Erwin Radermacher blickt mit Humor auf das Leben in Ostbelgien

Der alltägliche Wahnsinn : Erwin Radermacher blickt mit Humor auf das Leben in Ostbelgien

Wer ist ihm nicht schon begegnet? Dem alltäglichen Wahnsinn, der uns im Alltag, in der Familie, im Baumarkt oder im Garten an den Rand des desselben treibt?

Erwin Radermacher kennt sich auch bestens aus mit fremdverschuldeten Katastrophen und den unerwarteten Fallstricken des Lebens. Doch statt daran zu verzweifeln, hat der in Eupen lebende Autor auf das Allheilmittel Humor gesetzt und seine oft schrägen Alltagserlebnisse als Satire verpackt zwischen zwei Buchdeckeln untergebracht.

„Von Möpsen und anderen Katastrophen“ lautete der Titel einer von ihm jetzt im Eupener Grenzecho-Buchverlag herausgegebenen Sammlung satirischer Alltagsgeschichten, die in Ostbelgien spielen und damit auch einen scharfsinnigen und hintergründigen Blick auf den Landstrich an der Grenze werfen.

Dies wird besonders in der ersten Geschichte „Der Ostbelgier an sich gut“ deutlich, wo zu lesen ist: „Ostbelgien wird in Nord und Süd geteilt. Die Grenzlinie verläuft quer durch feuchte Torf- und Moorlandschaften, die immer wieder mal als verlässliche Falle für übermütige Flachland-Skispringer aus Holland von sich reden machen. Denn schon manch einer hat – in bunte Funktionskleidung gekleidet - die einbrechende Winterdämmerung unterschätzt, hat daraufhin die Orientierung verloren, fror sich einen ab, ward nie mehr gefunden und kann seitdem das im Wind wogende Wollgras von unten bestaunen.“

Nicht nur an dieser Geschichte spürt man, dass der Autor es nicht nur versteht, andere zum Lachen zu bringen, sondern er kann auch über sich selbst lachen.

Genüsslich beschreibt er den Zusammenbau eines Hängeschränkchens, der ihn an den Rand der Verzweiflung treibt oder erzählt von einem aus dem Ruder laufenden Weihnachtsabend mit der Familie als kräftezehrende und logistische Herausforderung. Wer könnte davon nicht ein Lied singen?

Radermacher erweist als dabei feiner und genauer Beobachter des Alltags mit Ironie und Wortwitz, analysiert und entlarvt menschliche Schwächen mit kritischen Zwischentönen. Seine Satirensammlung ist mitten im Leben angesiedelt, und sie gibt dem Leser Hoffnung, denn es hätte ja alles noch viel schlimmer können.