Erinnerung an die Zeit vor 75 Jahren in Roetgen

Roetgen 1944 : Erinnerung an das Geschehen vor 75 Jahren

Vor 75 Jahren, am 12. September 1944, nehmen die Amerikaner die erste deutsche Gemeinde ein: Roetgen bei Aachen. Einen Tag darauf erreichen die Alliierten Maastricht und beschießen Trier. Bald aber stockt der Vormarsch.

Die Schlacht um die Kaiserstadt Aachen dauert bis zum 21. Oktober 1944. Am 16. Dezember 1944, mit Beginn der Ardennenoffensive, bäumt sich das Dritte Reich ein letztes Mal militärisch auf. In der Schlacht im Hürtgenwald, die vom 6. Oktober 1944 bis 10. Februar 1945 in der Rureifel tobt, verlieren die Amerikaner etwa 32.000 Soldaten.

Zurück zu Roetgen. Von weitem, aus Richtung Belgien, hört man Kanonendonner. Gegen Vormittag erreicht die „Task Force“ von Oberstleutnant William Lovelady am 12. September die Ortschaft Roetgen. Nur wenige Stunden zuvor sind es deutsche Pioniere, die am Roetgener Bahnhof die Gleisanlage der Vennbahn in die Luft sprengen. Gegen 15.30 Uhr am gleichen Nachmittag rollen erste US-Panzer über die Bundesstraße 258 nach Roetgen. Die letzten deutschen Soldaten, eine Flak-Einheit, hat sich zurückgezogen. Es herrscht große Ungewissheit bei den zurückgebliebenen Bewohner, die in den Kellern ihrer Häuser der Dinge, die da kommen, harren. Eines aber ist ihnen klar: Der bevorstehende Einmarsch der Amerikaner ist keine Überraschung.

Die Amerikaner verspüren in Roetgen keinerlei Gegenwehr, mit dem Überschreiten der Eisenbahnlinie marschieren sie in Roetgen ein. Nächste Station ist Rott, wo sich Ähnliches wie in Roetgen abspielt: keine Gegenwehr. Bedingt durch die Grenzlage ist Roetgen im Herbst 1944 der erste deutsche Ort, den die amerikanischen Truppen nach ihrer Landung in der Normandie erreichen.

Im September 2009 wird in Roetgen am Pferdeweiher, unmittelbar an der deutsch-belgischen Grenze, eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Geschehnisse von vor zu diesem Zeitpunkt 65 Jahren errichtet: „Am 12. September 1944 wurde Roetgen als erste deutsche Gemeinde durch den Einmarsch amerikanischer Soldaten von der menschenverachtenden nationalsozialistischen Gewaltherrschaft befreit“, steht darauf zu lesen.

In diesem Jahr sind 75 Jahre vergangen, und auch diesmal soll ein Gedenktag in Roetgen und Rott stattfinden. Erinnert wird an schlechte und auch erfreuliche Zeiten. Die Amerikaner brachten eine Befreiung, seit 75 Jahren herrscht Frieden. Im September wollen die Gemeinde Roetgen mit einem Festakt im Rathaus (12. September), der HeuGeVe Roetgen und der Heimat- und Eifelverein Rott diesen Anlass entsprechend würdigen.

Der Heimat- und Eifelverein Rott, so Vorsitzender Rainer Hülsheger, wartet mit einer groß angelegten Ausstellung vom 2. bis 14. September unter dem Motto „75 Jahre Befreiung vom NS-Regime“ in den Räumen der Sparkassen-Filiale in Rott auf. Dabei will man nicht nur von Freiheit sprechen, es soll vielmehr auch die Unfreiheit dargestellt werden. Die Zeit von 1933 bis 1944, bezogen auf Rott, auf die NS-Herrschaft, wird dabei dokumentiert.

Zum gleichen Thema wird für Samstag, 7. September, 16 Uhr, zu „Musik unter der Kastanie“ auf den Dorfplatz eingeladen (bei schlechtem Wetter im Saal Hütten) – „Glenn-Miller-Sound“ mit der Bigband Jazzotic. Für Essen und Trinken ist gesorgt.

Mit der Besatzungszeit habe sukzessive der Weg in die Freiheit begonnen, dafür müsse man den Amerikanern Dank sagen, meint Rainer Hülsheger. Der HeuGeVe errichtet in diesem Jahr rechtzeitig zu den Feierlichkeiten auf seinem eigenen Westwall-Grundstück an der Höckerlinie, in Nähe der Dreilägerbachtalsperre an der Straße nach Rott, einen Gedenkstein, der an die gefallenen Soldaten beider Seiten erinnern soll. Dieses Westwall-Areal wird seit einiger Zeit gerne von amerikanischen Bürgern aufgesucht, erzählt Geschäftsführer Rolf Wilden. Der Stein wird mit Text versehen, er soll zwischen Grundstück und Radweg Aufstellung finden. Man habe den Stein geschenkt bekommen, der Name des Spenders soll aber nicht genannt werden. Gedacht ist auch an die Errichtung von zwei Fahnenmasten, an denen Flaggen gehisst werden sollen. „Wir werden uns bemühen, die Musikvereinigung Roetgen zu gewinnen, damit die beiden Nationalhymnen erklingen können“, so Wilden.

Ein Verein aus Verviers habe sich angeboten, mit einem Panzer und amerikanischen Kriegsfahrzeugen nach Roetgen zur Enthüllung des Gedenksteins zu kommen. Es bedürfte von deutscher Seite noch einer Genehmigung, denn die Fahrzeuge seien nur für Belgien zugelassen. „Wir wollen natürlich auch noch lebende US-Veteranen zu unserer Feier am 15. September einladen“, lässt Wilden wissen. Und: Extra zum Festakt gibt es eine Sonderausgabe der „Roetgener Blätter“, verrät Wilden. In englischer, deutscher, französischer Sprache – und sogar in Platt.

Ende 1944 wurde von den Amerikanern die Zeitung „Die Mitteilungen“ herausgegeben, quasi der Vorläufer der „Aachener Nachrichten“, die als erste deutsche Zeitung nach dem Krieg 1945 wieder Belebung in den Blätterwald brachte (s. Box). Diese Zeitungen kommen in der großen Ausstellung auch zur Geltung. „Diese Präsentation ist für Rott und unsere Heimat von großer Bedeutung.“, sagt Rainer Hülsheger.

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