Lammersdorf: Ein Landarzt hängt das Stethoskop an den Nagel

Lammersdorf: Ein Landarzt hängt das Stethoskop an den Nagel

„Für Tränen haben wir noch keine Zeit - das kommt noch”, meint Luise Kirch und stürzt sich wieder in ein Chaos von Papier und Ordnern, um mit ihren Kolleginnen für ihren Chef letztmalig die „geliebte” Abrechnung zu machen. Ihr Chef ist Dr. Leopold Pöppel, die Lammersdorfer Institution des Hausarztes an sich, der nach 40-jähriger Arbeit vor Ort nun seine ärztliche Tätigkeit beendet.

An diesen Gedanken muss man sich zunächst einmal gewöhnen, so dass die eingangs erwähnten Tränen verständlich sind. Noch aber herrscht in den Wohn- und Praxisräumen derzeit allgemeine Hektik. Während in der Wohnung von Dr. Pöppel noch viel Mobiliar aus der Praxis steht und seine „Mädels” unter Hochdruck die Abrechnung erstellen, werkeln nebenan in den Praxisräumen unter Hochdruck zahlreiche Handwerker. Sie müssen am nächsten Montag (2. April) fertig sein, denn dann nimmt der Nachfolger von „Poldi”, wie Dr. Pöppel in Lammersdorf gerne liebevoll genannt wird, seine Tätigkeit auf.

Dr. Klaus Generet aus Paustenbach wird ab diesem Tag die Praxis in der Krämerstraße nebst dem bisherigen bewährten dreiköpfigen Praxisteam, aber auch vielen Innovationen übernehmen. Dr. Generet wurde 1964 in Aachen geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von 12 bis 16 Jahren. Der Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde studierte in Aachen und war danach zunächst an der Hegau-Klinik in Singen am Bodensee tätig. Nachdem er als leitender Oberarzt im Aachener Franziskus-Krankenhaus arbeitete, absolvierte er in Bad Lippspringe und Mönchengladbach Weiterbildungsjahre im Bereich Pneumologie.

Nach einem kurzen Gastspiel im Simmerather Krankenhaus hatte er zuletzt die Chefarztstelle im Maria-Hilf-Krankenhaus von Stadtlohn inne. Da sowohl er, als auch seine Familie im „platten” Münsterland immer wieder Sehnsucht nach der Eifel hatten, habe er die Gelegenheit beim Schopf gefasst, als Dr. Pöppel seine Praxisaufgabe signalisierte. So wie seine Kinder sich freuten, wieder in heimischer Umgebung zu sein, so freue er sich riesig auf die neue Aufgabe.

Dr. Pöppel (Jahrgang 1941) wird nun mehr Zeit haben, sich seinen Tieren und seinem Garten zu widmen. Er wurde in Kolberg geboren, studierte in Bonn, Wien und Schönborn und seine Ausbildung zum Chirurg erfolgte in Bonn und Köln. Die dortige Ärztekammer habe dann 1972 bei ihm nachgefragt, ob er nicht für kurze Zeit im „Notstandsgebiet” Eifel tätig werden wolle. Hier ist er dann geblieben - zunächst in den Räumen von Dr. Fraikin in der Peter-Schall-Straße.

Über 20 Jahre war er zudem bei der Firma Junker als Betriebsarzt tätig. Dr. „Poldi” Pöppel wird den Lammersdorfern als bodenständiger Arzt in Erinnerung bleiben, der sich auch am Dorfleben aktiv beteiligte. Als Freund des Karnevals war er regelmäßiger Gast auf Sitzungen und in den Rosenmontagszügen als ärztlicher Betreuer seiner Turnfrauen dabei. Ein „Doc zum Anfassen” legt nun Blutdruckmessgerät Stethoskop an den Nagel - die Lammersdorfer müssen es verschmerzen.

Dringende ärztliche Hilfe für die Lieblingskuh

„Kannste schnell kommen, meine Frau hat sich verletzt! Und bring Nähzeug mit, das blutet wie Sau!” Nachdem ihn dieser ebenso aufgeregte wie eindeutige Anruf eines Landwirts im schönsten Eifeler Platt erreichte, traf Dr. Pöppel im Wohnhaus des Bauernhofes niemanden an, vernahm dann jedoch aus dem Stall fluchende Satzfetzen.

Dort hockte der Bauer auf einem Melkschemel neben seiner Lieblingskuh und begrüßte den Mediziner zunächst einmal mit einem vertraulichen: „Do böst Du joh endlich!” Auf die Frage des Landarztes, wo denn die verletzte bessere Hälfte wäre, bekam er zu Antwort, dass es der wieder einigermaßen gut gehen würde; allerdings benötige zunächst einmal die Kuh Hilfe, da diese sich am Euter verletzt habe.