Höfen: Für den singenden Hirten ist das ganze Jahr Weihnachten

Höfen: Für den singenden Hirten ist das ganze Jahr Weihnachten

Den Bart lässt er sich jetzt schon wieder wachsen, damit er sich Anfang Dezember wieder in den singenden Hirten verwandeln kann, um mit Gitarre, Mundharmonika und Panflöte in seiner riesigen Landschaftskrippe in der Höfener Pfarrkirche Platz zu nehmen und für die zahlreichen Besucher zu singen und Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln.

Auf diese Weise hat Jakobs inzwischen mehr als 500.000 Euro an Spenden gesammelt, die sämtlich dem Förderkreis „Hilfe für krebskranke Kinder e.V. Aachen“ und damit der kinderonkologischen Station im Aachener Uniklinikum zugutegekommen sind. Zuletzt waren 72.350 Euro zusammengekommen.

Reiner Jakobs beweist aber nicht nur in der Zeit von Dezember bis Anfang Februar ein außergewöhnliches Engagement. „Für mich ist das ganze Jahr über Weihnachten“, sagt der singende Hirte und lächelt dabei verschmitzt.

Die Arbeit fängt schon mit dem Abbau der Krippe in der Kirche an. Defekte Teile werden aussortiert und werden in einem separaten Raum gelagert, damit er sie beizeiten reparieren kann. Ständig ist er auf der Suche nach Moos, alten Baumstämmen und Sträuchern die er als Dekoration verwenden kann.

Draußen im Garten hat er sich eine Werkstatt in dem Schuppen eingerichtet, der in der Weihnachtszeit als „kleine“ Krippe vor der Höfener Pfarrkirche steht. Hier sitzt er dann und bastelt an den Details für die große Landschaftskrippe. Zwei Monate lang hat er an seinen 60 Schafen gearbeitet. Die warten jetzt auf ihren Auftritt. Sie haben alle neue Augen bekommen. Früher waren es Knöpfe, jetzt bestehen sie aus Glas. Dafür mussten auch die Gesichter nachgearbeitet werden. „Das platzt dann aus“, sagt Jakobs.

Überall lagert Material für die Krippe. In dem großen Garten des Hauses an der Triftstraße in Höfen stehen gleich mehrere Anhänger. In dem einen lagern Bretter und Türen, im nächsten Stangen und Balken, in einem anderen liegen die eigentliche Krippe und die zugehörigen Strohdächer, ein weiterer ist mit zusätzlichem Equipment bestückt — hier lagern Feuerlöscher, Spiegel, Vogelnester und die Werkbank des heiligen Josefs. „Die kommen rund um das Wasser“, sagt Jakobs und zeigt auf noch einen Anhänger, der mit Steinen beladen ist. Hinzu kommen noch einige Schuppen mit noch mehr Material. „Das ist auch ein Paradies für Mäuse“, sagt Reiner Jakobs.

Wenige Meter weiter stapeln sich 50 bis 60 Meter Zaun, dahinter steht ein großes Elsternest, das er schon vorbereitet hat. Daneben stehen zahllose Kisten mit Moos und auch ein Korkhaselnussstrauch mit verdrehten Ästen liegt bereit — den hat er von Leuten aus Kalterherberg bekommen. Die Wurzeln einer alten Buchenhecke stammen von seinem Nachbarn. Immer wieder rufen ihn Menschen an, die ihm Material für die Krippe überlassen wollen. Das können ausgestopfte Tiere, Blumen oder ganze Bäume sein. „Ich suche mir dann das Beste raus“, sagt Jakobs.

Auf seinem eigenen Grundstück steht auch noch ein sieben bis acht Meter hoher Baum, der im Winter einen Platz in der Pfarrkirche einnehmen soll. Auch der Blumenschmuck draußen an den Fenstern seines Hauses wird extra für die Krippe gezüchtet und später getrocknet. „Das bleibt geschmeidig und verliert nicht seine Farbe. Das kommt dann unter die Zäune. Das kann man schön dazwischen verarbeiten. Das sieht im Sommer am Haus schön aus, aber auch im Winter an der Krippe“, sagt Jakobs.

Auf dem Weg vom Garten in den Keller sieht es aus wie in einer Gärtnerei. Auch das ist alles für die Krippe.

Den schattigen Eingangsbereich im Keller nutzt Jakobs gerne für ein Päuschen. Etwas weiter hinten, im Heizungskeller, befindet sich die „Schatzkammer“ des singenden Hirten. Aus den Regalen blicken einen die Augen der Schafe an. Ausgestopfte Vögel nehmen gleich mehrere Quadratmeter ein, und zwischen den Heizöltanks stapeln sich die Eichhörnchen. Maria und Josef stehen sich auf einem Regal gegenüber. „Und hier liegt der Chef“, sagt Jakobs und zeigt auf den Heizungskessel, wo das Jesuskind seinen Platz hat. „Wer hat schon den Herrgott auf der Heizung liegen“, sagt der singende Hirte und lacht.

Hinter der nächsten Tür befindet sich der Proberaum. „Hier sitze ich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde und singe“, erklärt Jakobs, bevor er zur Gitarre greift und das „Ave Maria der Berge“ anstimmt.

Den Überblick verliert er trotzdem nicht. Der singende Hirte hat seine eigne Ordnung und weiß genau, wo alles steht. Wie die Krippe in diesem Jahr aussehen soll, hat er auch schon im Kopf, einen Plan gibt es nicht. Rund 15 Bäume sollen es diesmal sein. „Die werden im Herbst gefällt und bekommen Zettel angehängt, auf denen steht, wo sie später in der Kirche platziert werden sollen“, erläutert Jakobs. Mehr verrät er noch nicht.

Aber sicherlich werden die Besucher in der Weihnachtszeit wieder viele neue Details entdecken — schließlich arbeitet Jakobs das ganze Jahr über dafür, den Menschen eine Freude zu machen und damit kranken Kindern zu helfen. „Mir geht es gut, sonst könnte ich das alles nicht machen. Die Krippe ist mein Leben“, sagt der 75-Jährige noch, bevor er sich gleich wieder der nächsten Aufgabe widmet. Es ist eben immer was zu tun.