Euregionales Sprachenfest ist auch „ein großes Stück Europa“

In Mulartshütte : Euregionales Sprachenfest ist auch „ein großes Stück Europa“

Getreu dem Motto „Gemeinsam in Aktion! – Ensemble en action! – Samen in actie! – Zusammen spielen, Nachbarn treffen, Sprachen lernen“ fand das zweite Euregionale Sprachenfest in Roetgen-Mulartshütte statt.

Am Familien- und Jugendhof „Auenland“ gingen 205 Schülerinnen und Schüler, 23 Lehrkräfte, der Euregioprofilschulen aus allen fünf Teilgebieten der Euregio Maas-Rhein mit französischer, niederländischer und deutscher Muttersprache an den Start. Ziel war es, ganz nebenbei die Nachbarn und ihre Sprache besser kennenzulernen. Die Schwerpunkte „grenzüberschreitender Spracherwerb“ und „euregionale Kompetenz“ standen dabei besonders im Fokus.

Nirgendwo kann man einfacher und ungezwungener Menschen kennenlernen als beim gemeinsamen Spielen und Bewegen in der freien Natur. Auch das informelle Lernen der Nachbarsprachen sowie persönliche Begegnungen über unter anderem nonverbale Kommunikation gehörten dazu. Ein dreisprachiges„Mini-Glossar mit Wortschatz zu den Aktivitäten des Tages wurde erstellt, das Gelernte konnte sofort angewendet werden.

Im Zelt eröffneten Professor Dr. Hans Bennis (Generalsekretär der Nederlandse Taalunie) und Jan Gerstenberger (Schulministerium des Landes NRW) offiziell das Event, bei dem Kinder aus drei Ländern viel Freude haben sollen. Bennis beteuerte: „Das ist für mich ein Stück Europa. Geht aufeinander zu, auch wenn ihr nicht alles versteht!“, ermuntert er. Jan Gerstenberger unterstrich: „Gute Nachbarn sind ein echter Schatz.“ Seine Ermunterung: „Nutzt diese Begegnung auch über diesen Tag hinaus.“ Sein Dank galt der Taalunie für die große Unterstützung und auch dem Zweckverband Region Aachen als Ausrichter der Veranstaltung.

Ehe das „Spiel ohne Grenzen“ losgehen konnte, mussten die Organisatorinnen Mirto Valsamidou, Vera Hark und Anna Dinse allen die Spielregeln erklären. „Ihr seid heute die wichtigsten Personen, es ist euer Fest“, so Valsamidou. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fieberten dem Start entgegen, das Wetter spielte keine große Rolle. Es galt, 20 gemischte Gruppen zu bilden, aus jedem Land waren Kinder dabei, um dann endlich die zehn Spielstationen mit den entsprechenden Aufgaben in Angriff nehmen zu können. Geschicklichkeit war gefragt, so bei: Tic Tac Toe, Jenga, Swing Off, Ski Race, Banana Tree, Egg Protection, Bungee Run, Kicker, Jungle Run, Pipeline. Da hieß es „Bien du plaisir! Veel plezier! Viel Spaß!“ Vorab musste jedes Team jedoch seine eigene Fahne gestalten, mit der man voran ins regnerische Gelände zog.

Am Abend, bei der Siegerehrung, erhielten alle Kinder ein dreisprachiges Teilnehmer-Zertifikat, eine Medaille und Süßigkeiten für den Heimweg.

Der Region-Aachen-Zweckverband und sein Team „Bildung“ habe Schwerpunkte auf „grenzüberschreitenden Spracherwerb“ und „europäische Kompetenz“ gelegt, machte Mirto Valsamidou deutlich. Aus dieser Idee seien die „Euregioprofilschulen“ entstanden. Das Label zeichne Grundschulen und weiterführende Schulen der Sekundarstufe I aus, die euregionale Inhalte in den Unterricht integrieren und den Schüleraustausch mit den Nachbarregionen stärken. Die Auszeichnung werde von Gisela Walsken, Regierungspräsidentin Köln und Vorsitzende der Euregio Maas-Rhein verliehen. „Heute gibt es 54 Euregioprofilschulen in allen fünf Partnerregionen der Euregio Maas-Rhein, die Tendenz steigt“, ist zu hören.

Das Sprachenfest fand zum zweiten Male statt (erstmals 2017 im Energeticon in Alsdorf), es soll demnächst sogar als jährliche Veranstaltung institutionalisiert werden. Für das Fest in diesem Jahr seien 450 Anmeldungen eingegangen, man habe wegen mangelnder Kapazität vor Ort der Hälfte der Kinder eine Absage erteilen müssen, bedeuerte Valsamidou bedauernd. Ziel der Veranstaltung sei es, ein neues Format von euregionalen Schülerbegegnungen zu etablieren. Dieses enthält unter anderem folgende Merkmale: Man begegnet informell den Nachbarsprachen; man begegnet Kindern aus anderen Kulturen über gemeinsame, sportliche Aktivitäten in gemischten Teams; man kämpft für sein euregionales und nicht sein nationales Team; man kommuniziert nonverbal über die Sprachgrenzen hinweg; man meistert zusammen zehn Herausforderungen in gemischten Teams kompetitiv; man wird für den Fremdsprachenunterricht in der Schule sensibilisiert und motiviert. Auf dem „Auenland Familien- und Jugendhof“ waren jetzt 88 Kinder aus Deutschland, 62 aus Belgien und 55 aus den Niederlanden dabei.

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