Roetgen: Erweiterung des Seniorenzentrums: Anwohner wehren sich

Roetgen: Erweiterung des Seniorenzentrums: Anwohner wehren sich

Das Seniorenheim der Itertalklinik in der Roetgener Jennepeterstraße passt sich trotz seines stattlichen Baukörpers harmonisch in die umgebende Wohnbebauung ein. Die nun geplante Erweiterung des Seniorenheims aber erfüllt viele Nachbarn in der Jennepeterstraße und im Neubaugebiet Wiedevenn mit großer Sorge.

Sie befürchten, dass der Gebäudekomplex nun eine Nummer zu groß wird und ihre Wohnqualität nachhaltig einschränken wird. Mehrere Bürger haben ihre Bedenken und Kritik der Gemeindeverwaltung zur Kenntnis gegeben.

Ob der Widerstand der Anwohner gegen die ihrer Meinung zu groß dimensionierte bauliche Ausdehnung des neuen Komplexes ein Umdenken bei Heimträger, Planer und Kommunalpolitikern bewirkt, wird sich unter anderem in der Sitzung des Roetgener Bauausschusses (Dienstag, 18 Uhr, großer Sitzungssaal des Rathauses) zeigen, wenn der „vorhabenbezogene Bebauungsplan Nr. 11 Seniorenzentrum“ erneut zur Beratung ansteht. Es werden aber noch keine Nägel mit Köpfen gemacht. Erst einmal geht es in der Sitzung um den Beschluss, das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans einzuleiten. Voraussetzung für die Zulässigkeit und Umsetzung der Planung ist, dass der Bauungsplan geändert wird.

Bereits in der Sitzung des Bauausschusses am 18. August 2015 war die Thematik erstmals diskutiert worden. Zwar herrschte Einigkeit darüber, dass die zusätzliche Schaffung von Tagespflegeplätzen sowie die Errichtung von weiteren Plätzen für betreutes Wohnen für die Gemeinde Roetgen positiv zu betrachten sind, aber auch aus den Reihen des Ausschusses stieß die Hochbauplanung teilweise auf Kritik, weil die Gebäude-Kubatur als zu massiv, die Geschossigkeit als zu hoch und die Lage als zu wenig angepasst an die vorhandene Bebauung gesehen wurde.

Daraufhin erarbeiteten Architekt, Betreiber und Bauverwaltung Vorgaben für eine überarbeitete Entwurfsplanung. Demnach soll der Erweiterungskomplex, der quer an das vorhandene Gebäude angebaut wird, in östliche Richtung verschoben werden. Zudem soll der Anbau um ein Geschoss niedriger errichtet werden. Die drei Neubauten für betreutes Wohnen auf dem Nachbargrundstück sollen kleinteiliger und niedriger werden, die Tagespflege erhält ein eigenes Gebäude.

Während die Gemeindeverwaltung zu der Gesamtbewertung kommt, dass mit der Änderung „den wesentlichen Kritikpunkten Rechnung getragen wird“, sehen das die Anwohner, die am Dienstag zahlreich zur Bauausschusssitzung erscheinen wollen, völlig anders. „Die überarbeitete Planung hat de facto nichts geändert“, lautet ihre Wahrnehmung.

Weiterhin zeigt man kein Verständnis für eine Baumaßnahme „dieses Ausmaßes“ mitten im Wohnbereich, hieß es übereinstimmend bei einem Ortstermin. „Die gesamte Planung scheint wenig koordiniert. Die Gebäude-Kubatur ist nach wie vor sehr raumfordernd“, sind sich die unmittelbar betroffenen Anwohner einig. Außerdem habe der Architekt zugesagt, dass er im Zuge der überarbeiteten Planung mit den Anwohnern das Gespräch suchen wolle. Dieser Kontakt aber sei bislang nicht erfolgt.

Zumindest der neue Bürgermeister Jorma Klauss hat bei den Kritikern einen kleinen Hoffnungsschimmer hervorgerufen, da er eine Beteiligung der Bürger vor der endgültigen Beschlussfassung (in der Ratssitzung am 15. Dezember er) zugesagt habe.

Wenn die überarbeiteten Pläne für die Erweiterung des Seniorenzentrums so umgesetzt würden, dann würden die Neubauten bis auf drei Meter an die vorhandenen Grundstückgrenzen heranrücken, deutet man die neuen Pläne. Die Betroffenen bezweifeln, ob es überhaupt möglich ist, die Lärmschutz- wie auch die Brandschutz-Richtlinien einzuhalten.

„Da wird uns ein Riesending vor die Nase gesetzt, das absolut nicht in ein Wohngebiet passt“, befürchten einige der Betroffenen massive Einschränkungen ihrer Wohnqualität. Andere Anwohner fürchten um den Wertverlust ihrer Grundstücke, und wieder andere kauften unter anderen Voraussetzungen ein Grundstück im Grünen nichts ahnend von den Erweiterungsplänen des Seniorenheims.

Ein direkter Nachbar schließlich fühlt sich regelrecht umzingelt von den neuen Baukörpern: „Da kann ich künftig nur noch in den Himmel schauen“, so seine schlimme Befürchtung.

Wichtig ist allen Anwohner der Hinweis darauf, dass man im Grundsatz nichts gegen die Erweiterung des Seniorenzentrums einzuwenden habe und die Kritik auch nicht darauf abziele, eine alternative Planung an anderer Stelle in Roetgen in die Diskussion zu bringen.Was den Anwohnern schließlich auch fehlt, ist eine Regelung für das zu erwartende zunehmende Verkehrsaufkommen. Da müsse man gegebenenfalls auch über eine Ampel an der Einmündung Jennepeterstraße/Bundesstraße reden.

Bevor über den Bebauungsplan entschieden wird, erwarten die Anwohner, dass ihre Bedenken in die Diskussion einfließen. Eine „städtebaulich bessere Lösung“ würde aus Sicht der Anwohner so aussehen, dass das Gebäudevolumen insgesamt verkleinert wird, der geplante Anbau in Richtung des ohnehin schwach frequentierten Leichtathletikplatzes verschoben wird und für das betreute Wohnen gängige Doppelhaushälften geplant würden statt „drei Riesenklötze“ zu errichten. Wie schwer diese Argumente wiegen, wird die Diskussion zeigen.

(P. St.)