Ein Fotomotiv von Josef Haas, dem „Aafmöler“ aus Witzerath

Erntedankfest in Simmerath vor 100 Jahren : „Die lustigen Bauernmädel von Simmerath“

Der Herbst ist da, und die Erntedankfeste sind nicht mehr weit. Ein interessantes Bild-Dokument zum Erntedankfest vor 100 Jahren hat jetzt Irmgard Goffart, geb. Haas, aus Witzerath, gefunden.

Sie ist die Enkelin von Josef Haas, der in der Eifel auch heute noch als der „Aafmöler“ bekannt ist. Josef Haas war ein Pionier mit der Kamera und gilt als der erste professionell arbeitende Fotograf der Nordeifel.

Irmgard Goffart, die den fotografischen Nachlass ihres Opas verwaltet, stieß kürzlich auf ein Motiv, dass ihr Opa unter dem Titel „Die lustigen Bauernmädel von Simmerath“ aufgenommen hat. Das liebevoll und aufwendig arrangierte Bild zeigt zehn Frauen in der Erntezeit des Jahres 1919. So hat es der Fotograf in Sütterlin-Schrift auf eine Tafel geschrieben, die er in der Bildmitte platzierte.

Das Foto entstand vor exakt 100 Jahren anlässlich des Erntedankfestes in Simmerath – zu einer Zeit als die Frauen gerade das Wahlrecht erhalten hatten. Die Frauen lächeln freundlich in die Kamera, und die Gesichter lassen nichts ahnen vom mühsamen Kampf um die politische Gleichberechtigung – ein Kampf, der in der ländlich geprägten Eifel wohl nicht so ausgeprägt wie in den Großstädten gewesen sein dürfte.

Josef Haas dürften solche Betrachtungen aber weniger interessiert haben. Er hatte sich bereits als junger Mann ganz in das Abenteuer Fotografie gestürzt. Haas wurde 1876 in Witzerath geboren. Seine ersten Fotoaufnahmen entstanden um 1900, und auch wenn die Fotografie zu dieser Zeit noch kein lohnendes Geschäft war, blieb Josef Haas beharrlich seiner Leidenschaft treu. In Witzerath richtete er sich der gelernte Schreiner ein kleines Fotostudio ein. Hier entstanden hunderte Porträts. Und wenn Josef Haas nicht im Studio arbeitete, zog er durch die Dörfer der Eifel und fotografierte Menschen und Ortsansichten.

Einen Großteil seines fotografischen Bestandes vernichtete Haas ein halbes Jahr vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Rund zehn Zentner seiner Fotoplatten zerschlug er eigenhändig auf einer Müllkippe am Rande von Simmerath. Vor dem Hintergrund des bereits verlorenen Krieges und der drohenden ungewissen Zukunft wollte der Fotograf verhindern, dass sein Lebenswerk in falsche Hände geriet. Josef Haas, der „Aaafmöler“ starb im Jahr 1966 und hat der Region einen großen Schatz an aussagekräftigen Zeitdokumenten hinterlassen.

(P.St.)