Roetgen: Eis schmilzt, Sauna wird kalt: Wieder Stromausfall in Roetgen

Roetgen: Eis schmilzt, Sauna wird kalt: Wieder Stromausfall in Roetgen

Semir Kurbegovic, Geschäftsführer des Saunadorfs Roetgen Therme, ist bedient. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr musste er am Montagnachmittag Gäste nach Hause schicken, weil wieder einmal der Strom ausgefallen war.

Nur eine Stunde lang waren die Sauna-Öfen und Wasserpumpen diesmal ohne „Saft”, aber das war lange genug, um etwa 80 Kunden mit Gutscheinen und Freikarten zu versorgen und sie mit dem Ausdruck des Bedauerns zu verabschieden. Nicht nur der materielle Schaden stimmt Kurbegovic ärgerlich, besorgt ist er vor allem über den Imageschaden, den die Roetgen Therme inzwischen genommen hat.

„Die Leute rufen an und fragen, ob es lohnt zu kommen, oder ob wieder mit einem Stromausfall zu rechnen ist”, schildert der Geschäftsführer wenig amüsiert die Situation. „Oder sie kommen grinsend zur Tür herein und fragen: Und, heute ist Strom da?”

Derartige Mund-Propaganda schätzt Semir Kurbegovic als gefährlich für den guten Ruf der Roetgen Therme ein. Wer wolle schließlich eine weite Anfahrt in Kauf nehmen, um dann buchstäblich im Dunkeln zu stehen? Semir Kurbegovic: „Ich verstehe nicht, wieso RWE nicht in der Lage ist, diese Dinge vernünftig und auf Dauer zu regeln. Es darf doch nicht sein, dass hier alle paar Wochen der Strom ausfällt.”

Auch Roetgens einzige Ampel an der Kreuzung Bundes-/Hauptstraße hatte ab 17.30 Uhr für gut eine Stunde Schicht. Dramatisch scheint es nicht gewesen zu sein, denn die Polizei musste sich in der fraglichen Zeit nicht dorthin bemühen, wie die Pressestelle auf Anfrage mitteilte.

Eisdiele in Nöten

Deutlich weniger erfreulich war die Situation in der italienischen Eisdiele an der Bundesstraße. Bei hochsommerlichen Temperaturen waren binnen einer Stunde einige Eissorten so weich geworden, dass Luca Molin-Pradel sie nur noch wegkippen konnte.

„Beim Stromausfall davor, am Pfingstmontag, da war es so schlimm, da musste ich alles wegschütten.” Doch auch diesmal schätzt Molin-Pradel den Schaden auf 500 bis 1000 Euro. Er überlegt, in einen Generator zu investieren, damit beim nächsten Stromausfall die Eistheke weiter gekühlt wird.

Wie hoch der Schaden durch den Stromausfall an der Total-Tankstelle an der Bundesstraße war, vermochte eine Mitarbeiterin am Dienstag nicht zu sagen. Am Montag waren die Zapfsäulen, die auf Strom laufen, hinter rot-weißem Absperrband für die Autofahrer unerreichbar.

Sahne verflüssigt sich

Bis zu 200 Euro wird im Café Heidbüchel an der Bundesstraße der Schaden geschätzt. Bei hohen Temperaturen schmolz nicht nur das Eis, auch die Sahne auf den Torten verflüssigte sich und die Erdbeerschnitten verloren sichtbar an Frische, schilderte Chefin Bonnie Niescior die Situation.

Rund 35 Prozent der Gemeinde waren nach RWE-Angaben am Montag zwischen 17.30 und 18.30 Uhr ohne Strom. Damit dürfte es auch noch in anderen Betrieben ähnliche Schäden und Probleme wie in den befragten gegeben haben.

Lambert Brosch, Pressesprecher der RWE Rheinland-Westfalen-Netz AG, „kann die Verärgerung der Betroffenen gut verstehen”, bezeichnet den Stromausfall allerdings als „einen Fall höherer Gewalt”. Das erneute Malheur in Roetgen sei vermutlich auf einen Kabelfehler zurückzuführen. Ein Erdkabel sei wahrscheinlich bei vorherigen Erdarbeiten beschädigt worden, ohne dass jemand etwas bemerkt habe, und dann „nahm alles seinen physikalischen Lauf”. Das könne Jahre oder Jahrzehnte gut gehen, oder auch nicht. Allerdings will Brosch sich nicht auf diese Schadensursache festlegen: „Da muss zunächst noch ein Sachverständiger ran.”

Brosch bedauert den Zwischenfall, zumal RWE in der Statistik europaweit unter den „Top 5” rangiere. Rein statistisch betrage der Stromausfall bei RWE pro Kunde und Jahr lediglich 20 Minuten, doch „für diese Statistik kann sich natürlich in Roetgen keiner was kaufen”.

Zu einer möglichen Haftungsverpflichtung des Energieversorgers mochte sich Lambert Brosch nicht äußern. Wer eine Schadenersatzforderung gegen RWE erheben wolle, der könne diese beim RWE in der Alten Jülicher Straße in Düren einreichen. Doch werde die Forderung bewertet und beschieden. Brosch: „Darüber hinaus möchte ich diese Frage nicht kommentieren.”