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Lammersdorf: Eifeler Schneeanzüge für den Iran

Lammersdorf : Eifeler Schneeanzüge für den Iran

Mittwochabend, kurz nach 18 Uhr: Dort, wo sonst der THW Ortsverband Simmerath seine Unterrichtsveranstaltungen durchführt, türmen sich warme Jacken und Hosen, Pullover, Schneeanzüge und Schuhe, Strümpfe und Mützen. Vereinzelt ist auch ein Plüschtier darunter.

Auf dem Flur herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Frauen und Männer tragen Säcke und Kartons mit Winterkleidung in die Unterkunft an der Hoscheiter Straße. Viele haben ihre Kinder mitgebracht.

Am Eingang des Schulungsraumes werden die Spenden entgegengenommen. Dazwischen bahnt sich ein Junghelfer des THW mit hoch beladener Sackkarre einen Weg. Bis der Inhalt der Kartons an die Reihe kommt, werden sie in einer Ecke abgestellt. Mitten im Raum steht ein Kamerateam des WDR und macht Aufnahmen für die Sendung „Lokalzeit”.

Spontane Aktion

Initiator der bundesweiten Sammelaktion der THW-Jugend ist Dr. Georg Thiel, der Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. „Kinder helfen Kindern - das ist die Grundidee, die hinter der spontanen Aktion steht”, erläuterte Carmen Schmitz, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit für den Geschäftsführerbereich Aachen.

Viele Menschen in dem Katastrophengebiet werden trotz des strengen Winters noch lange in Zelten und Notunterkünften leben müssen. Besonders hart trifft es dabei die zahlreichen Kinder und Jugendlichen. „Der Allgemeinheit entsteht durch unsere Sammelaktion keine Kosten”, so Carmen Schmitz.

Eventuell anfallende Aufwendungen werden vom THW übernommen. Die iranische Fluggesellschaft hat sich bereit erklärt, den Transport kostenlos durchzuführen.

„Kaum zu beschreiben”

„Was hier bei uns los ist, ist kaum zu beschreiben. Mit einer so großen Resonanz haben wir nicht gerechnet”, gestand Horst Lauscher, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit beim Ortsverband. Erst am vergangenen Freitag war das Simmerather THW über die Sammelaktion informiert worden. Für eine groß angelegte Werbekampagne blieb da nicht mehr viel Zeit. „Mehr als die beiden Artikel in der Tageszeitung war einfach nicht drin.”

Umso größer war die Überraschung über die spontane Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Die Leute sind aus dem gesamten Altkreis gekommen, von Kalterherberg bis Roetgen.”

Bereits am Montag wurden bei einigen THW-Helfern daheim die ersten Säcke mit Kinderkleidung abgegeben. Die Folge war, dass schon am Vorabend der eigentlichen Aktion bis gegen 22.30 Uhr kräftig sortiert werden musste.

Auch in der Nordeifel haben sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger beim Anblick der Bilder von der vom Erdbeben weitgehend zerstörten südiranischen Stadt Bam gefragt, wie sie den Not leidenden Menschen vor Ort helfen können.

Die Aktion der THW-Jugend bot vielen von ihnen die Möglichkeit dazu, auch wenn es am Mittwochabend so manchem kleinen Spender sichtlich schwer fiel, sich von seinem längst zu klein gewordenen Winterjäckchen zu trennen.

Auf schnellstem Wege

Unter denen, die nach Lammersdorf kamen, war auch Johanna Johnen aus Petergensfeld. „Ich habe überlegt, was ich auf dem schnellsten Wege tun kann. Vorgestern habe ich dann in der Zeitung von dieser Sammlung gelesen.” Wie viele andere hat sie daraufhin die Sachen ihrer Kinder sortiert und das, was nicht mehr gebraucht wird, zusammengepackt. „Wenn so gezielt gesammelt wird wie hier, dann kann man auch sicher sein, dass die Sachen ankommen.”

Beate und Rolf Mertens aus Roetgen hatten in ihrer Firma gleich kräftig die Werbetrommel gerührt. „Wir haben uns überlegt, wie man helfen kann.” Was sie und ihre Mitarbeiter zusammengetragen hatten, konnte sich sehen lassen.

An einem der zahlreichen Tische im Schulungsraum stehen Christiane Neweling und Thomas Mertens. Sie ordnen Kinderschuhe nach Größe und legen sie anschließend in die entsprechenden Kartons.

Christiane und Thomas gehören zu den 15 Jugendlichen des THW, die, tatkräftig unterstützt von einigen älteren Helfern, die Aktion mit großem Eifer begleiten. Zunächst werden die Kleidungsstücke ausgepackt und gesichtet. Alles ist durchweg von hoher Qualität. An einigen hängen sogar noch die Preisschilder.

Erneute Sichtung

Ende der Woche werden die Kleiderspenden ins Logistikzentrum des THW-Landesverbandes nach Heiligenhaus gebracht. Dort wird alles von ehrenamtlichen Helfern erneut gesichtet und anschließend für den Versand fertig gemacht. Nach der Ankunft im Iran erfolgt dann der direkte Transport in das Katastrophengebiet.

An der Verteilung werden sich auch THW-Helfer beteiligen, die derzeit noch vor Ort sind. „Jeder kann sicher sein, dass die Sachen zu den Bedürftigen kommen”, ist sich Horst Lauscher ganz sicher. Gegen 20 Uhr war die Sammlung beendet, zumindest, was die Annahme von Kleidung anbelangt. „Die Aktion war eine einmalige Sache”, betonte Horst Lauscher. „Alles, was jetzt noch kommt, können wir nicht mehr weiterleiten.”