Energieversorger Trianel hat inzwischen weitere Vorhaben verworfen

Pumpspeicher-Projekt in der Nordeifel: Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ mahnt zur Wachsamkeit

Fünfeinhalb Jahre ist es nun her, dass das Energieversorgungsunternehmen Trianel nach heftigem Widerstand aus der Bevölkerung seine Pläne aufgab, am Rursee ein Pumpspeicherkraftwerk zu errichten.

Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Rursee“, die seinerzeit den Protest anführte, hat sich zum Jahreswechsel noch einmal bei ihren Mitgliedern gemeldet und zur Wachsamkeit gemahnt, weil Pläne für eine Energiegewinnung mit Rurseewasser nach wie vor Teil einer öffentlichen Landesstudie sind.

Fast zwei Jahre lang beschäftigte das geplante Pumpspeicherkraftwerk damals die Politik in der Nordeifel und darüber hinaus und polarisierte die öffentliche Meinung: auf der einen Seite die Befürworter, die im Pumpspeicherwerk einen wertvollen Beitrag zur Energiewende vor der eigenen Haustür sahen, auf der anderen Seite die Gegner des Millionenprojekts, die vor allem die Landschaft und den Tourismus am Rursee bedroht sahen.

Als die Entscheidung über den Bau des Eifelkraftwerks reifte, war Investor Trianel noch zuversichtlich, das Pumpspeicherkraftwerk wirtschaftlich betreiben zu können, und auch Regierung und Opposition im Düsseldorfer Landtag waren gleichermaßen vom Nutzen des Projekts überzeugt. Ganz im Gegensatz zur Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“, die über 8000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt hatte. Die Rückzugs-Nachricht von Trianel kam dennoch am 21. Juni 2013 völlig überraschend: doch kein Pumpspeicherkraftwerk am Rursee, keine 700-Millionen-Euro-Investition in der strukturschwachen Nordeifel, kein nordrhein-westfälischer Beitrag zur Energiewende.

„Wir sind unendlich froh darüber, dass nicht auch noch die letzten Erholungsräume der Menschen undurchdachten Großprojekten zum Opfer fallen. Eine nachhaltige, erfolgreiche Energiewende braucht kleinteilige und dezentrale Lösungen“, schrieb die Bürgerinitiative zwei Tage nach der Trianel-Verkündigung den mehr als 3000 Empfängern ihres Newsletters. Und man kündigte an: „Die BI hat sich in ihrer Satzung den Auftrag gegeben, für den Erhalt des Naturraums und das Wohlergehen des Sees einzustehen. Das werden wir auch weiterhin tun. Deshalb wird sich die Bürgerinitiative Rettet den Rursee nicht auflösen.“

Tatsächlich wurde es in den Folgejahren ruhiger um die Bürgerinitiative, doch blieb sie mit verwandten oder anderen Themen den Rursee betreffend präsent: Der Landesentwicklungsplan geriet 2014 in die Kritik, weil er nach Meinung der Rursee-Retter versuchte, sämtliche Talsperren in NRW zu potenziellen Pumpspeicherwerken zu erklären und die Wälder für Windkraftanlagen zu öffnen. Auch die Novelle der Gemeingebrauchsverordnung für den Rursee und die Anträge der (2015) rot-grünen Landesregierung auf „neue Pumpspeicherkraftwerke in NRW“ trug die Initiative ihren Anhängern warnend vor.

In der vergangenen Woche dann folgte ein neuer Newsletter mit zwei Botschaften: „Trianel hat im Juli 2018 mitgeteilt, nach dem Ende der Pumpspeicherpläne am Rursee (2013) nun auch die zwei weiteren, bisher noch aktuellen PSW-Projekte an der Nethe (NRW) und im Thüringer Wald fallenzulassen. Trianel begründet seinen Rückzug mit ,schwierigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Pumpspeicherwerke.‘ Daher fehle es - sowohl mittelfristig als auch langfristig - an Realisierungs-Perspektiven für die beiden Projekte“, war da zu lesen.

„Eine solche Monsterplanung wie in dem LANUV-Papier angedacht, wäre das Ende für den Rursee und der ihn umgebenden Landschaft“, ist Christoph Pranter von der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee" nach wie vor überzeugt. Foto: Klaus Pesch

Nach einer Auflistung weiterer aufgegebener PSW-Pläne deutschlandweit stellte BI-Sprecher Christoph Pranter kritisch fest: „Einzig die Stadtwerke Aachen (STAWAG) riskierten 2018 noch einmal 25 Millionen der Gelder ihrer Stromkunden und investierten in eine Beteiligung und Renovierung des PSW Finnentrop-Rönkhausen. Ohne diese Finanzspritze der Aachener wäre ein Weiterbestand des maroden Pumpspeicherwerks nicht möglich gewesen.“

Für Pranter ist klar: „Bei uns am Rursee sollte die Wachsamkeit erhalten bleiben, denn der 2016 vorgelegte Fachbericht ,Potenzialstudie Pumpspeicherkraftwerke Nordrhein-Westfalen‘ des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz spricht bezüglich des Rursees von vier Oberbecken und einem PSW-Potenzial von insgesamt 1450 Megawatt (MW). Zur Erinnerung: Das abgewehrte Pumpspeicherwerk der Trianel sollte eine Leistung von 640 MW und ein Oberbecken haben. Eine solche Monsterplanung wie in dem LANUV-Papier angedacht, wäre das Ende für den Rursee und der ihn umgebenden Landschaft“, heißt es im Schreiben an die immer noch mehreren Tausend Interessierten.

Tatsächlich identifiziert die Studie unter 37 grundsätzlich geeigneten Talsperren im Lande deren fünf, für die auch genehmigungsfähige Gegenbecken vorhanden seien. Danach könnte im Falle des Eifel-PSW das Wasser aus vier Oberbecken im Bereich Kesternich, Steckenborn, Strauch und Schmidt mit einer Fallhöhe von bis zu 250 Metern in die Rurtalsperre (202,6 Millionen Kubikmeter Stauraum) stürzen und Energie erzeugen. Für „Rettet den Rursee“ ist dies eine Horrorvorstellung. Und insofern sei es sinnvoll, „sich auch in Zukunft für den Erhalt des Sees einzusetzen, um weiteren Pumpspeicher-Begehrlichkeiten, zum Beispiel durch die STAWAG, jederzeit entgegentreten zu können“, stellt Christoph Pranter fest und verspricht: „Wir bleiben am Ball!“

Der Link zur Studie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz:
Potenzialstudie PSW NRW

(hes)
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