1. Lokales
  2. Eifel

Schule für Beeinträchtigte: Förderschule Nordeifel als Vorbild für Ruanda

Schule für Beeinträchtigte : Förderschule Nordeifel als Vorbild für Ruanda

Der Verein „Wir für Ruanda – ACA“ will im zentralafrikanischen Land die erste Schule für geistig behinderte Kinder weiter ausbauen und sammelt in unserer Region dafür neue Ideen.

„Wir wurden hier sehr freundlich aufgenommen und werden sehr viele interessante Eindrücke mit nach Afrika nehmen.“ Jean Pierre Munyaneza war hörbar begeistert davon, was er an diesem Vormittag an der kleinen Schule in Eicherscheid gehört, gesehen und erlebt hatte. Der 41-jährige geweihte Priester des Pallottiner Ordens aus dem zentralafrikanischen Ruanda war gemeinsam mit Entwicklungshelferin Edith Mertens (68) zur Förderschule Nordeifel gekommen, um sonderpädagogische Arbeit in der Praxis zu erleben. Denn der studierte Philosoph, Pädagoge und Theologe ist seit dem vergangenen Jahr Leiter des Pallotti Children‘s Hope Centre in Kibilizi, im Süden Ruandas.

Bereits vor 15 Jahren hat der Verein „Wir für Ruanda – ACA“ (Action Central Africa) mit Sitz in Heinsberg unter Vorsitz des engagierten Mediziners Dr. Bernd Bierbaum begonnen, im Örtchen Kibilizi, in der Provinz Gisagara, eine der ärmsten Region des Landes, das erste und bis heute einzige Zentrum für geistig behinderte Kinder in Ruanda aufzubauen. Ziel der Einrichtung ist es, diesen Kindern, die früher und teilweise auch heute noch von jeglicher Beschulung ausgeschlossen waren und sind, eine Art von Basistraining zu geben, das sie aus der Isolation und Stigmatisierung herausholt. „Zudem bietet die Schule, wo die Kinder von Montag bis Freitag in einer Art Internat versorgt sind, ihnen einen geschützten Ort zur Grundbeschulung“, erläutert Edith Mertens, die sich bereits seit 1980 in diversen Projekten in Zentralafrika (Sambia, Kongo, Ruanda) engagiert. Die Schule gebe den Eltern überdies eine Alternative zum bislang üblichen „Wegsperren“ intellektuell beeinträchtigter Kinder, die so in ein möglichst selbstständiges und selbstverantwortliches Leben im Rahmen ruandischer Gegebenheiten begleitet würden, ergänzt Jean Pierre Munyaneza.

2006 begann der Bau des Zentrums mit der ersten Klasse für zehn Kinder mit moderater geistiger Behinderung. „Diese Kinder holten wir aus einem Ort rund ums Zentrum und parallel mit ihnen zwei Lehrkräfte aus der Primary-School, die in zwei Jahren bei uns nach einem anerkannten Curriculum zum Heilpädagogen zusatzqualifiziert wurden“, berichtet Mertens. Nach zwei Jahren gingen Schüler und Lehrer zurück an ihre Basisschulen – es war der erste Schritt zu einer Art Integration.

Heute betreut das Pallotti Children‘s Hope Centre 60 bis 65 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren in vier Klassen und seit vier Jahren auch zwei Berufsschulklassen mit rund 20 Schülerinnen und Schülern und mit den Schwerpunkten Schneiderei, Hauswirtschaft und Pflege, Landwirtschaft und Viehwirtschaft.

Im Schulzentrum in Kibilizi versammeln die Kinder sich jeden Morgen vor der Kapelle, ehe der Schultag beginnt. Vor der Gründung des Pallotti Children's Hope Centre konnten Kinder mit Beeinträchtigung keine Schule besuchen.
Im Schulzentrum in Kibilizi versammeln die Kinder sich jeden Morgen vor der Kapelle, ehe der Schultag beginnt. Vor der Gründung des Pallotti Children's Hope Centre konnten Kinder mit Beeinträchtigung keine Schule besuchen. Foto: MHA/Jean Pierre Munyaneza

2021 wurde das Zentrum in die Trägerschaft des Ordens der Pallottiner übergeben. „Unser Verein unterstützt die Einrichtung aber weiterhin finanziell“, sagt Edith Mertens. Die 68-Jährige, die 40 Jahre lang Leiterin von Kindertagesstätten (davon die letzten 15 Jahre in einer heilpädagogisch integrativen Tagesstätte in Düren-Rölsdorf) war, und Bernd Bierbaum sind aber weiterhin als Supervisoren und Berater aktiv vor Ort und regelmäßig in Ruanda.

Wie kam der Kontakt nach Eicherscheid zustande? Zwei Enkel von Edith Mertens, Luca und Leah, besuchen die Förderschule Nordeifel, fühlen sich hier sehr wohl und werden nach modernsten sonderpädagogischen Erkenntnissen beschult. „Da die Förderschule eine ähnliche Größe und Altersstruktur hat, lag es nahe, dass sie uns in vielen Bereichen als Vorbild für das Zentrum in Ruanda dienen kann“, sagt Mertens, die gemeinsam mit Jean Pierre Munyaneza vor den Ferien auch an einer Heinsberger Förderschule hospitierte. In Eicherscheid begleiteten die beiden Gäste je einen Tag lang die Unter-, Mittel- und Oberstufe und erlebten neben dem Unterricht auch Besonderheiten wie die Reittherapie, das große Außengelände oder die tiergestützte Pädagogik.

„Das ist natürlich eine positive Rückmeldung für unsere Schule und macht uns ein Stück weit stolz, dass wir als Vorbild für ein so tolles Projekt in Afrika dienen können“, zeigte sich Förderschulleiter Robert Knauff erfreut.

Wer die Idee der ersten Förderschule in Ruanda unterstützen und damit vor Ort praktizierte Entwicklungshilfe leisten möchte, kann dies über eine Patenschaft tun. „Mit einem Betrag von 25 Euro monatlich ermöglichen Sie einem Kind/Jugendlichen eine optimale Förderung im Rahmen eines zweijährigen Basistrainings und/oder einer Berufsausbildung im Vocational Training Center“, heißt es auf der Interseite des Gründervereins unter: www.wir-fuer-ruanda.org.