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Kommentar zum Wohnen auf dem Land: Eifeler Politik muss umdenken

Kommentar zum Wohnen auf dem Land : Eifeler Politik muss umdenken

Ist das Einfamilienhaus klassischer Prägung bald auch auf dem Land ein Auslaufmodell? Und warum empfinden wir die viel zitierten „weißen Klötze“ in der Eifel als so deplatziert? Städteplaner haben die Antworten darauf. Man muss ihnen nur zuhören.

Weshalb gefallen uns Dörfer wie Höfen oder Eicherscheid oder auch die Monschauer Altstadt auf den ersten Blick? Experten wie Professor Rolf-Egon Westerheide haben darauf eine einfache Antwort: Weil sich solche Orte über Jahrhunderte nach bestimmten Kriterien relativ einheitlich entwickelt haben. Und zwar nicht, weil es einen Gesetzgeber gab, der eine bestimmte Optik vorgeschrieben hätte. Sondern weil es eben nicht anders ging. So duckten sich die Bauernhäuser in den Dörfern in die Windschatten gewaltiger Hecken, die so manches kaschierten, was schon damals nicht unbedingt als architektonische Schönheit zu bezeichnen war. Auch die Monschauer Giebelhäuser wurden nur deshalb so erbaut, weil man in der engen Altstadt den Lagerraum auf dem Speicher nutzen musste.

Vermeintliche Freiheit

In Neubaugebieten wird heute dagegen die vermeintliche Freiheit großgeschrieben und ausgelebt: Da findet man auch in der Eifel die Toskana-Villa neben dem Pseudo-Bauhaus-Klotz mit umliegender Schotterwüste. Weil man eben heute so bauen kann, wenn man es denn will. Über Schönheit lässt sich bekanntlich streiten. Zweckmäßig geht es hingegen in Gewerbegebieten zu, die weitgehend aus den Katalogen diverser Modulanbieter zusammengestückelt werden. Tatsächlich geht es den Städteplanern aber nicht nur um die Optik – sondern auch die Frage, wie wir auf dem Land in Zukunft leben wollen und können.

Es spricht viel dafür, dass die Politik stärker als bisher lenkend eingreifen muss. Vom Grundsatz her mag etwa die Idee des Simmerather Zentralorts gut sein, denn die Nachfrage nach Wohnungen in Mehrfamilienhäusern ist groß. Die in der Bevölkerung sehr emotional geäußerten Vorbehalte zeigen aber, dass es in der Umsetzung offenbar noch viel Luft nach oben gibt. Ein Gewerbegebiet mit umliegenden Wohnklötzen allein ist eben nicht identitätsstiftend. Moderne Wohnquartiere werden heute nach ganz anderen Gesichtspunkten entwickelt.

Landschaft ist endlich

Schließlich geht es auch noch um die Frage, wie viel wir von dieser fantastischen Landschaft, die tatsächlich das größte Kapital der Eifel ist, noch zubauen wollen. Über Jahrzehnte ist die örtliche Politik in den meisten Orten nach einem simplen Muster verfahren: Überstieg die Nachfrage nach Bauland das Angebot, wurde die nächste Wiese zugebaut. Ähnlich verhält es sich mit den Gewerbeflächen. In Simmerath und Monschau verharren maßgebliche Teile der Politik noch immer in dieser Denkweise. Dabei ist Landschaft ein endliches, kostbares Gut. Hätte man jedem Städter, der während der Corona-Pandemie aufs Land ziehen wollte, ein Grundstück in der Eifel zur Verfügung gestellt: Simmerath wäre in ein paar Jahren nur noch ein weiterer Vorort von Aachen.

Gesundes Wachstum ist gleichzeitig eine Chance für die Eifel. Deshalb kann man sich dem Appell der Experten nur anschließen: Holt Euch externen Sachverstand, um die Entwicklung von Orten nicht nur einigen wenigen Unternehmern zu überlassen!