Monschau: Erlesene Klänge in der alten Stadtkirche

Monschau: Erlesene Klänge in der alten Stadtkirche

Wieder einmal war die Evangelische Stadtkirche in Monschau von erlesenen Klängen erfüllt. Am Sonntag gastierte das Eupener Vokalensemble „Pro Arte“ im Rurstädtchen und bot warmen, differenzierten Klang zwischen Spätrenaissance und Moderne.

Auf den Plakaten hieß es: „Chorkonzert“. Aber für das musikalische Oktett aus Ostbelgien — bestehend aus vier Damen und vier Herren — schien das eine fast zu undifferenzierte, zu flächige Bezeichnung. Die Zuhörer erlebten eher ein vielfältiges, geistreiches musikalisches Gespräch unter acht Sängerinnen und Sängern von beinahe solistischer Qualität.

Der Dirigent, Thomas Beaujean, hatte eine bunte Auswahl von Werken „a cappella“ zwischen Spätrenaissance und Moderne ausgesucht, die einen ganz unterschiedlichen Zugang der Ausführenden verlangten. Die Eupener Sänger konnten allen Ansprüchen bestens gerecht werden.

Begonnen wurde mit einer Reihe von Motetten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die durchweg geistlichen Inhalts waren und geprägt schienen von einer formvollendeten, aber auch etwas distanzierten Haltung zu den religiösen Inhalten.

Als eigenen Block präsentierte das Ensemble drei Hohelied-Motetten von Melchior Franck, die sich zwar auch auf biblische Texte (nämlich aus dem sogenannten „Hohen Lied Salomos“) bezogen, von denen aber doch, wie Thomas Beaujean durchaus zutreffend bemerkte, nicht ganz klar ist, wie sie überhaupt in die Bibel hineingerieten. Denn es handelt sich dabei einfach nur um handfeste Liebeslieder.

Die Komponisten der Renaissance hatten ein Faible für diese Texte, da sie hier wohl ein Ventil für die in der sonstigen — auch musikalischen — Religionsausübung fehlende positive Emotionalität fanden. Auch die Eupener Sängerinnen und Sänger leiteten mit den drei sehr mitfühlend gestalteten Stücken von Melchior Franck über zu den mehr subjektiv bewegten Kompositionen aus Romantik und Moderne.

In der Tat gab es in der Zwischenzeit — in Barock und Klassik — nahezu keine Originalkompositionen „a cappella“, das heißt ohne eigenständige Instrumentalbegleitung. Erst wieder in der Romantik wurde diese Musikform vor allem für Laienchöre gleichsam wiederentdeckt.

So gab es auch im Konzert des Eupener Ensembles zur zweiten Hälfte hin einen großen zeitlichen Sprung von ungefähr 200 Jahren, so dass die Zuhörer unversehens in eine völlig andere musikalische Welt versetzt wurden.

Neben zwei Stücken romantischer „Klassiker“ wie Brahms und Elgar ragten in diesem Teil vor allem die sechs „Chansons“ von Paul Hindemith heraus, die dieser Komponist der „klassischen Moderne“ auf französische Texte von Rainer Maria Rilke geschrieben hatte.

Auffällig, dass auch ein weiterer moderner Komponist, nämlich der Amerikaner Morten Lauridsen gerade diese aparten französischsprachigen Gedichte des deutschen Dichters für sich entdeckt hat. Die Eupener Musiker wählten zwei dieser Stücke für ihr Konzert aus. Sie waren wohl sogar die eingängigsten in dieser zweiten Hälfte ihres Vortrags.

Insgesamt verdient die Leistung dieses ostbelgischen Laienensembles höchstes Lob. Ein warmer, differenzierter Klang, eine stets durchhörbare Stimmführung erfreute die Zuhörer in jeder Weise. Der begeisterte Applaus rief noch eine Zugabe hervor, ein lustiges „Chanson“ von Maurice Ravel.

(js)