Simmerath: Ein bewegtes Leben zwischen Indien und Deutschland

Simmerath: Ein bewegtes Leben zwischen Indien und Deutschland

„Eigentlich wollte ich nie ein Buch schreiben”, sagt Dr. Hasmukh Bhate, der langjährige Chefarzt und Mitbegründer der Anästhesiesabteilung des Simmerather Krankenhauses. Doch wie wie so vieles in seinem bewegten Leben kam es anderes. Der aus Indien stammende Mediziner, dessen Traum es immer war, Arzt zu werden, legt jetzt auf 240 Seiten seine Autobiografie vor.

Erschienen ist das Buch mit dem Titel „Aus dem Traum in die Wirklichkeit” im Agenda-Verlag Münster. Der heute 68-jährige Hasmukh Bhate, 1942 in Barsi /Indien geboren, hat stets im Spannungsfeld der beiden Kontinente und deren Kulturen gelebt; im Januar 2011 wird er wieder für einige Monate in seine Heimat fliegen.

„Ich wollte mit dem Buch meine Lebensgeschichte verarbeiten,” begründete der in der Eifel wegen seiner fachlichen Kompetenzen hoch geschätzte Narkosearzt seinen Entschluss, mit Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2005 sein Leben in gedruckte Worte zu fassen. Das Buch ist seiner vor zwei Monaten verstorbenen Ehefrau Jutta und der in Konzen lebenden Tochter Sunita-Nicole (38) gewidmet.

Der Weg zum Buch war von ebenso vielen Emotionen und Wendungen geprägt wie auch das Leben von Dr. Bhate selbst. Standen im ersten Entwurf noch die beruflichen Erfolge und das nachhaltige Wirken während der 27-jährigen Tätigkeit am Krankenhaus Simmerath im Blickpunkt, so wurde aus dem Buch, auch dank der intensiven Unterstützung seiner Ehefrau, eine sehr persönlich und ehrlich abgefasste Lebensgeschichte, die den Leser ganz nahe am vom vielen Schicksalsschlägen, aber auch prägenden Begegnungen im Leben des indischen Arztes teilhaben lässt, der am 26. Oktober 1961 mit geschickt geschmuggelten 400 Dollar in der Tasche im kalten Frankfurt landete und zunächst einmal einen Kulturschock erlebte.

Doch ob kalte Küche, westliche Lebensart oder Heimweh: Dem jungen Hasmukh Bhate gelang die perfekte Integration. Er lernte in Bonn seine spätere Ehefrau kennen, auch wenn seine Eltern in Indien zunächst mit totaler Ablehnung reagierten.

Neben Erinnerungen aus der Kindheit, dem steilen beruflichen Aufstieg vom Studium der Zahnmedizin in Bonn, über eine Anstellung am Kreiskrankenhaus Mechernich bis zum Anruf des damaligen Simmerather Chefarztes Dr. Theo Schwonzen, ob er nicht Interesse habe, eine Änesthesieabteilung an St. Brigida aufzubauen, nimmt der Leser auch Anteil an die vielen Höhen und Tiefen, die den persönlichen Lebensweg von Dr. Bhate begleiteten.

Man kann nachvollziehen, welchen Schmerz und Selbstzweifel Eltern erfahren, wenn Kinder sterben. Dr. Bhate musste es gleich mehrfach erfahren. 1991 brach im Alter von 15 Jahren sein Sohn Anil tot zusammen, im Jahr 2005 starb im Alter von 26 Jahren, ebenso plötzlich, sein jüngster Sohn Ajay. Das Schicksal schlug aber noch ein drittes Mal heftig zu, als seine Ehefrau Jutta, mit der er fast 40 Jahre lang verheiratet war, bei einem Verkehrsunfall nahe Fringshaus im März 2008 lebensgefährlich verletzt wurde. „Schwarzer Montag” ist dieses Kapitel überschrieben.

Damit begann ein quälend langer Leidensweg; am 14. Oktober 2010, in den Geburtsstunde des Sohnes Anil, verstarb Jutta Bhate in Folge eines Krebsleidens. Fünf Tage vor ihrem Tod konnte sie noch das frisch gedruckte Buch in ihren Händen halten und lesen.

So schloss sich der Kreis, und der Titel des Buches „Aus dem Traum in die Wirklichkeit” ist für den Autor somit auch ein Stück harte Realität geworden.

Hasmukh Bhate: Aus dem Traum in die Wirklichkeit - Mein Leben zwischen Deutschland und Indien - Eine Autobiografie, Agenda-Verlag, Münster, 240 S. , 19,80 Euro, erhältlich im örtlichen Buchhandel.