Erkensruhr: Ein Mekka für Sammler und Gourmets

Erkensruhr: Ein Mekka für Sammler und Gourmets

Es geht Schieferstufen, entlang lilaner Blüten und Windlichter, hinauf. Oben angekommen, warten unter anderem arrangierte Holztische auf Verweilende. Ein altes, grün gefärbtes Fahrrad trägt den Hinweis auf dahinter wachsende Tomaten.

Öffnet sich die Tür der „Alten Scheune”, ein Gebäude in fachwerklicher Architektur belassen, tritt der Gast ein in ein Eldorado für suchende Augen.

Ganz eigene Atmosphäre

Neben gemütlich hergerichteten und liebevoll gedeckten Tischen findet sich an jeder Wand, in alten Schränken oder auf dem Boden etwas zu entdecken. Musikinstrumente, Büsten, Kerzen, ein altes Telefon - Dinge, die auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen passen, sind hier bewusst miteinander verknüpft und schaffen eine ganz eigene einladende Atmosphäre.

Der Gast der „Alten Scheune” steht mitten im „zweiten Leben” von Sophie Merx-Adam und ihrem Mann Michael Adam. So beschreiben die beiden selbst ihre seit März dieses Jahres geöffnete Weinstube in Erkensruhr. „Der Zufall hat uns hierher geführt”, erklärt die gebürtige Aachenerin Sophie Merx-Adam und fährt fort: „Berufsbedingt haben wir lange Zeit im Rheingau, in der Nähe von Rüsselsheim gewohnt. Nun, da mein Mann im Vorruhestand ist, wollten wir wieder in die Nähe von Aachen.”

Dass das alte Fachwerkhaus im Erkensruhrer Tal neue Bewohner suchte, war wohl auch ein wenig Schicksal. „Seit fünf Jahren besitzen wir dieses Haus. Anfangs war es nur ein Art Wochenendhaus, aber jedes Wochenende haben wir mehr und mehr Sachen mit nach hier gebracht”, so Michael Adam. Nach Renovierungen und Umbau stand für die beiden fest: „Wir haben es so schön hier, warum sollen wir das alleine genießen?”

Mit Weinen aus dem Rheingau, der Pfalz oder auch aus Spanien (Bier gibt es auch) und einer kleinen, aber feinen Karte sowie selbst gebackenen Kuchen locken die beiden nun Einheimische, Wanderer und Weitgereiste zu einer entspannten Pause.

„Wer zu uns kommt, der sollte Zeit haben. Wir bieten kein Fast Food, sondern ein Wein begleitendes Essen, wie etwa Quiche oder warmen Ziegenkäse”, sagt Sophie Merx-Adam. „Jeder, der zu uns kommt, darf ruhig lachen und die Zeit vergessen.”

Letzteres ist in der „Alten Scheune” überhaupt kein Problem. Auf einer Bank zurückgelehnt oder von der Galerie aus nach unten blickend kann der Gast die Musik im Hintergrund genießen - dabei verrinnen die Minuten rasend schnell.

Es ist eine eigene Idee, die das Ehepaar in Erkensruhr verwirklicht hat. „Ich habe zwar jahrelang in einem Gutsausschank gearbeitet, doch wir beide lernen hier ständig dazu”, so Sophie Merx-Adam. „Ich bin für den Service und Dekoration zuständig, mein Mann für die Küche”. Letzterer ergänzt: „Wir haben nur Freitags, Samstags und Sonntags geöffnet, wollen unseren neuen Lebensabschnitt genießen.”

Dass die beiden dies auch gemeinsam mit ihren Gästen tun, spricht sich immer mehr herum. „Vergangenen Sonntag war hier alles voll. Unsere Kapazität ist begrenzt, zum einen räumlich, zum anderen aber auch, weil wir zwei das hier alleine betreiben”, sagt Michael Adam. Doch wer den Weg ein kleines Stück den Berg hinauf in Erkensruhr findet, der trifft neben einem spannenden Gastraum sowie einer einladenden Terrasse sogar eine liebevoll hergerichtete Toilette.

„Uns hat tatsächlich schon jemand gesagt, wenn alle Stühle besetzt wären, würde er sich mit dem Kuchen auch auf die Toilette setzen”, muss Sophie Merx-Adam lachen. Und wer eines der dekorativ verwendeten Instrumente in der „Alten Scheune” zu verwenden weiß, der darf diese auch gerne nutzen. „Vor kurzem hat eine Wandergruppe, in der jemand Akkordeon spielen konnte, unseres genutzt und die Gruppe hat drei Stunden lang hier gesungen. Ich hatte irgendwann Gänsehaut, weil es einfach ein unglaublich schöne Stimmung war”, gesteht Merx-Adam ein.

Mit ganz viel Herz, Liebe und Spaß an der Sache setzt das Ehepaar einen bewussten Gegenpol zur schnelllebigen Zeit. Die Liebe zum Detail wird an jedem einzelnen Dekorationsgegenstand sichtbar: „Das sind Dinge, die über Jahre zusammen gekommen sind und alle eine eigene Geschichte erzählen”, sagt Sophie Merx-Adams. Der Gast, der mit Zeit kommt, verspürt den ganz eigenen Charme der „Alten Scheune” dann auch an jeder Ecke. „Bisher haben alle Leute die hergekommen sind, egal ob jung oder alt, etwas gefunden, dass ihnen gefallen hat”, erklärt Michael Adam.

Ein neuer Abschnitt

Und für ihn trifft in jedem Falle das zu, was japanische Arbeitskollegen festgestellt haben. „Als ich diesen von unserer Idee erzählt habe, sagten diese nur, das ist das ?Second Life. Und für mich und meine Frau, ist es wirklich ein neuer Abschnitt der uns bisher sehr viel Spaß macht.”