnlich viele Gläubige und Zaungäste in die Baugruppe Eifel des Rheinischen Freilichtmuseums Kommern. Volkskundlerin Sabine Thomas-Ziegler hatte die Zeremonie und die Erklärung des Brauchs gemeinsam mit den Hauswirtschafterinnen des Museums vorbereitet.

Den Gottesdienst leitete Manfred Lang. Als Lektor assistierte der Museumspädagoge Claus Cepok mit dem berühmten Evangelium von den „Lilien auf dem Felde“. Anita und Hildegard Wolfgarten, Annette Meiland und Monika Blaeser präsentierten die Kräuter mit ihren hochdeutschen Namen und ripuarischen Entsprechungen, die oft auf die volksmedizinische Wirkung abzielen: Rainfarn ist in der Eifel „Wurmkrock“, Weideröschen „Dondekrock“, der Große Wiesenknopf „Böndeknopp“, Johanniskraut „Bletzkrock“ und Beinwell „Biber“.

Früher fehlte der Krautwisch in keinem Haushalt. Er schützte Menschen und Vieh vor Krankheit, Feuer und sonstigem Unglück. Die Königskerze soll beispielsweise bei Gicht helfen, die Schafgarbe bei Magenverstimmung, Johanneskraut gegen depressive Schieflage des Gemüts.

Bei Krankheit von Mensch oder Tier wurden und werden Teile des „Krockwöschs“ als Tee oder Aufguss verwendet. Im Frühjahr wurden Wohnhaus und Ställe mit dem Krautwisch ausgeräuchert. Der Krautwisch galt auch als Schutz gegen Unwetter. So verbrannte man bei Gewittern einige Zweige im Herdfeuer. Beim Neubau eines Hauses legte man geweihte Kräuter unter die Türschwelle. Dies sollte Unglück vom Haus und seinen Bewohnern fernhalten.

Die Frage, woher der Brauch stammt und warum er auf das Fest „Mariä Himmelfahrt“ gelegt wurde, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Laut Internetlexikon „Wikipedia“ geht das Brauchtum vermutlich auf die Überlieferung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus zurück, der zufolge dem leeren Grab Mariens bei seiner Öffnung ein Wohlgeruch nach Rosen und Kräutern entstiegen sein soll.

(pp)