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Nordeifel: Gartenzwerge im Winterasyl

Nordeifel : Gartenzwerge im Winterasyl

Hat man ihn einmal in so vielen Variationen gesehen, dann muss man ihn einfach lieben. Doch generell gilt für ihn im Alltag die Formel: Von den einen heiß geliebt, von den anderen eher verachtet - der klassische Gartenzwerg spaltet die Gemüter wie wohl kaum eine andere Figur.

„Zwerg, Hirsch und ! Kunst” heißt die neueste Ausstellung im Eifelmuseum in Blankenheim, die am kommenden Sonntag beginnt.

„Wir möchten mit dieser Ausstellung eine Brücke zwischen Trivialkunst, Alltagskultur und zeitgenössischer Kunst schlagen”, erklärt Eva-Maria Hermanns, die für die Idee und das Konzept der Ausstellung verantwortlich zeichnet. Vom Trivialen zum Erhabenen, die Gartenzwerge erhalten im Eifelmuseum ein angemessenes und stilvolles Winterasyl.

Insgesamt 180 dieser fröhlichen Gesellen, von winzig klein bis Meter hoch, brachten 13 Gartenzwergebesitzer der Region Eifel speziell für diese Veranstaltung als Leihgaben in das Eifelmuseum. Eva-Maria Herrmanns arrangierte die Figuren, meist auf Stelen oder Tischen, zu aussagekräftigen Clübchen.

Eine muntere Zwergengesellschaft marschiert da etwa auf den Eiffelturm zu, ein weiteres Zwergenrudel, alle mit einem Reh im Arm, steht dem grün „behüteten” Zwergenjäger gegenüber. Die Installationen erhielten bekannte Titel aus Film und Print: „Nach fünf im Urwald”, „Lesen gefährdet die Dummheit”, „Fortschreitende Herzschmerzen bei milden 18 Grad” oder „Von soviel Opium fällt selbst der stärkste Opi um”.

„hirsch und heute”

Zurück geht die Tradition, sich einen Gartenzwerg zu gönnen, auf die Gepflogenheiten um die Lust- und Ziergärten der Barockzeit. Damals stellten sich die „Hüteren” zur Freude ihres Gemüts Steinputten auf Mauervorsprünge oder einfach mitten in die Wiese. Schließlich kam auch der „kleine” Mann auf den Geschmack, seinen Garten, gerne auch seinen Vor- oder Schrebergarten, figürlich anzureichern. 1876 war es dann soweit: in Gräfenroda in Thüringen wurde der erste Gartenzwerg „geboren”.

Bis heute existieren übrigens nur männliche Gartenzwerge. Zu den Gartenzwergen gesellen sich im Rahmen von „Zwerg, Hirsch und ! Kunst” Gemälde und Objekte der Kölner Künstler Bettina Zettelmeier, Agii Gosse, Karen Betty Tobias, Klaus Heuser und des Eifeler Künstlers Peter Hundeck. Der „Röhrende Hirsch” wird thematisiert unter dem Titel „hirsch und heute” von Katrin Bergmann und Stephan Brenn (beide Köln).

Treffend ein Satz des Künstlers Herbert Hufnagl: „Kitsch ist, was man sich nicht traut schön zu finden. Schön ist, was nicht sein darf, weil es keine Kunst ist. Und Kunst ist, was einem nicht gefällt, aber das traut man sich nicht zu sagen.”