Steckenborn: Erstes „Kreppche kicke“ im Schneetreiben

Steckenborn : Erstes „Kreppche kicke“ im Schneetreiben

Draußen stürmte es, und dichtes Schneetreiben prägte das Bild. Das perfekte Wetter, um sich am Ofen in der guten Stube aufzuwärmen. Oder das perfekte Wetter, um sich verschiedene Krippen, jeweils mit einer individuellen Note, anzuschauen. „In Steckenborn veranstalten wir zum ersten Mal das Kreppche kicke", erklärte André Koll vom Ortskartell, das die Aktion ins Leben gerufen hat.

Was in Konzen schon eine lange Tradition hat und vom dortigen Heimatverein ausgerichtet wird, soll in Steckenborn nun ebenfalls zu einer Tradition werden. Es ist bereits ein alter Brauch, der jetzt wieder aufleben soll. Denn früher war es üblich, dass Bekannte und Verwandte zur Weihnachtszeit vorbeikommen, um sich die Krippen anzusehen. „Wir wollen auch zeigen, wie viel Arbeit und Energie in den Krippenbau gesteckt wird, so dass jede Krippe ihren besonderen Reiz hat, egal ob klein oder groß“, so Koll.

Leuchtende Augen hatten nicht nur die Kinder beim ersten Steckenborner „Kreppche kicke“. Insgesamt acht Krippen wurden besucht, von deren Kreativität sich die Teilnehmer inspirieren lassen konnten.

Viel Leidenschaft

Die Krippen würden mit viel Leidenschaft aufgebaut und das sollte man den Leuten auch einmal zeigen. Ursprünglich wollte das Ortskartell das „Kreppche kicke“ bereits vor einem Jahr einführen, doch die Initiative wurde damals zu spät gestartet. Dieses Mal konnte sich nun jeder melden, der entweder seine Hauskrippe zeigen oder auch einfach nur mitgehen wollte, um andere zu sehen.

Es fand sich letztlich eine Gruppe von etwa 15 Personen zusammen, die ihre Tour am Steckenborner Dorfmuseum startete. Die Gruppe war mit Kindern, erfahrenen Krippenbauern, Sammlern und Interessierten bunt gemischt. „Wir hätten uns zwar noch etwas mehr Resonanz gewünscht, aber die Aktion muss vielleicht auch erst einmal bekannt werden und sich herumsprechen“, erklärte Koll. Deshalb wolle man die Krippentour auch im nächsten Jahr anbieten, dann wieder mit anderen oder noch mehr verschiedenen Krippen. Doch auch so machte sich die Gruppe bestens gelaunt auf den Weg durch das dichte Schneetreiben, um insgesamt acht Krippen zu besichtigen. „Wir freuen uns über das Interesse an der Aktion, die wir mehr oder weniger spontan ins Leben gerufen haben“, sagte Christoph Hilger, der Vorsitzende des Ortskartells, vor dem Start.

Die erste Station war bei Kunibert Wirtz, der sogar zwei Krippen aufgebaut hatte. Eine davon nimmt zurzeit die komplette Garage in Beschlag, die andere steht im Wohnzimmer. Wirtz ist ein leidenschaftlicher Krippenbauer und baut bereits seit über 35 Jahren eigene Krippen. Jedes Jahr baut er durchschnittlich ein bis zwei neue, die Materialien dafür besorgt er komplett selbst. „Ich bastele das ganze Jahr über an den Krippen, eigentlich fast täglich“, erzählte er schmunzelnd. Einige der Exemplare hat er auch schon auf verschieden Ausstellungen präsentiert. Neben dem Krippenbau ist der engagierte Rentner auch in Schulen und Kindergärten unterwegs. „Ich mache mit den Kindern zusammen Holzarbeiten oder Schnitzereien, um ihre Kreativität zu wecken und sie etwas wegzubringen von Computer und Handy“, so Wirtz, der auf reges Interesse bei den Kindern stößt.

Sammlung von 1200 Krippen

Unterwegs gab es immer wieder Gespräche und Fachsimpeleien unter den Teilnehmern. In den einzelnen Häusern erzählten die jeweiligen Krippenbauer etwas zu ihren Exemplaren, die sie größtenteils selbst gebaut haben, und beantworteten geduldig alle Fragen. Mit von der Partie waren auch Doris und Franz-Josef Brandenburg aus Nideggen. Sie sind seit Jahren eifrige Krippensammler. Die Sammlung umfasst inzwischen rund 1200 Krippen. Sie haben Modelle aus aller Welt, beispielsweise aus Südamerika, von Madagaskar und den Philippinen, und wollten sich nun auch einmal andere Krippen ansehen. „Das ist ein Erbstück von meiner Oma“, erklärte André Koll auf die Frage, woher denn „das wunderschöne Gipskamel“ in seiner Krippe stamme.

Eine besonders mächtige Krippe hatte Dietmar Stollenwerk hergerichtet, der ebenfalls seit circa 30 Jahren Krippen baut. „In der Krippe ist fast alles selbst gemacht und in jedem Jahr ist sie wieder etwas verändert“, sagte Stollenwerk. Für den Aufbau der Krippe brauche er anderthalb Tage. „Papa, ist das da in der Krippe ein echtes Feuer?“, fragte ein Kind mit leuchtenden Augen vor der Krippe. „Ich habe die Krippe ungefähr zehn Jahre lang nicht mehr aufgebaut, aber seitdem ich Enkelkinder habe, baue ich sie wieder auf, denn sie erfreuen sich immer daran“, so Stollenwerk schmunzelnd.

Auf der weiteren Tour wurden noch die Hauskrippen von Otto Bongard, Reiner Stollenwerk, Christoph Hilger sowie Christiane Aschoff bestaunt. Auch ein Besuch der Krippe in der Pfarrkirche Sankt Apollonia durfte natürlich nicht fehlen.

Nach knapp drei Stunden war die Gruppe wieder am Ausgangspunkt im Steckenborner Dorfmuseum angekommen, und es gab durchweg positive Resonanzen der Teilnehmer. Die Initiative wurde in gemütlicher Runde bei Glühwein, Kakao und Plätzchen gelobt und mehrfach wurde der Wunsch nach einer Wiederholung im nächsten Jahr geäußert. Es gab noch einen längeren Austausch über die gesehenen Krippen, bei denen die Teilnehmer auch Anregungen für den eigenen Krippenbau sammeln konnten.

„Eigentlich wollte auch Pastor Stoffels mitgehen, da er die Aktion toll findet. Aber leider musste er noch kurzfristig absagen“, erklärte André Koll während der Tour. Bei der zweiten Auflage im nächsten Jahr sieht es dann vielleicht anders aus und das „Kreppche kicke“ kann mit dem Segen des Pastors stattfinden.