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Kalterherberg: Freier Blick auf die Richelsley

Kalterherberg : Freier Blick auf die Richelsley

Der Anblick ist gewaltig: Wie ein Bergmassiv ragt die Richelsley empor: Gut 100 Meter lang, bis zu 12 Meter hoch, aber nur wenige Meter breit.

Seit das dichte Buschwerk entfernt und die Bäume gefällt sind, ist das imposante Ausmaß des „Gebirges” mitten auf der fast ebenen Bergkuppe erst richtig zu erkennen.

Dichtes Schneetreiben herrschte, als Delegationen aus der Stadt Monschau und der Gemeinde Bütgenbach sowie die zuständigen Förster vor Ort erkundeten, was Waldarbeiter und Arbeiter der Gemeinde Bütgenbach da in den vergangenen Wochen und Monaten geleistet haben: Büsche und Bäume wurden entfernt, das Geländer hinauf zum „Kreuz im Venn” wurde erneuert, damit wurde der Aufstieg spürbar sicherer.

Hoch oben wurde vor dem Kreuz ein Podest errichtet, es dies dient der Sicherheit der Besucher. Charles Servaty aus Küchelscheid, Abgeordneter des Gemeinderates in Bütgenbach, und Forstamtsleiter René Dahmen erläuterten die umfangreichen Arbeiten an der Richelsley.

Allein die Arbeiter der Gemeinde Bütgenbach waren 163 Stunden beschäftigt, die Gemeinde hat insgesamt 5720 Euro aufgebracht. Charles Servaty und René Dahmen erinnerten an die „Geschichte” der Richelsley und des Kreuzes hoch oben auf dem Gipfel: Das Gestein - ein Konglomerat aus der Devonzeit vor rund 400 Millionen Jahren. Für Geologen ist die Richelsley ein wichtiges „Buch” über die Erdgeschichte der Nordeifel.

Spuren im Gestein verraten dem Geologen, dass die Richelsley in grauer Vorzeit in unmittelbarer Nähe des Küstensaumes des Devonmeeres lag.

Alte Handelsstraße

Im Mittelalter führte eine Handels- und Pilgerstraße (Kupferstraße) an der Richelsley vorbei, sie durchzog das Land zwischen Rhein und Maas von Norden nach Süden. Heute kaum noch vorzustellen, dass an diesem Ort der Stille einst Wagenzüge der Kaufleute vorbeirollten und ein endloser Strom von Pilgern unterwegs war.

Oben auf dem Gipfel der Richelsley ragt das „Kreuz im Venn”; 31 Stufen führen hinauf zum Kreuz aus Eisen, das gut sechs Meter hoch und 1338 Kilogramm schwer ist.

Pfarrer Arnoldy hat das Kreuz am 28. Juli 1890 errichten lassen - zur Erinnerung an den „Vennapostel” Stephan Horrichem (von 1639 - 1686 Prior im Kloster Reichenstein). In einer Felsennische wurde am 12. September 1894 eine Marienstatue aufgestellt, der Anlass: das silberne Priesterjubiläum von Pfarrer Arnoldy. Auf einer Tafel an einer alten Buche vor der Grotte ist zu lesen: „Hier wohnt der Frieden.”

Das Kreuz im Venn, auch Titel einer der erfolgreichsten Romane von Clara Viebig ist heute noch das Ziel vieler Wanderer, Pilger und Beter. Daran erinnerte Pfarrer Karl Schnitzler, der die neu gestaltete Richelsley segnete. „Zur Richelsley gehen”, das ist vor allem in Kalterherberg ein guter Brauch, um für Sterbende und Verstorbene zu beten.

Der Wunsch von Pfarrer Schnitzler: auch künftig soll die Richelsley mit dem „Kreuz im Venn” und der Muttergottes-Grotte ein Ort des Gebetes und ein Ort der Erholung sein.