Nordeifel: Ein Singvogel, der auch tauchen kann: Die Wasseramsel

Nordeifel: Ein Singvogel, der auch tauchen kann: Die Wasseramsel

Mit etwas Glück kann man beim Wandern an der Rur entlang einen starengroßen Singvogel beobachten, der sich kopfüber in starke Wasserströmung stürzt. Er hat keineswegs die Absicht, sich durch Ertrinken umzubringen, sondern dieser Singvogel kann tatsächlich tauchen und schwimmen, um dabei nach Insekten oder anderen kleinen Wassertieren zu suchen.

Aber nicht nur an der Rur kann man die Wasseramsel beobachten, sondern auch am Perlbach, Fuhrtsbach, Tiefenbach und an der Kall.

Bis zu 1600 Tauchgänge

Geduldige Naturbeobachter haben herausgefunden, dass bis zu 1600 Tauchgänge notwendig sind, um die Lieblingsspeisen dieses Vogels, nämlich Larven von Wasserinsekten, zu finden. In der Art der Fliegenschnäpper können sie aber auch aus der Luft Insekten ergreifen, und wenn die Bäche Hochwasser führen, müssen die Wasseramseln Futter an den Bach- und Flussrändern suchen. Es sind die leicht abgespreizten Flügel, die den Vogel segelnd oder fliegend zum Bachgrund treiben.

Wasseramseln haben zwar nicht mehr Federn als andere Singvögel, aber dichtere. Eingefettet mit dem Sekret der Bürzeldrüse halten sie selbst Wasser mit sehr niedrigen Temperaturen ab. Die dunkelbraun gefärbten Vögel sind bestens getarnt, und auch der große, weiße Brustfleck fällt vor dem Hintergrund der Schaumkronen nicht sonderlich auf.

Im Dezember schon beginnen die Männchen der Wasseramseln zu singen und stecken ihre Reviere ab, die hartnäckig und aggressiv gegen Rivalen verteidigt werden. Das Rauschen der Bäche macht es jedoch schwer, den schwätzenden Gesang wahrzunehmen. Der Zeitpunkt des Brutbeginns hängt von der Wassertemperatur ab. Bei einem langen Winter bleibt das Wasser kalt, und dann können sich keine Larven von Insekten bilden, so dass für die Jungvögel keine Nahrung vorhanden wäre.

In unserer Region dürften die Eier Anfang April gelegt werden, aus denen nach gut zwei Wochen die Jungen schlüpfen. Nach ungefähr drei Wochen verlassen die Jungen das Nest und werden noch gut zwei Wochen von den Eltern betreut. Schon während dieser Zeit beginnen Balz und Nestausbesserung für die zweite Brut.

(gük)
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