FH Aachen: Alexander Boeminghaus ist gestorben

Ideenreicher Künstler und Professor der FH Aachen : Alexander Boeminghaus ist gestorben

Zahlreiche Kunstschaffende der Region sowie der Kultur und Kreativität verbundene Menschen der Region und darüber hinaus haben jetzt mit Trauer und Betroffenheit vom Tode des Künstlers, Architekten und Multi-Talents Dr. Dieter Alexander Boeminghaus erfahren.

Boeminghaus war über viele Jahrzehnte Professor für Entwurfs- und Umgestaltung an der Fachhochschule Aachen (FH) im Bereich Design und bis zu seinem Lebensende immer offen und bereit für neue Ideen. Boeminghaus lebte seit über zehn Jahren in Höfen, und setzte auch auch in der Nordeifel eine Vielzahl künstlerischer Akzente. Er starb am Freitag, 10. Januar, im Alter von 80 Jahren.

Stets beschäftigte ihn die Frage nach der Bedeutung der Dinge: Wie entsteht ein Kunstwerk und welche Wirkung geht von ihm aus? Welche Rolle spielt dabei die Idee? Wie lassen sich die Ideen von verschiedenen Künstlern bündeln? Können auf diese Weise Aufgaben gelöst werden, die einer allein nicht bewältigen kann? Welche Rolle spielt dabei die Kreativität, das sich Öffnen für einen unvorhersehbaren Impuls? Dies waren die Fragen, die Alexander Boeminghaus, seinerzeit der jüngste Professor in NRW, ein Leben lang beschäftigten.

Immer wieder begeisterte er Generationen von Studentengruppen und Künstlern mit seinen Projektideen. Bei der Schaffung von Kapellen in der Eifel (Buchet und Knaufspesch) ging er mit seiner Auffassung von Architektur weit über gewohnte Blickwinkel hinaus, und als künstlerischer Leiter von Kunstumweltprojekten stieß er in neue Welten vor. Sein jüngstes Projekt „HeART“, dem er sich auch im fortgeschrittenen Alter mit voller Schaffenskraft widmete, konnte er leider nicht zum Abschluss bringen.

Eng ist der Name Alexander Boeminghaus auch mit der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler (EVBK) mit Sitz in Prüm verbunden. Als er 1991 die Präsidentschaft des 1956 gegründeten grenzüberschreitenden Vereins übernahm, leitete er damit eine neue Ära ein. Die Vereinigung versteht sich als eine Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler und wirbt für den europäischen Gedanken im erweiterten Raum Eifel-Ardennen. Bis 2011 war er EVBK-Präsident. Als ihm im Anschluss die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde, wurde er als „begnadeter Künstler, kreativer Architekt, subtiler Autor und beseelter Poet europäischer Prägung und Europäer aus innerer Überzeugung“ gewürdigt.

Boeminghaus' Verbindung nach Monschau reicht zurück in den Beginn der 1970er Jahre. Er stand kurz vor seiner Promotion, als ihm der Kunstkreis Monschau die spannende Aufgabe anbot, die Umsetzung des Christo-Projektes vor Ort zu koordinieren. Der bulgarische Aktionskünstler wollte Teile der historischen Altstadt verhüllen. Sechs Leute, darunter auch städtische Bauhof-Mitarbeiter und zwei Dachdecker, gingen unter der Regie des damals 32-Jährigen hoch motiviert ans Werk. „Es waren wunderbare 14 Tage in Monschau. Wir waren voller Idealismus und in Aufbruchstimmung“, erzählte Boeminghaus im Herbst 2019 aus Anlass einer dokumentarisch angelegten Ausstellung als Erinnerung an die Aktion im Kunst- und Kulturzentrum Monschau.

Boeminghaus bewies schon damals Gespür und Toleranz für ungewohnte Betrachtungsweisen und neue künstlerische Ausdrucksformen. Mit Projekten, von zum Teil europäischer Dimension, wie „Wege und Mauern“, „Tisch des Herrn“, „Stock und Stein“, „Das Gebet“, „Das Lächeln des Christus“ sowie der Umsetzung von städtebaulichen und landschaftsgestaltenden Projekten, setzte er immerfort innovative Kräfte frei. Auch die heute noch laufende Ausstellungsreihe „Artibus“ in Stolberg profitierte vom seinem Erfahrungsschatz und dem damit verbundenen weitverzweigten Netzwerk in der Kunstszene.

Viele seiner Wegbegleiter wurden in ihrer weiteren Entwicklung maßgeblich von Boeminghaus' kreativer Kunstpädagogik geprägt. Unermüdlich motivierte Alexander Boeminghaus Zeit seines Lebens junge Künstler, sich auch bisher unbekannten Prozessen der kreativen Entfaltung zu stellen und damit die Kunst auch als Prozess des sozialen Miteinanders zu verstehen.

(P.St.)