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Simmerath: „Fieldday“ in Mützenich: Amateurfunker legen sich ins Zeug

Simmerath : „Fieldday“ in Mützenich: Amateurfunker legen sich ins Zeug

Eine riesige Antenne steht im Garten von Hans-Jürgen Bersch in Simmerath. Die braucht er auch, denn er ist leidenschaftlicher Amateurfunker und Vorsitzender des Ortsverbandes Nordeifel des Deutschen-Amateur-Radio-Clubs (DARC).

Sogenannte Amateurfunker sind im Grunde Hobbyfunker. „Die meisten haben einfach Spaß an Technik und wollen das mit Kommunikation verbinden“, berichtet Bersch. Dieses Hobby teilt er im Ortsverband Nordeifel mit 22 anderen Amateurfunkern aus Monschau, Simmerath und Roetgen.

Vom Auto zum Privatjet gefunkt

Doch wie wird man eigentlich Amateurfunker? Er selbst habe 1972 mit dem Funken angefangen, weil er Spaß an Elektronik gehabt habe. Später sei auch das Interesse an Kommunikation dazu gekommen. Doch auch wenn sie nur in ihrer Freizeit funken - ohne eine Lizenz geht es als Amateurfunker nicht.

Losgehen kann es erst, nachdem sie sich rechtliches und technisches Wissen angeeignet haben. Dann bekommen sie von der Bundesnetzagentur ein persönliches Rufzeichen zugeteilt. Das setzt sich aus sechs Zeichen zusammen. In Deutschland steht an erster Stelle ein D, dann folgt ein weiterer Buchstabe von A bis P, einer beliebigen Zahl und drei weiteren Buchstaben. Berschs eigenes Rufzeichen lautet „DL7ATR“. Das sei vergleichbar mit einem Autokennzeichen und damit sei er auf der ganzen Welt eindeutig identifizierbar.

Seine spannendste Funkverbindung hatte Bersch in Polen. Dort saß er in seinem Auto und hatte plötzlich eine Verbindung zu einem unbekannten Flugingenieur: „Der war in einem Privatjet von Kuwait nach Frankreich unterwegs.“ Er habe über eine Stunde mit ihm gesprochen und das sei ein unvergessliches Erlebnis für ihn gewesen.

Funken dürfen Amateure von der Mittelwelle, die auch gelegentlich für Rundfunksender benutzt wird, bis zum Gigaherzbereich. Die Auswahl der richtigen Welle ist abhängig von der Distanz, die überbrückt werden muss. Grundsätzlich können so Sprach- und Textnachrichten, aber auch Bilder und E-Mails ohne Strom und spezielle Gebäude versendet werden.

Auch wenn das Zentrum des Amateurfunks in Europa ist, eine Alternative zum Abhörskandal der NSA sei es nicht. Schmunzelnd erklärt Bersch: „Verschlüsselungen sind uns leider nicht erlaubt, weil alle Nachrichten offen verschickt werden müssen.“

In der Praxis funke er meist mit Kurzwelle über wenige Kilometer hinweg und höre sich um, was so in der Nachbarschaft bei anderen Amateurfunkern los sei.

Das System werde aber auch häufig von Skippern genutzt, die mit ihren Yachten auf den Weltmeeren andernfalls keine Lebenszeichen von sich geben könnten. „Funkverbindungen funktionieren immer, auch wenn der Internetempfang und Handynetze versagen“ schwärmt Bersch.

Ohne Computer werde aber heute nur noch selten gefunkt, da nur so eine Ortung und die Speicherung der einzelnen Verbindungen möglich ist.

400 Verbindungen fehlten

Ausgestattet mit seinem Laptop wird er auch am kommenden Wochenende wieder unterwegs sein - beim „Fieldday“ in Mützenich. Dort funken die Amateure innerhalb von 24 Stunden mit Kurzwelle um die Wette. Im vergangenen Jahr habe er 553 Verbindungen geschafft und den 21. Platz gemacht. Knapp 400 Verbindungen fehlten zum Sieger des Wettbewerbs. In diesem Jahr will er ein paar Verbindungen mehr schaffen: „Das ist wie bei Läufern, die brauchen ja auch ihren nächsten Lauf als Ansporn.“

(jkü)