Konzen: Feuerschlucker oder Akrobat in nur einer Woche

Konzen: Feuerschlucker oder Akrobat in nur einer Woche

Aus einem bunten Zelt am Konzener Familienzentrum schallen laute „Hep“-Rufe. Beim Blick ins Innere verschlägt es einem fast den Atem: Jungs und Mädchen hängen kopfüber am Trapez oder streichen sich mit lodernden Flammen über ihre Hände. Die Kinder aus Monschau, Simmerath und Roetgen wissen genau, was das bedeutet: Sommerferienzeit ist Zirkuszeit.

Bereits zum neunten Mal machte der Mitmach-Zirkus Soluna in der vergangenen Woche Station in der Eifel und lud kleine Nachwuchsartisten im Alter von sieben bis zwölf Jahren zu einem spannenden Ferienerlebnis ein.

Organisiert wurde das überaus beliebte Spektakel von Jugendpfleger Ralf Pauli vom Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion Aachen. 150 Kinder können in jedem Jahr teilnehmen, viele kommen sogar mehrmals, weil ihnen die Zirkuswelt so gut gefällt. „In diesem Jahr war es eine Punktlandung. Wir hatten genau 150 Anmeldungen, so dass alle mitmachen können, die gerne dabei sein möchten“, freut sich Pauli.

Natürlich konnte er die Aktion nicht alleine stemmen und bekam tatkräftige Unterstützung von Katrin Sittinger und Birger Koch vom Zirkus Soluna, die den Kindern zusammen mit 26 ehrenamtlichen Helfern die tollen Kunststücke beibrachten.

Vordem Auftritt viel geübt

Finanziell griff besonders die Raiffeisenbank Simmerath und die Monschauer Land Touristik unter die Arme, um die Kosten für die Teilnehmer so gering wie möglich zu halten. Und auch das Konzener Familienzentrum war mit von der Partie und stellte genügend Platz zum Trainieren und für das Zirkuszelt zur Verfügung. Dessen Aufbau war das erste große Ereignis der Zirkuswoche, bei dem jeder mit anpacken musste.

Anschließend schauten sich die Kinder alle zehn angebotenen Circus-Disziplinen einmal an, bevor sie sich für zwei Workshops entschieden. Das war bei der großen Auswahl gar nicht so einfach, doch schließlich hatte jeder seine beiden Lieblingsgruppen gefunden. Und dann hieß es üben, üben und nochmals üben — von dienstags bis freitags, etwa vier bis fünf Stunden pro Tag.

Am Samstag stieg dann die Spannung bei allen: Vorfreude, aber auch ein bisschen Nervosität machten sich breit. Der Höhepunkt stand an, das worauf die ganze Woche hingearbeitet worden war: die beiden großen Vorstellungen vor jeweils 300 Zuschauern, bei denen die Kinder die neu erlernten Kunststücke zum Besten gaben.

Gut gerüstet mit kalten Getränken und Popcorn strömten Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde in das Zelt und nahmen in roten Sitzen rund um die Manege Platz.

Mit einem kurzen Schattenspiel zeigten die Kinder, was ihre Familien in den nächsten zwei Stunden erwarten würde. Dann ging der Vorhang auf, fetzige Musik erfüllte den Raum, grelles Licht strahlte in der Manege und ließ die Kostüme der Akrobaten glitzern als sie menschliche Pyramiden bauten oder auf großen roten Gummibällen balancierend durch Reifen stiegen. Andere Gruppen stellten ihr Geschick beim Jonglieren mit bunten Tüchern, Ringen und Stäben unter Beweis, beim Hula Hoop oder beim Seilspringen alleine, zu zweit, mit einem oder sogar mit mehreren Seilen.

Und auch das Spiel mit den Diabolos und sich auf Stäben drehenden Tellern ließen die kleinen Profis kinderleicht aussehen als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Im wahrsten Sinne des Wortes „verzaubert“ haben die Magier mit ihren Tricks das Publikum. So wurde plötzlich aus einem Tuch ein Würfel und einzelne Tücher waren auf geheimnisvolle Weise mit einander verknotet.

Aufgelockert wurde das vielseitige Programm durch eingestreute Auftritte der Clowns, die auf sehr lustige Weise Wäsche aufhängen wollten, ein ziemlich schiefes Ständchen schmetterten und mit Cleverness eine Wette gewannen.

Besondere Balance hielten die BMX-Fahrer, die zu dritt auf einem kleinen Rad fuhren. Und auch die Seiltänzer zeigten Körperbeherrschung als sie vorwärts, rückwärts und sogar mit verbundenen Augen sicher über den dünnen Draht gingen. Einen wahrlich heißen Auftritt legte die Feuergruppe aufs Parkett. Ganz cool wirbelten die Mädchen und Jungen brennende Fackeln durch die Luft, berührten ihre Haut und sogar ihre Zunge mit den Flammen.

In luftige Höhe ging es für die Trapezkünstler und Turner an roten von der Decke hängenden Stoffbahnen. In waghalsigen Manövern ließen sie sich kopfüber herunterhängen oder zeigten einen Spagat. Und auch die Akrobaten ließen das Publikum staunen. Sie kletterten in enormer Geschwindigkeit an einer schwarzen Stange bis unter die Zeltdecke. Andere Teams führten Kunststücke auf einem Trampolin vor und stellten unter Beweis, dass 15 Kinder auf nur vier Leitern Platz finden können.

Im nächsten Jahr Jubiläum

Zum Abschluss des kunterbunten Programms versammelte sich der Zirkus-Nachwuchs noch einmal in der Manege und holte sich seinen verdienten Applaus und Jubel ab. Olaf Jansen von der Raiffeisenbank lobte die tolle Leistung der Kinder und ihr unglaubliches Engagement: „Das war eine atemberaubende Show von euch!“ Außerdem bedankte er sich herzlich bei den freiwilligen Helfern, die die Kinder eine Woche lang unterstützt haben. Einige von ihnen haben sich sogar extra Urlaub genommen, um dabei sein zu können. Diese wiederum bedankten sich herzlich bei den Zirkus-Profis aus dem Soluna-Team.

Im nächsten Jahr feiert der Mitmach-Zirkus in Konzen dann seinen zehnten Geburtstag. „Zum Jubiläum lassen wir uns etwas Besonderes einfallen“, versprach Ralf Pauli.

(aj)
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