Vogelsang: Fünfter Poetry-Slam „Vogelslam“ im Kulturkino in Vogelsang

Vogelsang: Fünfter Poetry-Slam „Vogelslam“ im Kulturkino in Vogelsang

Im Rahmen des Literaturfestivals „Lit.Eifel“ fand jetzt der fünfte Poetry-Slam „Vogelslam“ im Kulturkino in Vogelsang statt. 150 Zuhörer waren in das historische Kino am Rande des Nationalparks gekommen, um zu verfolgen, wie acht junge Autoren miteinander um die Publikumsgunst wetteiferten. Die „Slammer“ waren dazu aus ganz NRW angereist.

Von Elina Raddy, Oscar Malinowski, Daniel Kessel, Beretta, Ralf Hergarten, Christian „No Limit“ Schmitt, Lasse Samström und Matthias „Maschi“ Marschalt gab es viel Komisches, Experimentelles, aber auch Nachdenkliches zu hören.

Der Mann mit dem Künstlernamen „Lasse Samström“ ereiferte sich nach allen Regeln der Kunst. „Ich könnte rausasten!“, rief er auf der Bühne des Kulturkinos in Vogelsang, während das Publikum sich vor Lachen bog. „Dabei bin ich Fazipist“, fügte er hinzu, „ich kann keiner Leide was zufliege tun!“ „Schüttelprosa“ nennt der in Bonn-Beuel lebende Dichter seinen Stil, den er beim „Vogelslam“ mit viel Einsatz und Humor schwungvoll auf die Bühne brachte. Das Publikum schloss den erfahrenen Slammer in sein Herz und wählte ihn bis ins Finale.

Der aus Prüm stammende Samström, der mit bürgerlichem Namen Albert Lahmen heißt, weiß aus eigener Erfahrung, wie er die Eifeler zu nehmen hat. Als Kind, so seine Schilderung, erkundete er die Bunker des Westwalls und vergnügte sich damit, der Polizei verrostete Handgranaten auf die Theke zu legen. „Später musste ich die Eifel verlassen, denn ich wollte keinen Führerschein machen“, erzählte der eloquente Autor.

Den Sieg beim Eifeler Poetry-Slam konnte dann allerdings doch ein anderer für sich verbuchen: Matthias „Maschi“ Marschalt aus Werl gewann das Publikum mit viel Komik und originellen Texten für sich. Im Finale las er die Geschichte „Das Tagebuch“ und erhielt dafür die meisten Stimmen. Marschalt ist wie die meisten der auftretenden Künstler fest in der Slammer-Szene verwurzelt und organisiert in Werl selbst einen Poetry-Slam.

Nach jedem der fünf Minuten langen Beiträge stimmten die rund 150 Zuhörer darüber ab, wie gut ihnen der jeweilige Vortrag gefallen hat. Drei Runden galt es für die Literaten zu bestehen, bevor der Sieger feststand.

Die Fahnen des Kreises Euskirchen hielt der Autor und ehemalige Schleidener Bürgermeister Ralf Hergarten hoch, der allerdings mit seiner Geschichte über die erloschene Liebe zu einem Auto nicht überzeugen konnte und in der ersten Runde ausschied.

Der Gewinner des letzten Jahres, Oscar Malinowski, schaffte es mit originell ausgearbeiteten Kindheitswahrnehmungen bis in die zweite Runde, genau wie Elina Raddy, die es als einzige wagte, das Publikum nicht mit Komik für sich zu gewinnen, sondern mit Nachdenklichkeit. „Den Reiz macht beim Poetry-Slam die unmittelbare Reaktion des Publikums aus“, meinte Malinowski. „Texte zu schreiben, die klappen, ist allerdings schwerer, als man denkt“, ergänzte er.

Er präsentierte einen Text über seine Kindheit der sich im Verlauf mehr und mehr aus einem Wortschwall in einen Rap-Text verwandelte — und so auch die Hip-Hop-Kultur mit auf die Bühne brachte. In seiner mittlerweile fünften Auflage hat sich der „Vogelslam“ als eine feste Einrichtung im Veranstaltungskalender des Kulturkinos etabliert.

„Das ist schon was anderes als ein Club in Essen“, schwärmte Albert Lahme alias Lasse Samström Auch die anderen Autoren waren begeistert. So wurde in der Pause gar darüber diskutiert, ob das Kulturkino in der Eifel nicht der richtige Ort sei, um die nächsten NRW-Meisterschaften im Poetry-Slam auszutragen.

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