Mützenich: Funken: Ein Hobby, das die ganze Welt verbindet

Mützenich: Funken: Ein Hobby, das die ganze Welt verbindet

„Funkwellen machen vor der Grenze nicht Halt“, erklärt Peter Schmücking, Stellvertreter des Vorsitzenden vom Ortsverband Nordeifel des Deutschen-Amateur-Radio-Clubs (DARC), Hans-Jürgen Bersch. Ob Krisengebiete oder früher die Teilung Deutschlands. Funkamateure schlichen sich schon immer über die Landesgrenzen hinaus und sind auch heute noch von beachtlicher Bedeutung.

Der alljährliche Fieldday fand am vergangenen Wochenende in aller Welt statt und ermöglichte einen faszinierenden Einblick in die Materie der Funkamateure. Auch der Ortsverband Nordeifel nahm am diesjährigen Fieldday teil und traf sich dazu mit seinen über 20 Mitgliedern auf einer Wiese in der Renertzgasse in Mützenich.

Antenne abgeschossen

Um dieses Ereignis verstehen zu können, muss man zunächst wissen, dass es sich generell um einen Wettbewerb zwischen den Funkamateuren handelt. Auf der Wiese schlugen sie ein großes Zelt auf und schossen mit Pfeil und Bogen sowie reiner Muskelkraft die Antennen in Bäume am Rande der Wiese. Neben diesen zentralen Merkmalen des Amateurfunkdienstes ertönte zusätzlich ein lautes, unkontrolliertes Brummen über das Areal: ein Notstromaggregat.

Und genau dies ist der Knackpunkt im Amateurfunkdienst. Denn eine Verbindung ohne Strom, Internet und Endstufen ist das Ziel. Der Sinn dahinter ist ganz einfach: Wenn es zu Katastrophen kommt, dann brechen in den Krisengebieten die Netzwerke zusammen und Nachrichten können lediglich mit Hilfe von wenigen Mitteln an die Öffentlichkeit oder Hilfsorganisationen gelangen. 2015 das Erdbeben in Neapel oder vor einer Woche das Erdbeben in Italien sind gute Beispiele, um dies zu verdeutlichen. Die erste Kommunikation dort ermöglichten Funkamateure. Aus diesem Grunde darf der Funk auch niemals aussterben und ist im Zeitalter der modernen Technik keineswegs veraltet.

Beim Fieldday jedoch handelte es sich nicht um eine Katastrophenschutzübung, sondern um einen Wettbewerb, in dem die Funkamateure europaweit zu anderen Stationen funkten. Für Laien mag dieser Funkaustausch zunächst eher uninteressant klingen, da es sich hauptsächlich um einen Austausch von Laufnummern handelt, die sich bei jeder neuen Verbindung erhöhen. Das Ganze lief 24 Stunden lang. Sprachliche Barrieren sind dabei nicht der Rede wert, da sich die Funkamateure hauptsächlich in Englisch verständigen. Generell bedienen sich die Hobbyfunker jedoch auch der guten alten Morse-Technik, um im Notfall trotzdem Kommunikation aufbauen zu können.

Beim Fieldday wird letzten Endes nach der Anzahl der erreichten Stationen und nach der Anzahl der erreichten Länder bewertet, wozu die Materialien nach England geschickt werden. Der Gewinner erhält anschließend eine Urkunde und natürlich den Respekt. Es ist also ein Hobby, das die Welt verbindet und ein großes Interesse an Technik benötigt.

Im Ortsverband Nordeifel ist über die Jahre eine breitgefächerte Truppe entstanden, die vom „Bauarbeiter über Zahnarzt bis zum Diplom-Ingenieur geht“, wie Ignaz Steffens, Mitglied des Ortsverbandes Nordeifel, lachend erklärt. „Da sind zum Teil nicht nur Jecke drin!“, beschreibt er weiter. Jedoch ist das Interesse der jüngeren Bevölkerung stark gesunken, so dass sie stets auf der Suche nach neuen Mitgliedern sind. Für die Aufnahme muss lediglich eine Prüfung absolviert werden.

Zudem bieten die Ortsverbände und das Internet Seminare an, damit Interessierte einen Überblick über die Technik des Funks erhalten. Nach der Aufnahme stehen viele gesellige Abende im Ortsverband Nordeifel bevor, da sich die Mitglieder jeden ersten Freitag im Monat treffen und in aufgeschlossener Runde Nachrichten vom DARC weitergeben und sich weiterbilden.

Ebenso gesellig verlief auch der Fieldday mit ausreichend Verpflegung und stetigem Gesprächsstoff. Auch Vertreter der Gemeinden Roetgen und Simmerath sowie Bürgermeisterin Margareta Ritter aus Monschau waren sehr interessiert an diesem Ereignis und schauten sich die Funkstation in der Renertzgasse einmal genauer an. „Ich würde es selber gerne verstehen. Wir bedienen uns täglich des Funks, aber haben doch eigentlich gar keine Ahnung davon“, beschreibt Margareta Ritter letztlich den zusammenfassenden Eindruck.

(als)