Nordeifel: Für die Zimmer-Nachbarin (106) schon hunderte Gedichte verfasst

Nordeifel: Für die Zimmer-Nachbarin (106) schon hunderte Gedichte verfasst

„Wer schreibt, der bleibt“. Wenn diese Spruchweisheit stimmt, dann dürfte Johann („Hajo“) Mais ein langes Leben sicher sein. Der inzwischen 90-jährige machte sich einen guten Namen — sowohl als Autor wie als Fotograf.

Der ehemalige Kaufmann Mais stammt vom Niederrhein. 1953 packten ihn und seine Familie just zu Heiligabend die Reiselust. Die Eifel war das Ziel: „Wir hatten keine Vorstellung von dieser Naturlandschaft. Aber wir waren neugierig und spurteten einfach los.“ Sie landeten in Rurberg, verliebten sich in den malerischen Rurseeort und erklärten die Eifelidylle für Jahrzehnte zu ihrer Wahlheimat.

Seit fünf Jahren lebt der Hajo Mais in der Seniorenresidenz am Simmerather Rathaus. Dort fühlt er sich wohl und wie zu Hause. Seine Sammlung von 45.000 Diapositiven über die Fauna und Flora der Eifel hat Mais inzwischen zwei Simmerather Archivaren anvertraut.

Die Lust zu schreiben begleitete ihn sein ganzes Leben. Schon als Junge hatte der spätere Marinesoldat und US-Kriegsgefangene den Bombenangriff der Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf Düsseldorf miterlebt und in Versen festgehalten. Später kehrte er zur Poesie zurück, und hielt insbesondere in Naturgedichten die herbe Schönheit der Region in Reimen fest.

In 35 Ordnern sind präzise Beobachtungen und sensible Empfindungen des Verfassers abgelegt. An die 2000 Gedichte sind inzwischen entstanden. Etliche davon widmete Hajo Mais seiner Nachbarin im Seniorenzentrum, Käthe Rahne.

Sie feierte mit stattlicher Gratulanten-Schar und geistig wie körperlich frisch unlängst ihren 106. Geburtstag. „Ich schenke Käthe, die ich in einigen Strophen auch Henriette nenne, jeden Tag ein Gedicht. Das bekommt sie anstelle von Blumen.“ Von Betrachtungen über die Amsel bis zu sinnierenden Gedanken über die schnell verrinnende Zeit: Mais würdigt in seinen Versen immer wieder die Natur und wurde vom Eifelverein daher auch mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.Seine Texte stimmen die Leser nachdenklich, verleiten sie zum Besinnen, Innehalten und Schmunzeln. Aus so mancher Schilderung blitzt dem Betrachter subtiler Humor entgegen. Hering und Haselmaus, Lerche und Luchs — große und kleine Tiere in mancherlei Situationen kommen bei Mais zu Wort.

Selbst stachelige Gesellen werden in den Gedichten von Hajo Mais von Amors Pfeilen getroffen: „Auch ein Igel spürt die Liebe!“

(M. S.)