Nordeifel: Flüchtlinge: Abschied aus der liebgewonnenen neuen Heimat

Nordeifel: Flüchtlinge: Abschied aus der liebgewonnenen neuen Heimat

Fast ist es ein wenig ruhig geworden um das Thema Flüchtlinge, das im letzten Herbst und noch zum Jahreswechsel auch in der Eifel in aller Munde war. In den Aufnahmeeinrichtungen in Monschau und Simmerath ist ein wenig Alltag — im positiven Sinne — eingekehrt.

Die Zahl der Menschen, die im Zuge der Erstaufnahme den zuletzt vier Eifeler Einrichtungen zugewiesen wurden und werden, ist zurückgegangen, die Unterkunft im BGZ-Internat in Simmerath wurde sogar ganz geschlossen.

Dennoch waren es zu Beginn der Woche noch immer knapp 300 Menschen aus einem Dutzend Länder, die vor Krieg, Gewalt und Armut und in der Hoffnung auf ein besseres Leben ihre Heimat verlassen haben, nach Deutschland aufgebrochen und in der Eifel angekommen sind.

Die meisten von ihnen, aktuell 130, leben zurzeit in Höfen und haben, obschon sie hier eigentlich nur auf die endgültige Zuteilung warten, so etwas wie Heimat gefunden. „Am liebsten möchten sie hier bleiben“, sagt Marie-Theres Johnen, die für das Deutsche Rote Kreuz seit Januar die Einrichtung in der ehemaligen „Funk“ leitet, und spricht von einer „wunderbaren Atmosphäre, die hier unter den Bewohnern und Betreuern“ herrsche.

Dies bestätigte auch Monschaus Sozialamtsleiter Hermann Mertens diese Woche im Sozialausschuss. Uli Kühn (CDU) hatte angefragt, ob es auch in den Monschauer Einrichtungen Zwischenfälle gegeben habe oder Klagen der Bewohner über gewalttätiges Sicherheitspersonal. „Absolut nichts“, gab Hermann Mertens zur Antwort. Die Stimmung sei „absolut entspannt“, was auch an der gestiegenen Qualität des Betreuungs- und Sicherheitspersonals liege, die „anfangs, wie wir alle, von der Situation überrannt wurden, sich aber inzwischen sehr gut arrangiert haben“.

Vier Neugeborene in Höfen

Gleichwohl gibt es in den letzten Tagen wieder Bewegung in der Bewohnerschaft. „Diese Woche vier, nächste Woche acht Personen“, werden laut Einrichtungsleitung die „Funk“ verlassen (müssen). Neue kommen nach Marie-Theres Johnens derzeitiger Kenntnis zunächst nicht — sieht man von drei schwangeren Frauen ab, die, wie bisher schon vier junge Mütter, im Krankenhaus Simmerath ihr Baby zur Welt bringen werden und rund um die Geburt liebevoll von Hebamme Eva Krings betreut werden.

Die andere Monschauer Unterkunft auf der Haag haben im Mai nach Auskunft der Bezirksregierung 37 Bewohner verlassen, die kommunal zugewiesen wurden. 105 Menschen leben zurzeit noch in der ehemaligen Hauptschule, die voraussichtlich nun doch noch bis Frühjahr 2017 als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt werden kann. Zwischenzeitlich hatte es geheißen, die Fachhochschule Aachen als möglicher neuer Nutzer der Liegenschaft komme schon im Sommer nach Monschau.

Die größte Fluktuation herrscht derzeit im „Sonnenhof“ in Einruhr, ebenfalls eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. 68 Flüchtlinge leben aktuell hier; alleine letzte Woche wurden 20 Menschen von hier einer anderen Kommune zugewiesen und kamen 48 Kinder und Erwachsene hier neu an. „Voraussichtlich bis zum 31. Januar 2017 wird die Einrichtung noch für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt“, sagte diese Woche Dirk Schneemann, Sprecher der Kölner Bezirksregierung.

Ob Einruhr oder Monschau: Viele, sehr viele der Menschen, die hier gelandet sind, würden gerne hier bleiben, weil sie in der Eifel gut aufgenommen wurden. Eine Rückkehr in die Eifel als dann kommunal zugewiesener Asylbewerber lassen die Mechanismen der Flüchtlingserfassung derzeit — leider — noch nicht zu. Und deshalb sind es oft kleine Tragödien, wenn diese Menschen die Eifel wieder verlassen müssen. Weil sie hier ein wenig Heimat gefunden haben und ein wenig Ruhe eingekehrt ist.

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