1. Lokales
  2. Eifel

Hürtgenwald: Ein altes Haus für neue Kunst und große Namen

Hürtgenwald : Ein altes Haus für neue Kunst und große Namen

Ein Kleinod ist der über die Grenzen der Eifel hinaus wenig bekannte Ort Simonskall. Und in diesem an sich schon sehenswerten Ort mit seinen historischen Bauwerken, ist das Junkerhaus mit anspruchsvollen Kunstausstellungen noch besonders hervorzuheben.

Dem kunsthistorisch bedeutenden Erbe von Simonskall will man demnächst mit einem neuen Beirat gerecht werden.

Das Junkerhaus ist fast so alt wie der Ort Simonskall, der 1608 entstanden sein soll. Dort wird auf zwei Etagen immer wieder Kunst ausgestellt. Auf bis zu drei Ausstellungen pro Jahr bringt es der rührige Kunstverein „HöhenArt Hürtgenwald”. Zuletzt gab es eine HAP-Grieshaber-Schau. HAP Grieshaber gilt als der bedeutendste Holzschneide-Künstler des 20. Jahrhunderts.

Eine Landkommune

Wer im Internet sucht, findet folgende Information: Das Junkerhaus war einst ein Wohnhaus. 1651 wurde es von einem Schweizer Kaufmann errichtet, den es in die Eifel verschlagen hatte und der außer diesem Wohnhaus noch eine Glashütte und eine Seifensiederei baute. Im Laufe der Zeit wechselte das Gebäude mehrfach seine Bewohner, während die Glashütte und die Seifensiederei zu einer Eisenhütte wurden.

Diese Hütte betrieb der neue Besitzer, ein gewisser Simon Kremer, auch Simon op der Callen genannt. Als 1919 der Kunsthistoriker und Publizist Carl Oskar Jatho mit seiner Frau das Haus zwecks Gründung einer Landkommune mit einigen avantgardistischen Kölner Künstlern anmietete, wurde es zunächst zu einer Begegnungsstätte für Künstler und Intellektuelle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem das Gebäude zum größten Teil zerstört wurde, erwarb es 1958 der Lammersdorfer Industrielle Otto Junker, um es wieder aufzubauen. Seitdem wird es Junkerhaus genannt.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, im Erdgeschoss ist ein Touristen-Informationszentrum untergebracht.

Nachdem sich im Jahr 2000 ein Arbeitskreis gegründet hatte, gibt es seit 2002 den Kunstverein „HöhenArt Hürtgenwald”. Dessen Vorsitzender ist Bürgermeister Axel Buch, der sehr ambitionierte und sachkundige künstlerischer Leiter ist Franz Tiedtke. Der Verein möchte das hohe Niveau seiner bisherigen Ausstellungen halten und hat einen künstlerischen Beirat berufen. Dem gehören an: Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Dr. Iris Nestler und Dr. Uli Bohnen.

Bohnen ist Ausstellungsmacher, Kunsttheoretiker und Publizist und gilt als der Wiederentdecker der Rheinischen Progressiven. Dabei handelt es sich um eine Künstlergruppe, die Anfang der 1920er Jahre gegründet wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten war. Die Gruppe hatte in den 1920er Jahren in Simonskall eine Künstlerkolonie etabliert.

Cepl-Kaufmann ist eine große Kennerin der zeitgenössischen Kunstgeschichte, sie leitet in Düsseldorf an der Heinrich-Heine-Universität das Institut zur interdisziplinären Erforschung der Moderne im Rheinland. Auch sie betreut und veranstaltet Ausstellungen. Dr. Iris Nestler hat sich als Leiterin des Linnicher Glasmuseums einen Namen gemacht und ist jetzt Gastdozentin an der Heine-Uni in Düsseldorf.