Aachen: Für den Notfall beim CHIO bestens gewappnet

Aachen: Für den Notfall beim CHIO bestens gewappnet

Schreie und Hilferufe hallen über die große Tribüne im Aachener Reitstadion. Zuschauer werden von Ordnern in leuchtend gelben Jacken zu den Ausgängen geführt. Rettungskräfte schleppen Tragen heran und evakuieren die Verletzten in nahe gelegene Zelte. Ein Unwetter hat fürchterlich gewütet, Teile des Tribünendaches sind herabgestürzt und haben Menschen unter sich begraben. Aus einem Lautsprecher bittet eine Frauenstimme darum, Ruhe zu bewahren.

Doch keine Panik: Das Szenario ist nur gestellt, eine Probe für den Ernstfall, von dem natürlich keiner hofft, dass er beim Aachener Reitturnier eintritt.

Sicherheitskonzept auf Prüfstand

Wenige Wochen vor dem Beginn des CHIO haben Feuerwehr, Rettungskräfte, Polizei und die Organisatoren des Turniers diese Übung organisiert. Ein Sicherheitskonzept besteht schon seit vielen Jahren, die letzte Generalprobe dieser Art fand 2006 statt. Dennoch möchte die Feuerwehr die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte noch weiter verbessern und dabei genau analysieren, ob alle Handlungen der einzelnen Akteure auch richtig aufeinander abgestimmt sind.

Mit einem einfachen Blick in die große Menge während des CHIO lässt sich das naturgemäß nicht beurteilen. 150 Einsatzkräfte und 200 Ordner des ALRV (Aachen-Laurensberger Rennverein e.V.) sind deshalb am Samstagmorgen gekommen, dazu 300 Statisten und 40 Darsteller, die Verletzte mimen. Sie gehören zu einer Gruppe des Malteser Hilfsdienstes, die den klangvollen und beziehungsreichen Namen „Bloody Malti” trägt. Die Darsteller sind spezialisiert auf die realistische Unfall- und Notfalldarstellung. Blutige Wunden haben sie sich auf ihre Gesichter geschminkt, und ihre lauten Schreie sorgen für Beklemmung. Um den Hals der Darsteller hängen Karten, auf denen die Einsatzkräfte die Art der Verletzung erkennen können.

Beobachter von der Fachhochschule Köln laufen umher und machen sich Notizen. Sie haben Rettungsingenieurwesen studiert und werden das Einsatzgeschehen in den nächsten Wochen auswerten. Jürgen Wolff, Leiter der Aachener Feuerwehr, wird dann nachlesen können, ob das weiterentwickelte Sicherheitskonzept funktioniert hat wie geplant.

Es gebe seit diesem Jahr ein weiteres Rettungstor und die Lautsprecheranlagen seien modernisiert worden, sagt er. Weniger Verkaufsstände gebe es auf dem Gelände, und damit mehr Raum zur Flucht. Außerdem könne im Ernstfall das Gelände der benachbarten Alemannia Aachen zur Evakuierung genutzt werden.

Auch wenn Wolff auf die Erkenntnisse der Rettungsingenieure noch warten muss, ist er am Ende der Übung zufrieden. Sollte in Zukunft tatsächlich eine Windhose über das Reitgelände hinwegfegen, dann sei man darauf gut vorbereitet.

Nur ein brennender Aschenbecher

Die realen Bedrohungen an diesem Tag sind weit weniger furchteinflößend als das Szenario der Notfallübung. Ein Aschenbecher auf dem Gelände stünde in Flammen, hat Niels Knippertz, der Pressesprecher des ALRV, zu berichten. Die Feuerwehr habe die Lage aber unter Kontrolle.

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