Nordeifel: Ein Helfer aus Kalterherberg im Kampf gegen die Fluten

Nordeifel: Ein Helfer aus Kalterherberg im Kampf gegen die Fluten

Christian Ruf ist gerade auf einer Tagung des Technischen Hilfswerks (THW) in den Niederlanden, als der Anruf kommt. Von der Jahrhundertflut auf dem Balkan hat er — wie die meisten anderen Menschen auch — noch nichts mitbekommen.

In den Medien ist die Flut in Serbien und Bosnien zu diesem Zeitpunkt kein Thema. Als der Anruf kommt, entscheidet sich der THW-Helfer aus Kalterherberg innerhalb von Sekunden: Er wird hinfahren und vor Ort helfen. Rund 36 Stunden später ist der 31-Jährige in Kostolac, einer Kleinstadt im Osten Serbiens, etwa 100 Kilometer von Belgrad entfernt.

Von braunem Wasser überflutete Straßenzüge, gebrochene Deiche, Häuser, von denen nur noch die Dächer zu sehen sind — so beschreibt Christian Ruf die Situation vor Ort. Als Teamleiter NRW hat er mit seinem 15-köpfigen Team in Kostolac eine anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen: Eines der letzten noch funktionierenden Kraftwerke in der Region muss vor dem Hochwasser geschützt werden. „Die Kraftwerke dort sind alle miteinander verbunden, es war nicht klar, was bei einem Ausfall passieren würde“, sagt Ruf.

Mit Hochleistungspumpen — eine dieser Pumpen schafft 25.000 Liter pro Minute — befördern die THW-Helfer die eindringenden Wassermassen ins Flussbett zurück. Eine Mammutaufgabe. Doch Ruf und die anderen Helfer sind erfolgreich; sie schaffen es, das Kraftwerk vor der Jahrhundertflut zu schützen.

Der zweite Einsatz führt die Helfer in die rund 100 Kilometer westlich von Kostolac liegende Kleinstadt Obrenovac. „Obrenovac war fast komplett überflutet“, erinnert sich Ruf zurück. Auch hier sind die Teams mit ihren Hochleistungspumpen im Einsatz, andere THW-Teams sind mit Wasseraufbereitungsanlagen vor Ort. Auch Einheiten aus Tschechien und Frankreich helfen in Bosnien und Serbien. „Beim Einsatz im Ausland wird alles von den lokalen Einsatzkräften koordiniert, die haben das Sagen“, erklärt Ruf. Für den 31-Jährigen war es bereits der zweite Einsatz im Ausland. 2010 hat Ruf gegen die Fluten in Polen angekämpft.

Seit er 14 Jahre alt ist, ist Christian Ruf THWler. Angefangen hat er in der Jugendgruppe in Lammersdorf, seit 2012 ist er nun Zugführer beim THW-Ortsverband Simmerath. Ein Ehrenamt, das einen Großteil seiner freien Zeit einnimmt. Auch in seinem Büro — Ruf ist selbstständiger Versicherungsvertreter — liegt der Notfallpieper immer in Hörweite bereit. „Natürlich muss man einen Job haben, der einem dieses Engagement ermöglicht, und eine Familie, die das Ganze mitträgt“, sagt er. Ruf hat beides — und kann es sich auch nicht anders vorstellen.

Insgesamt 14 Tage war Christian Ruf in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten im Einsatz. In Orašje, einer Kleinstadt im Norden Bosniens, endet für ihn und sein Team der Einsatz. „Unser Material ist vor Ort geblieben“, sagt Ruf. „Wir haben die Einsatzstelle übergeben und sind dann mit dem Bus heimgefahren.“ Besonders in Erinnerung wird ihm ein Abend in der Stadt Kostolac bleiben, als die Menschen aus dem Ort alle Einsatzkräfte zum gemeinsamen Fischsuppe-Essen eingeladen haben. „Man merkt den Menschen vor Ort natürlich schon an, was dort passiert ist“, sagt Ruf. „Aber trotz der angespannten Situation waren alle sehr freundlich zu uns und auch sehr hilfsbereit.“

Seit dem 1. Juni ist Ruf nun wieder in der Eifel. Ein weiterer Auslandseinsatz ist erst einmal nicht in Sicht, aber einen fertig gepackten Rucksack mit Kleidung und Hygieneartikeln hat Christian Ruf trotzdem immer in seinem Kleiderschrank bereitstehen: Der nächste Einsatz im Ausland kommt bestimmt.

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